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Nicht mehr über Tyrannen reden!

03.05.201609:12 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) In diversen Veröffentlichungen wurde Eltern immer wieder aufgezeigt was sie alles falsch machen. Es wurde das Bild eines tyrannischen Kindes aufgezeichnet, das das Produkt unfähiger und beziehungsgestörter Eltern ist. Ebenso wurden keine konkreten Lösungsvorschläge verbreitet. Alles was erzielt wurde war ein schlechtes Gewissen der Eltern.



Aus einem schlechten Gewissen heraus zu agieren ist nicht zielführend, es führt zu Reaktionen und in den meisten Fällen zu einem gegenteiligen Effekt dessen, was gewollt ist.
Schuld- und Schamgefühle sind nicht positiv, hilfreich oder konstruktiv. Hier besteht die Gefahr, dass den Kindern diese Schuld mitgegeben wird. Kinder lernen nicht, dass sie etwas falsch gemacht haben, sondern dass sie persönlich, als Mensch, falsch sind.
Etliche dieser Bücher haben den Markt überschwemmt, wurden zu Bestsellern, boten Eltern und Fachleuten keine Stütze an, schrieben auch häufig am Thema vorbei und zeichneten ein Bild vom Kind auf, dass nicht von Achtung, Respekt und einen liebevollen Umgang geleitet wird.
So entstand der Aufruf: „Nicht mehr über Tyrannen reden!“, gibt den Kindern also nicht mehr die Schuld für ihr Verhalten und beschimpft die Eltern oder die Fachleute nicht mehr als inkompetent und beziehungsgestört. Das Ziel dieses Buches besteht darin, die Botschaft zu verbreiten, dass Kinder wieder Kinder sein dürfen, und dass die Eltern auch wieder Eltern sein dürfen. Es geht darum, den Eltern und den Fachleuten Werkzeug an die Hand zu geben, damit diese in ihrer Handlungskompetenz wachsen.
Hierzu wird die Rolle der Eltern, als Halt und Sicherheit gebende Bindungsperson in den Vordergrund gerückt. Kinder benötigen ihre Eltern als Fels in der Brandung, als sicheren Hafen und schließlich als jemanden, der weiß was sie/er will und die Welt versteht und erklären kann. Klarheit und Vorgaben bieten den Kindern Sicherheit. Unterschiedliche Botschaften, Entscheidungsfreiheit mit zeitgleichem Tadeln, dass nicht die gewünschte Entscheidung getroffen wurde, verunsichern die Kinder, geben ihnen das Gefühl alleine zu sein und zwingen sie zu einem weiteren Handeln, das aus erwachsenen Sicht erneut nicht adäquat zu sein scheint. Die Kinder sollen sich aus freien Stücken dafür entscheiden, was ihre Eltern oder die Fachleute gerne hätten, ohne dass diese es ihnen sagen und werden schließlich negativ bewertet wenn sie es nicht machen.
In der heutigen Zeit wollen Eltern, LehrerInnen und ErzieherInnen nicht autoritär sein. Sie wollen aber auch nicht antiautoritär sein. Sie wollen locker sein und sind zeitgleich streng. Sie wollen den eigenen Willen der Kinder stärken und in den Vordergrund rücken, erwarten aber trotzdem den Gehorsam, weil sie der Spirale ihrer eigenen Kindheitserfahrung und dem gesellschaftlichen Anpassungsdruck noch nicht entsprungen sind.
Die Erziehenden, seien es Eltern oder Fachleute, sind also nicht eindeutig in ihrem Verhalten. Sie bieten den Kindern keinen Halt und diese wissen im Endeffekt nicht was von ihnen erwartet wird und wie sie sich verhalten sollen. Sie versuchen sich also den Halt selber zu geben. Sie agieren selbstbestimmt und werden durch ihr Auftreten in vielerlei Hinsicht als die „Bestimmer“ wahrgenommen und abwertend als Tyrannen bezeichnet.
