(openPR) Umrahmt vom achten Lahn-Skippertreffen, der alljährlichen Demonstration der Sportschifffahrt für den Erhalt der Lahn als Bundeswasserstraße, fand am 16. Juli in der Stadthalle Nassau das Symposium des N:DW (Netzwerk Deutsche Wasserwege) statt. Die Veranstaltung war von PROLAHN organisiert und diente dem Meinungs- und Erfahrungsaustausch der unterschiedlichen Interessengruppen und Akteure. Gekommen waren fast alle Orts- und Verbandsbürgermeister der Anrainerstädte und Gemeinden, Vertreter des Land- und Bundestages, überregionale Verbände, Vorstände der an der Lahn ansässigen Wassersportvereine, Vertreter aus der Wirtschaft, Gesellschaft und Gäste sowie die Eigentümer und Kapitäne der auf der Lahn fahrenden Schiffe und Boote. Zu diesem Dialog waren auch die Befürworter von Rückbau und Renaturierung der Lahn eingeladen. Jedoch hatten IG Lahn (Interessengemeinschaft der Angler), BUND und NABU ihre Teilnahme abgesagt.
Mit Vorträgen von Landrat Frank Puchtler zum Thema „Perspektive Lahn“, von Prof. Hartmut Ginnow-Merkert vom N:DW zu den Perspektiven des Netzwerks am Beispiel Finowkanal, Helmut von Veen stellte Lösungen der Reviere im Nordwesten vor und Mareike Bodsch, Amtsleiterin des Wasserstraßen- und Schiffahrtsamtes Koblenz berichtete über das Projekt Living Lahn (LiLa) – Lebendige Lahn. Die rund 70 Teilnehmer erhielten über Länder- und Regionsgrenzen hinweg vielseitige Informationen.
Dem Landrat des Rhein-Lahnkreises Frank Puchtler liegen die Lahn und die dort lebenden Menschen seit vielen Jahren am Herzen. Er hob hervor, dass neben Naturschutzmaßnahmen auch wirtschaftlich-infrastrukturelle Bereiche Beachtung finden müssen.
Die Lebensader Lahn sei ein unverzichtbarer Wirtschaftsfaktor für den Tourismus mit 2,4 Millionen Übernachtungen sowie 30 Millionen Tagesgästen. Die Lahn sichere die Existenz von 1.650 Betrieben mit rund 10.000 Arbeitsplätzen. Entlang der Lahn werde ein Jahresumsatz von 1,2 Milliarden Euro erzielt.
Im Anschluss an die informativen Vorträge teilten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in zwei Diskussionsgruppen auf. In der ersten Gruppe ging es um das Thema „Nachhaltige Trägerschaft/Finanzierung“. Notiert wurden Stichpunkte, wie Wertschöpfung, Denkmal- und Naturschutz sowie Umweltschutz, Maut für Schleusen, bundeseinheitliche Strukturen, Sport mit und ohne Motor.
In der zweiten Arbeitsgruppe wurde über das Thema Multifunktionalität, Tourismus, Marketing, Weltkulturerbe, Mineralquellen, kostenlose Anleger bei den Kommunen und die Einbindung von Tourismusverbänden diskutiert. In beiden Gruppen wurden die Diskussionsbeiträge als Stichworte gesammelt und in der Mittagpause von Vertretern von PROLAHN und dem N:DWals Anregungen für ein Nassauer Kommuniqué ausgewertet.
Bevor der Moderator des Symposiums, Helmut Berends vom N:DW, das Ergebnis mitteilte, wies er auf die vielseitigen Möglichkeiten eines modernen Marketings hin. Mehr und bessere Internetseiten mit viel mehr Interaktivität, emotionalere Videos und Fotos und eine deutliche Verlinkung mit allen Beteiligten, Partnern und gleich oder ähnlich gesinnten Verbänden und Organisationen.
Das Nassauer Kommuniqué wird eine Empfehlung sein an die Politik im Kreis, Land und Bund. Es beinhaltet Maßnahmen zur Förderung des sanften Tourismus, Erhalt und Ausbau der Lebensader Lahn als Schifffahrtsweg, Kooperation mit Natur- und Umweltschutz, Beteiligung auch der nicht-wassersportafinen Akteure.
NASSAUER KOMMUNIQUÉ
„Lebensader Lahn“ -
ohne Boote und Passagierschiffe?
Am 16. Juli 2016 trafen sich in Nassau (Lahn) Vorstände und Mitglieder der Wassersportvereine, Vertreter aus Wirtschaft und Gesellschaft, Orts- und Verbandsbürgermeister der Anrainerstädte und Gemeinden, Vertreter des Land- und Bundestages, Vertreter überregionaler Verbände, sowie Eigentümer und
Kapitäne der auf der Lahn fahrenden Schiffe und Boote mit den Initiatoren des im Februar 2015 in Eberswalde gegründeten NETZWERK DEUTSCHE WASSERWEGE.
Ziel des eintägigen Symposiums war die Erkundung der Positionen der Teilnehmer im Hinblick auf die im soeben veröffentlichten Wassertourismuskonzept des Bundes formulierte Absicht der Bundesregierung, zwecks Kosteneinsparung die 23 Schleusen der Lahn permanent für den für den Motorbootsport zu schließen.
Neben einer Reihe von Vorträgen bildeten zwei Workshops den Kern des eintägigen Symposiums, in denen die Teilnehmer die Zielsetzungen des erarbeiteten.
Die dringlichste Forderung richtet sich gegen die Schließungspläne des Bundes. Ohne Schleusen gibt es keinen Bootstourismus und keine Passagierverkehr auf der Lahn, ist der „Lebensader Lahn“ jegliche touristisch-wirtschaftliche Entwicklung verbaut!
Aber auch die Lahnregion erhielt einen Merkzettel für dringend anstehende – und lange vernachlässigte – Aufgaben:
• Überörtliche Vernetzung aller Anrainer und Akteure entlang der Lahn
• Verbesserung im Marketing und Image
• Förderung des sanften Tourismus (z. B. elektrische Bootsantriebe)
• Zusammenarbeit auch mit den nicht wassersportaffinen Akteuren (z. B. Rad, Wandern)
• Kreativeres Ausschöpfen der Fördermöglichkeiten (z.B. EU)
• Reviere- und Grenzen überschreitende Zusammenarbeit(z. B. Mosel, Saar, Rhein, Frankreich)
• Koordinierung der Lobbyarbeit
• Intelligente Kooperation mit Natur- und Umweltschutz
Im Rückblick erscheint das Symposium als eine Art Initialzündung. Es kam der Eindruck auf, dass man sich der drohenden Gefahr an der Lahn noch gar nicht bewusst geworden war. Nun liegt es in der Hand der regionalen Akteure, die Ergebnisse des Symposiums in die Praxis zu überführen. Hiervon wird im Wesentlichen abhängen, ob die Lahnregion den Anschluss an die anderswo längst stattgefundenen touristischen Entwicklungen schafft.
Nassau, 23. Juli 2016
NETZWERK DEUTSCHE WASSERWEGE
Baumwollbörse, Bremen
PRO LAHN e. V.
Nieverner Straße 2
Bad Ems
Geschäftsstelle:
Am Mühlrain 1
Bad Marienberg













