(openPR) Von den traditionellen Banken wenig beachtet, erobern sogenannte Fintechs mit ihren digitalen Angeboten neue Kundenkreise. Nur langsam begreift die Finanzbranche, was da im Internet an Konkurrenz auf sie zukommt. Lange sonnte man sich in der trügerischen Gewissheit, dass Bankgeschäfte eben doch vor allem mit persönlichem Kontakt zu tun haben und weniger mit kundenorientierten, technisch innovativen und nutzerfreundlichen Angeboten, die problemlos auch auf dem Computer oder dem Smartphone abrufbar sind.
Mittlerweile versucht die Branche, mit massiven Investitionen gegenzusteuern. Die grossen Banken richten an den wichtigen Finanzplätzen immer neue Inkubatoren ein, die möglichst rasch möglichst gute Ideen ausbrüten sollen. Der Nutzen für die Bankindustrie darf bezweifelt werden, denn die Kulturen klaffen zu weit auseinander: Ein Start-up kann innerhalb einer grossen Struktur kaum noch die umstürzlerische Kraft entfalten, die für einen echten Aufbruch notwendig wäre.
Noch dramatischer sieht es im Bereich klassischer Privatbanken und Vermögensverwalter aus: Die anstehende Revolutionierung und Demokratisierung des Bankgeschäfts wird hier von etlichen Unternehmen bisher völlig verschlafen. Vielerorts mangelt es bereits am Wissen um die Bedrohung durch die sogenannten Fintechs, von Reaktionen ganz zu schweigen.
Die Zeiten für Privatbanken und Vermögensverwalter wären durchaus günstig: Aufgrund der niedrigen Zinsen und der Rentenproblematik ist der Druck gerade für Privatanleger gross, rentable Anlagealternativen zu finden. Trotzdem ist das Angebot für Privatkunden im deutschen Markt nach wie vor mehr als bescheiden. So bekommt man etwa bei einem Anlagevolumen von 30.000 Euro oft einfach einen Dachfonds, für den dann Ausgabeaufschläge sowie jährliche Gebühren von bis zu zwei Prozent gezahlt werden müssen. Dabei war der Weg zu potenziellen Kunden nie einfacher: Die Technik ermöglicht es, auch weniger begüterten Kunden Zugang zu hochwertigen Anlagemöglichkeiten zu erschliessen. Doch was findige Fintech-Gründer begriffen haben, verschläft das Gros der Vermögensverwalter. Sie hätten zwar das notwendige Anlage-Know-how, aber ihnen fehlt allzu oft jegliche Affinität zur Technik. Hinzu kommt die ausgesprochen konservative Kultur der meisten Vermögensverwalter.
Viele traditionelle Häuser postulieren mehr oder weniger offen, dass man sich für jene Kundengruppe unterhalb des typischen Privatbanksegments erst gar nicht interessiert. Andere hingegen nehmen das Potenzial durchaus wahr, sind sich offenbar jedoch nicht schlüssig, wie sie in dieses Segment vordringen können. Ihnen fehlt die Vision und die Strategie - aber auch schlicht die Methode - wie sie ihre für Grosskunden entwickelten Konzepte auch den zig Millionen "normalen" Bürgern zur Verfügung stellen können. In ihrer diskreten und von ausführlichen Kundengesprächen geprägten Welt, können sie sich womöglich nicht vorstellen, dass ihr Angebot mit Einsatz moderner Software, wie beispielsweise automatischen Handelssystemen, auch Kunden zugänglich gemacht werden kann, die sie bisher nicht im Fokus hatten.
Gepusht wird das Ganze noch vom Generationswechsel. Die jungen Reichen - ob nun Erben oder nicht - erwarten Betreuung via E-Mail, Website und App. Sie sind es gewohnt, ständig auf dem Laufenden gehalten zu werden. Sie wollen die Kontrolle und Transparenz behalten, auch wenn sie einen Vermögensverwalter beauftragt haben. Berührungsängste oder gar generelle Vorbehalte gegenüber der Nutzung neuer Technologien bestehen nicht. Viele Unternehmen der Branche hinken diesen Ansprüchen meilenweit hinterher. Noch begegnet sich die nicht-traditionelle und traditionelle Welt nicht ganz auf Augenhöhe, aber nicht wenige der neuen Anbieter sind angetreten, den etablierten Anbietern das Wasser abzugraben. Sie sind selbstbewusst und der Erfolg gibt ihnen recht. Auch wenn sie absolut gesehen noch nicht mit den Grossen mithalten können, legt ihr schnelles Wachstum den Schluss nahe, dass sie schon bald zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz werden können.


