In diesem Buch, soll nicht weiter über Tyrannen geredet, sondern den Eltern sowie Fachleuten Handlungsalternativen für einen gesunden Umgang angeboten werden. Die Eltern werden ermutigt ihre Rolle als liebende Eltern wieder wahrzunehmen, den Kindern mit Hilfe klarer Vorgaben und Eindeutigkeit den notwendigen Halt und die notwendige Sicherheit zu bieten. Viele Begebenheiten aus dem Alltag, in denen sich die eine oder andere Person wiederfindet, werden erklärt und die Tragweite des Handelns sowie die damit gegebenen Botschaften erläutert, um danach Handlungsalternativen zu bieten.
Wir Eltern können nie perfekte Eltern sein, sondern es immer nur versuchen. Somit geht es nicht um ein richtiges oder ein falsches Verhalten, sondern darum, Zusammenhänge zwischen dem Verhalten der Eltern und dem der Kinder zu sehen und das problematische Verhalten nicht als das Problem, sondern nur als ein Symptom, also einen Ausdruck eines tieferliegenden Problems zu sehen.
Der erste wichtige Aspekt besteht darin, eindeutig im Gespräch mit dem Kind zu sein. Auch wenn Pädagogen der Meinung sind, dass ihnen nur die Worte als Werkzeug zur Verfügung stehen, erreichen sie mit ihnen weniger als sie erwarten. Somit ist es elementar weniger zu reden, dafür aber klar in den Vorgaben und der Haltung zu sein. Zur Klarheit in den Vorgaben gehören die persönlichen Aussagen, die sogenannten Ich-Botschaften. Sie geben dem Kind Orientierung und sind richtungweisend, helfen in vielen Situationen mehr als einen Vertrag, der mit Kindern abgeschlossen wird. Der Inhalt dieser Verträge kann einerseits häufig von den Kindern nicht komplett nachvollzogen werden, andererseits finden keine gleichwürdigen Verhandlungen statt.
Des Weiteren dürfen Eltern oder Fachleute die Launen der Kinder oder deren Abweisungen nicht persönlich nehmen und diese nicht als einen Angriff auf ihre persönliche Integrität betrachten. Vor allem wenn sich Kinder ärgern weil sie ihren Willen nicht bekommen und anfangen die Eltern oder die Fachleute zu beschimpfen ist der Zweifel dieser nicht angebracht, da er dazu führen kann, dass aus den falschen Gründen nachgegeben wird. Hierbei erfahren die Kinder, dass sie sich selbst um sich kümmern müssen und die Erwachsenen ihnen keinen Halt und Sicherheit bieten.
Kinder können relativ früh anfangen eigene Entscheidungen zu fällen, vorausgesetzt sie erhalten die Unterstützung der Erwachsenen, die ihnen hierfür einen passenden Rahmen stecken. Sie sind bereit und in der Lage die Verantwortung zu übernehmen, wenn diese nicht ihre Fähigkeiten überfordert, wenn sie also entsprechend der Fähigkeiten portioniert wird.
Im Sprachgebrauch wird häufig zwischen dem Handelnden und der Handlung verwechselt, so geschieht es, dass das Kind mit der Kritik einen Angriff auf sein Selbst erlebt, daraus aber kein Lerneffekt ziehen kann. Die Botschaft, die dieses Kind wahrnimmt ist eine Entwertung. Anders verhält es sich, wenn das negative Verhalten des Kindes ignoriert wird, dem Kind aber Beachtung geschenkt und das positive Verhalten hervorgehoben wird. Vor allem aber sollen die Konsequenzen, sofern sie den sein sollen, ohne Liebesentzug erfolgen. Analog verhält es sich mit den Drohungen, die die Eltern aussprechen. Sie führen zu Angst, aber nicht zu einer realen Veränderung.
Belohnungen und Strafen nützen nicht, da sie zu keinem Lerneffekt führen. Sie werden trotzdem immer wieder im Alltag eingesetzt. Also ist es wichtig, wenn schon nicht darauf verzichtet wird, die Möglichkeit zur Wiedergutmachung einzuräumen.
Anhand vieler Geschichten aus dem Alltag werden diese einzelnen Haltungen und Verhaltensweisen der Eltern oder der Fachleute analysiert und Handlungsalternativen vorgeschlagen, mit dem Ziel zu einem gelingenden Umgang und ein friedvolles Miteinander mit den Kindern zu gelangen.

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