(openPR) Noch ist vollkommen offen, ob es den Euro überhaupt jemals als Helikoptergeld geben wird. Einerseits ist die Verlockung, dieses Experiment zu wagen, stark. Denn weder die Überschuldung zahlreicher Staaten in Euroland noch die zahlreicher Banken ist anders wohl nicht mehr beherrschbar. Andererseits könnten die möglichen Folgen desaströs sein – wirtschaftlich, sozial und schließlich politisch.
Ein solches Experiment machte nur dann Sinn, wenn sichergestellt würde, daß anschließend alle Staatshaushalte nach einheitlichen Kriterien geführt und alle Banken auf ihre ureigentlichen Aufgaben beschränkt werden, damit sich das Fiasko nicht gleich wiederholt. Da es problematisch ist, unsolide (und oft sehr reiche) Schuldner auf Kosten solider (und nicht selten eher armer) Sparer zu entschulden, müßte auch dafür ein Ausgleich gefunden werden. Ohne diese Voraussetzungen wäre Helikoptergeld eine Kriegserklärung an einen großen Teil der Bevölkerung.
Sind die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, ist die „Herstellung“ von Heligeld sehr einfach. Dafür müßte sich „nur“ die EZB überschulden und das neu geschaffene Geld unter die Leute bringen. Ersteres würde zwar bedeuten, daß die EZB buchhalterisch bankrott wäre. Das ist allerdings kein Problem, da die EZB ja unbegrenzt neues Geld „drucken“ und so jede Forderung erfüllen könnte.
Das „Unter die Leute bringen“ ist dagegen schon sehr viel schwieriger. Wieviel sollte wer bekommen? Wie vorher schon angedeutet, muß es bei der Verteilung des Heligeldes erstens gerecht zugehen und zweitens sollten die Empfänger es auch zusätzlich zu ihrem bisherigen Konsum ausgeben, damit die erhoffte nachfragesteigernde und (hoffentlich) inflationäre Wirkung auch eintritt. Wenn die Empfänger das Heligeld zur Schuldentilgung nutzen, mindern sie dadurch ihre Nachfrage- und damit deren potentielle inflationäre Wirkung. Außerdem haben die Banken als ihre Kreditgeber das Nachsehen.
Nicht zuletzt muß die Frage der Dosis beantwortet werden: Wieviel Heligeld sollte in welchen Zeitabständen und über welchen Zeitraum hinweg verteilt werden? Diese Frage keineswegs nicht banal, wenn man einmal überlegt, was es für die Empfänger ausmacht, ob sie nur einmal oder mehrmals Heligeld erhalten, ob sie alle zugleich oder die einen früher, die anderen später bedient werden, und mit welchen Beträgen.
Falls auch alle mit der Verteilung und Dosierung des Heligeldes verbundenen Probleme gelöst werden können – was nicht sehr wahrscheinlich ist – dürfte so tatsächlich die beabsichtigte inflationäre Wirkung erreicht werden können – allerdings mit unkalkulierbaren Nebenwirkungen.
Je stärker die Inflation wird, desto verheerender werden ihre negativen Nebenwirkungen sein.
Deutschland hat in dieser Beziehung schlimme Erfahrungen, die ausgewertet werden sollten und aus denen die gebotenen Konsequenzen gezogen werden müssen. Andernfalls besteht die Gefahr, mit dem Helikoptergeld die Geschichte zu wiederholen. Diesmal dann europaweit und mit desaströsen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.
Man sollte sich deshalb bei der EZB nichts vormachen: Daß der Kollaps der Finanzwirtschaft und eine dadurch ausgelöste Weltwirtschaftskrise mit europäischem Helikoptergeld verhindert werden kann, ist so unwahrscheinlich, daß man es eigentlich ausschließen kann. Vielmehr ist zu befürchten, daß mit dem Experiment viel mehr Schaden als Nutzen gestiftet wird.
