(openPR) München, Mai 2016 – Schlaf-, Fütter- und Schreiprobleme bei Säuglingen und Kindern bringen nicht nur viele Eltern an die Grenze ihrer psychischen Belastbarkeit, sondern stellen oftmals auch ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko für die betroffenen Kinder dar. Aber welche Bedingungsfaktoren deuten wirklich auf die Entwicklung einer späteren psychischen Erkrankung hin? Und können aus frühkindlichen Verhaltensstörungen vielleicht sogar Chancen für eine starke Eltern-Kind-Beziehung hervorgehen?
Dem schwierigen Spagat zwischen Normalität und Störung widmet sich die Fachtagung „Psychische Gesundheit im Säuglings- und Kleinkindalter“, die am 30.05.2016 im kbo-Kinderzentrum München unter der Schirmherrschaft von Melanie Huml, Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, stattfand.
Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege unterstützt die Fachtagung am kbo-Kinderzentrum München im Rahmen seines Jahresschwerpunkts 2016 „Psychische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen“.
Staatsministerin Melanie Huml betont: "Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen werden häufig übersehen oder nicht ernst genommen. Bleiben sie unbehandelt, kann das schwerwiegende Folgen für das Kind haben. Wir möchten daher durch gezielte Aufklärung den Themenkomplex psychische Erkrankungen aus der Tabuzone holen. Wir möchten Eltern, Lehrkräfte und alle, die unsere Kinder beim Erwachsenwerden begleiten, für dieses wichtige Thema sensibilisieren.“
Das kbo-Kinderzentrum München ist erste Anlaufstelle für Kinder mit Regulationsstörungen und deren Familien und hat nicht zuletzt mit Deutschlands erster Schreibaby-Ambulanz Pionierarbeit geleistet. Hierher wenden sich Eltern mit ihren Kindern, die an Schlaf-und Fütterstörungen und exzessivem Schreien leiden und erhalten neben einer umfassenden Abklärung auch Therapiemöglichkeiten aufgezeigt. „Die Ursachen für frühkindliche Regulationsstörungen können vielfältig sein und müssen weiter erforscht werden. Kindliche und elterliche Faktoren können dabei zu den Störungen beitragen.“, erklärt Dr. Margret Ziegler, Leiterin der Schreibaby-Ambulanz am kbo-Kinderzentrum München.
Oftmals sind die Übergänge zwischen „normal“, „auffällig“ und „gestört“ fließend und in vielen Fällen gehen aus überstandenen frühkindlichen Verhaltensstörungen sogar Chancen für eine gestärkte Eltern-Kind-Beziehung hervor, die zunächst häufig sehr belastet ist, weiß Dr. Ziegler.
Eine sorgfältige Diagnostik ist daher wichtig, um weitere Schritte zu planen und eine Unterbehandlung oder ein Übertherapieren zu vermeiden.
Die Zahl der stationären Behandlungen aufgrund einer psychischen Störung hat sowohl in Bayern als auch in ganz Deutschland zugenommen. So gab es im Jahr 2014 bei bayerischen Kindern unter 15 Jahren 6.190 Krankenhausfälle infolge psychischer Störungen (2013: 5.844). Hinzu kamen 13.596 Fälle bei Jugendlichen in der Altersgruppe der 15- bis einschließlich 19-Jährigen (2013: 13.009).
„Eine frühestmögliche Prävention und ganzheitliche Stabilisierung der betroffenen Familien ist besonders wichtig, um Leidenszeiten zu verkürzen und die Heilungschancen zu verbessern“, so Prof. Dr. med. Volker Mall, Ärztlicher Direktor im kbo-Kinderzentrum München. „Außerdem erhoffe ich mir durch Veranstaltungen wie die Fachtagung oder die Kampagne des Staatsministeriums eine verbesserte Aufmerksamkeit im Umgang mit seelischen und psychischen Nöten von Kindern und Jugendlichen und darüber hinaus eine Entstigmatisierung von Kindern mit psychischen Erkrankungen und deren Familien.“














