(openPR) Was sagen Sie zum Fall Böhmermann?
Der "Fall Böhmermann" ist für mich mehr als lächerlich. Ein zweitklassiger Moderator dominiert über Tage die bundesweite Berichterstattung der Medien. Das zeugt zum einen vom geistigen Zustand der Gesellschaft, zum anderen kommt es sicher der Politik nicht ungelegen. Lenkt es doch schön von einigen Aufregerthemen wie der immer noch brisanten Asylflut oder dem immer näher rückenden TTIP-Freihandelsabkommen ab.
Wie sehen Sie die Reaktion aus der Türkei?
Böhmermanns "Schmähgedicht" war, wie der überwiegende Teil seiner "Produktionen" alles andere als niveauvoll. Inhaltlich braucht man so etwas nicht wirklich in der Fernsehlandschaft. Unabhängig davon muss jede in der Öffentlichkeit stehende Person damit rechnen, "Opfer" solcher "Satire" zu werden. Echte Größe hätte Erdogan gezeigt, wenn er jemanden wie Böhmermann gar nicht beachtet hätte. So macht sich die Türkei aber selbst lächerlich.
Was sagen Sie zur Reaktion aus dem Kanzleramt?
Auch unsere Bundesregierung hat sich in diesem Fall nicht viel besser Verhalten als die Türkei. Angela Merkel kann ihre Entscheidung noch so sehr damit rechtfertigen, man wolle den Gerichten das Urteil überlassen, als "Mutti"-Merkel hätte sie sich schützend vor jeden "ihrer" Bürger zu stellen. Außerdem gibt die BRD vor, ein "freiheitlich-demokratischer" Staat zu sein in dem Meinungsfreiheit herrscht. Echte Meinungsfreiheit darf keine Grenzen kennen. Sollte Böhmermann verurteilt werden, wäre das ein Schlag gegen die Meinungsfreiheit. Was selbstverständlich den Gehalt seines Machwerkes in keinster Weise besser macht. Aber auch der größte geistig-verbale Müll ist ein Teil der Meinungsfreiheit.
Wie sollte sich eine deutsche Regierung gegenüber der Türkei verhalten?
So wie dies jeder andere Staat mit Selbstbewusstsein wohl auch tun würde. In Deutschland gelten die deutschen Gesetze. Kein fremder Machthaber hat sich darin einzumischen. Allerdings fehlt der gesamten bundesdeutschen Regierung und Gesellschaft das nötige Selbstbewusstsein, sich als gleichberechtigter Teil auf augenhöhe mit der restlichen Welt zu sehen und die eigenen Belange einzufordern. Es hat sich so eingebürgert, dass es schon eine Schande ist, überhaupt "deutsch" zu sein. Das führt leider immer wieder dazu, sich bereitwillig und in vorauseilendem Gehorsam anderen Interessen ohne Not unter zu ordnen.
Wie stehen Sie zum EU-Beitritt der Türkei?
Ich halte die EU an sich in der jetztigen Ausrichtung für einen geschichtlichen Fehler und hoffe, die Völker Europas erhalten eines Tages alle ihre volle Souveränität inklusive eigener Währung, Grenzkontrollen usw. zurück. Entsprechen rate ich jedem Land von einem Beitritt in die EU ab. Unabhängig davon ist die Türkei sowohl kulturell als auch geografisch nur zu einem sehr kleinen Teil "europäisch". Entsprechend macht es wenig Sinn, sie in eine europäische Staatengemeinschaft zu holen.












