(openPR) „Man muss den Fehler aushalten, dann entsteht etwas Neues“, so erklärt Leonie Häußermann ihre Ideenquelle für die Modekollektion „Perfekt.Imperfekt“. Die 24jährige Absolventin der Hochschule Pforzheim setzte bei ihrer Abschlussarbeit im Studiengang Mode bewusst auf ihre Schwäche, dem Hang zur Perfektion. Konsequent zerstört sie immer wieder ihre Entwürfe bis aus dem ehemaligen Mangel ein überzeugendes Outfit wurde. Ihre ungewöhnliche Kollektion präsentierte sie auf der Werkschau der Fakultät für Gestaltung im Februar 2016.
„Mein Drang zum Perfekten hat mich blockiert“, ist Leonie Häußermann überzeugt. Für die Modedesignerin hemmt Perfektionismus die kreative Ader und schränkt Freiräume ein. „Dem wollte ich bewusst etwas entgegensetzen“, so ihre Motivation. In einer sehr persönlichen Auseinandersetzung suchte sie für ihre Abschlussarbeit das Unvollständige. Die Studentin aus Friolzheim ging in Second Hand Geschäfte, zerschnitt Kleidung, ordnete Klassiker am Modell neu an und entwickelte so neue Schnitte und Ideen. Ihre Ungeduld spielte bei der Formentwicklung eine wichtige Rolle. Durch übereiltes Hineinschlüpfen in ein Sakko oder eine Bundfaltenhose entstanden neue Formen. Die „Fehler“ wurden zur neuen Passform.
Doch nicht nur bei der Schnittführung ging die Designerin neue Wege. „Ich arbeitete auch beim Material mit eingebauten Fehlern“, erklärt Leonie Häußermann. Zerschnittene Stoffe flocht sie wieder zusammen, bedruckte die zusammengenähten Streifen und zerstörte sie wieder. „Der Fehler muss auftreten, damit ich lerne, ihn auszuhalten“, stellte die Designerin fest. Der Arbeitsprozess setzte eine erstaunliche Kreativität frei. Gerade die Kombination aus den neuzusammengesetzten Materialien, der ungewöhnliche Schnittführung und den eingearbeiteten Fehlern überzeugt und regt zum Nachdenken an.
„Heute betrachte ich Fehler als einen Teil des Ganzen und nicht mehr als Scheitern“, bilanziert die Designerin. Im Vorfeld hatte sie sich Gedanken darüber gemacht, wer Normalität und Perfektion überhaupt definiert und ob Normalität eine allgemeine Gültigkeit hat? Ihre Kollektion „Perfekt.Imperfekt“ lässt sich nicht kategorisieren, sondern wirft Fragen auf. „Natürlich ist die Arbeit auch eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich. Die Schwäche wurde eindeutig zur Stärke“, erklärte Professor Johann Stockhammer, der die Arbeit betreute. Der Mut zur Lücke, zum Fehler, lässt Freiräume zu und bewirkt Veränderungen. „Perfektion will bis ins kleinste Detail alles bestimmen und regeln, dabei verliert die Kreativität. Es kann nichts Neues entstehen“, ist Leonie Häußermann heute überzeugt. Derzeit bereitet sich die 24jährige auf die Teilnahme von Wettbewerben vor. Ihre berufliche Perspektive sieht die Württembergerin in Skandinavien.