Europa steht nicht zuletzt auch wegen der immer noch nicht einmal ansatzweise gelösten Bankenkrise, der suizidalen, an Japan und den USA angelehnten Geldpolitik der Notenbanken, und der sich vertiefenden Divergenzen zwischen den Mitgliedern der Europäischen Union am Scheideweg. In Italien und Spanien scheint sich gerade wieder ein größeres Debakel anzukündigen. Wenn Union und Währungsunion nicht auseinanderbrechen sollen, müssen die einzelnen Staaten endlich ihre Hausaufgaben machen, und zwar ohne, daß andere dafür bezahlen. Da es aber leider sehr unwahrscheinlich ist, daß in dieser Hinsicht die Vernunft siegt, sollte ernsthaft über eine Teilung der EU – die enge Kooperation in allen Angelegenheiten, in denen das möglich ist, nicht ausschließen sollte – nachgedacht werden. Die Teilung müßte mit der Einführung einer Hartwährung als Gemeinschaftswährung der tragfähig finanzierten Länder und einer Weichwährung für die Gemeinschaft der überschuldeten Länder einhergehen. Dann könnten die einen ihre Probleme auf die ihnen gemäße Weise und die anderen die ihren auf die ihnen gemäße Weise lösen. Der zusätzliche Vorteil einer Aufteilung wäre, daß dann auch eine Harmonisierung der Steuer- und Sozialsysteme in den beiden Teil-Unionen einfacher wäre.
Deutschland sollte die Griechenland gewährten Kredite wegen Uneinbringlichkeit abschreiben und keine neuen Kredite gewähren. Sie wären nämlich auch verloren. Die Griechen haben zu Genüge bewiesen, daß sie überhaupt nicht daran denken, anständig und vernünftig zu wirtschaften. Sie können es einfach nicht. Das muß man akzeptieren, aber nicht auch noch finanzieren.
Die wichtigste Aufgabe aller europäischen Länder besteht darin, die soziale Integrität ihrer Bevölkerungen und damit auch die politische Stabilität ihrer Staaten im Hinblick auf die bevorstehenden schwierigen Jahre zu sichern. In dieser Hinsicht ist von Europa nichts zu erwarten. Eher gilt das Gegenteil, vor allem für Deutschland. Jedes Land ist letztlich auf sich selbst angewiesen und muß seine Hausaufgaben selbst machen. Was Deutschland tun sollte und tun könnte, ist in einer vor einigen Jahren erschienenen Studie nachzulesen. Sie trägt den Titel „Unbedingtes individuelles Grundeinkommen in Gestalt einer negativen Einkommensteuer - Kernstück einer unvermeidlichen Radikalreform unserer Gesellschaft.“ Die Studie (ISBN 978-3-943788-18-1, eBook [PDF] oder ISBN 978-3-943788-32-7, eBook [ePub]) ist für 9,95 Euro beim eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital (www.read.ruedenauer.de) und in jeder gut sortierten (Internet.)Buchhandlung erhältlich.
Sollten die amtierenden Politiker nicht in der Lage sein, einen Kurs einzuschlagen, der wenigstens eine gute Aussicht auf soziale Gerechtigkeit, inneren Frieden und Erhaltung des Wohlstands für alle bietet, können wir zwar andere wählen. Wir sollten uns aber vorsichtshalber auch darauf vorbereiten, daß Germania im europäischen Verbund den sprichwörtlichen Bach hinuntergeht.
„Unbedingtes individuelles Grundeinkommen in Gestalt einer negativen Einkommensteuer - Kernstück einer unvermeidlichen Radikalreform unserer Gesellschaft.“ Die Studie (ISBN 978-3-943788-18-1, eBook [PDF] oder ISBN 978-3-943788-32-7, eBook [ePub]) ist für 9,95 Euro beim eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital (www.read.ruedenauer.de) und in jeder gut sortierten (Internet.)Buchhandlung erhältlich.
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