(openPR) Flüchtig und doch nachhaltig sind die Eindrücke die das Theater hinterlässt.
Ephemer heißt der Ausdruck, der immer wieder für die Schauspielkunst gebraucht wird, und wir alle, Künstler als auch Zuschauer, sind uns dieser Flüchtigkeit, diesem dünnen Gewebe aus dem die Träume gemacht werden, bewusst.
Bei meinem ersten ROTE NASEN Einsatz im größten Flüchtlingslager während des Kosovo Kriegs in den 90er Jahren, war meine Skepsis vor unseren Auftritten und Besuchen immens.
Nach Brandschatzung, Vergewaltigungen, Massenerschießungen und anschließender lebensgefährlicher Flucht – CLOWNS? War das nicht das letzte was diese Menschen, Kinder und Erwachsenen brauchten?
Jedoch nach unserem Einsatz war meine Erkenntnis klar und deutlich: Dieses flüchtige Gepäck in Form eines Lächelns, das wir ihnen mitgeben konnten, war gewichtiger als ich dachte. Es war, am Ausdruck ihrer Gesichter, den Umarmungen und Zusprüchen, die wir bekamen, für Flüchtlinge viel mehr als nur flüchtig - es war existenziell.
Nicht nur Kinder, so viele Eltern und Großeltern, erfreuten sich am Glück der Kinder und machten es somit auch zu ihrem eigenen Glück. Es war ein lang vermisstes Hochgefühl.
„Der Fremde ist in der Fremde fremd“, sagte Schauspieler und Komiker Karl Valentin. Das Lachen bedeutet wieder ein Stück Heimat, sagt meine Erfahrung. Sie ist inzwischen durch die Arbeit mit Flüchtlingen in Jordanien, Griechenland und in der Ukraine bestärkt worden ist.
Ratlosigkeit und Uneinigkeit herrscht in der Einschätzung der Flüchtlingskrise und ihrer Ursachen. Ratlosigkeit und Unbehagen beherrschen auch die Fragen zur Zukunft, Gerechtigkeit und Verantwortung auf dieser Welt.
Bei aller Dimension dieser Fragen, glaube ich, setzen die Clowns kleine und doch große Schritte. Und wie immer müssen unsere Schritte bei unseren humorvollen Einsätzen behutsam sein, doch dann sind Clowns und Flüchtlinge kurzzeitig eins. Denn dann entstehen sie, die größten Glücksmomente, wenn die Magie des Moments in positive Gefühle transformiert wird.
So gesehen - sind dann eine folgende Selbstreflexion und eine Portion Humor die besten Wege um aus dem unerklärlichen und unmenschlichen Labyrinth der Flucht herauszufinden.
Neue Wege aus der aus alten Rollen heraus, hin zu Selbstverantwortung und positiven Menschen.
Zur Person:
Giora Seeliger ist Gründer von ROTE NASEN Clowndoctors sowie Artistic Director von 10 ROTE NASEN Organisationen in Europa und Mittlerem Osten, Regisseur und Schauspieler.













