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MV vor großen Herausforderungen in der Gerontopsychiatrie

30.06.200608:57 UhrGesundheit & Medizin

(openPR) "Guter Wille reicht nicht, ist aber Voraussetzung für Sozialarbeit" - "Wirkliche Solidarität ist nicht aufwandsneutral." Mit diesen Worten beschrieb Nordwestmecklenburgs Landrat Ehrhard Bräunig gestern auf dem 2. Gerontopsychiatrischen Symposium im Pflegeheim "Haus am Bibowsee" in Nisbill die großen Herausforderungen in der Gerontopsychiatrie. Zur Zeit leben in Mecklenburg-Vorpommern rund 19 000 demenziell Erkrankte. Etwa 40 Prozent werden von ihren Angehörigen versorgt. Bis zum Jahr 2020 wird ein Anstieg auf etwa 30 000 Erkrankte erwartet. Falls kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, steigt nach Vorausberechnungen der Bevölkerungsentwicklung bundesweit die Zahl der Demenzkranken bis zum Jahr 2050 auf mehr als zwei Millionen.



Psychiatriereferent Michael Köpke betonte, dass die Hausärzte häufig die ersten Ansprechpartner sind, wenn erste Krankheitssymptome sichtbar werden. Sorge bereite ihm die Zukunft: "In fünf Jahren werden 30 Prozent der Hausärzte und Psychiater in MV ihre Praxen schließen." Dennoch ist Mecklenburg-Vorpommern eines der ersten Bundesländer, welches sich den "Erfordernissen" stellt. So sollen Hausärzte durch Weiterbildungen in Diagnose und Therapie stärker in die medizinische Versorgung von Demenzkranken eingebunden werden. Auch sei es wichtig, dass die Institutsambulanzen ihre Zuständigkeiten bis "in die Fläche" hinein entwickeln.

Oberarzt Prof. Dr. Friedel H. Reischies von der Berliner Charité, der sich als Psychiater besonders mit der Früherkennung der Demenz befasst, verwies darauf, dass eine im Alter auftretende Hirnleistungsschwäche keineswegs immer bedrohlich fortschreitet. Manche Symptome sind nur Folgen einer behandelbaren Grundkrankheit, das kann beispielsweise eine Depression oder ein Hirntumor sein. Handelt es sich aber um eine Demenz, liegt nach neuen Studien zufolge die Erkrankung möglicherweise schon Jahrzehnte vor, ohne den Betroffenen zu beeinträchtigen. Zu diesem Zeitpunkt ist es bereits möglich, die typischen Stoffe (Demenzmarker) durch Liquor- und Blutuntersuchungen nachzuweisen. Nach Ansicht von Professor Reischies werden diese Methoden für die Früherkennung und Therapie immer wichtiger.
Jörg Springmann, 1. Vorsitzender der Alzheimer-Gesellschaft MV e.V., brachte die Situation der Angehörigen auf den Punkt: "Wenn der Partner mit der Zeit seine Persönlichkeit verliert, fällt alles flach: Hobbys, Mobilität, Freundeskreis. Angehörige müssen lernen, mit schwierigen Verhaltensweisen des Demenzkranken umzugehen." Um die Pflege ihrer kranken Familienmitglieder langfristig leisten können, gründete er 1998 zusammen mit der Gertrud-Foerstner-Stiftung das Projekt "Betreuter Urlaub für Alzheimer-Patienten und ihre pflegenden Angehörigen" im Ostseebad Boltenhagen. Doch wenn bei den Betroffenen wegen schwerer Störungen des Gedächtnisses, des Denkvermögens und der emotionalen Kontrolle eine selbständige Lebensführung Zuhause nicht mehr möglich ist, bleibt oft nur noch das Heim. Jörg Springmann rief die Besucher auf, Angehörigengruppen von Demenzkranken zu gründen.
Erwin Dilger, Pflegedienstleiter von VITA care Berlin, forderte das Thema Gewalt in der Pflege stärker zu problematisieren. "Wer einen Menschen dazu zwingt, eine Trainingshose zur Reduzierung des Pflegeaufwandes bei Inkontinenz anzuziehen, obwohl der Betroffene solche Hosen hasst, übt schon Gewalt aus." Er verwies eindringlich auf die Studie "Soziale Menschenrechte älterer Personen in Pflege", die das Deutsche Institut für Menschenrechte im Juni 2006 veröffentlicht hat. Dr. Klaus Nißle, Chefarzt des Gerontopsychiatrischen Zentrums Kaufbeuren, berichtete wie eine "Integrierte Versorgung" funktioniert und Dr. Lutz M. Drach, Chefarzt der Klinik für Alterspsychiatrie, HELIOS Kliniken Schwerin, sprach über die Rolle der Gedächnissprechstunde in der Diagnose und Therapie von Demenzen.

Das mit fast 100 Teilnehmern gut besuchte Symposium, übrigens eine von 14 Veranstaltungen der "2. Wochen der Gemeindepsychiatrie in der Hansestadt Wismar und im Landkreis Nordwestmecklenburg", erreichte auch Angehörige und Betroffene aus Wismar, Rostock und Umgebung. Zeitgleich dazu fand die Eröffnung der Ausstellung "Hier bin ich" der Malwerkstatt des Psychosozialen Zentrums "Das Boot" Wismar statt. Die anwesenden VertreterInnen der Gruppe unter Leitung der Künstlerin Petra Steffen wurden mit großem Applaus bedacht. Außerdem erwies sich das Pflegeheim "Haus am Bibowsee" mit dieser Veranstaltung wiederholt als ein herzlicher Gastgeber.
Bericht mit Fotos: www.lichtblick-newsletter.de/ticker2105_06.html

LINK-TIPP
Studie: "Soziale Menschenrechte älterer Personen in Pflege" (Rubrik: Publikationen)
www.institut-fuer-menschenrechte.de

Deutsche Alzheimer Gesellschaft im Internet
www.deutsche-alzheimer.de

2. Wochen der Gemeindepsychiatrie in der Hansestadt Wismar und im Landkreis Nordwestmecklenburg

Veranstalter
HANSE-Klinikum GmbH
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
Chefarzt Dr. med. Bernd Sponheim
Dahlberg 11
23970 Wismar
Tel. 03841 - 33 12 80
Fax. 03841 - 33 12 13
www.hanse-klinikum-wismar.com

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