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Forderung: CO2 reduzieren

02.11.201520:21 UhrIndustrie, Bau & Immobilien

(openPR) Jedes Jahr schrillen die Alarmglocken lauter: Der Verbrauch der natürlichen Ressourcen schreitet weltweit immer schneller voran und die Umweltbelastung steigt. Dieter Janecek, wirtschafts-politischer Sprecher von Bündnis90/Die Grünen im Bundestag, sieht hier die deutschen und europäischen Unternehmen in der Pflicht. Frank Schulz, Vorsitzender der Geschäftsführung von ArcelorMittal Germany und damit Repräsentant des größten Stahlherstellers der Welt, zeigt Verständnis – und betont, dass der Konzern heute schon Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Ressourcenschonung ganz oben auf der Tagesordnung habe.



Beim Presseclub-Format PR - Der Talk, das, moderiert von Compass Communications-Geschäftsführer Dr. Perry Reisewitz, zweimal im Jahr stattfindet, waren die Rollen klar verteilt. Dieter Janecek fordert von der Wirtschaft deutlich mehr Engagement: „Wir müssen den CO2-Haushalt in den Griff bekommen. Und da sind vor allem die Unternehmen gefragt, die viel Energie benötigen.“ Frank Schulz von ArcelorMittal Germany kann Janeceks Position gut nachvollziehen. Und erläutert, dass der Weltkonzern CO2-Reduzierung und nachhaltiges Wirtschaften sehr ernst nehme: „In den letzten 25 Jahren haben wir die CO2-Emissionen um 20 Prozent verringert.“
Auch heute senke die Stahlindustrie die Emissionen weiter, selbst wenn technisch und physikalisch nur noch geringe Reduktionen möglich sind. Das habe, so Schulz, ökonomische wie ökologische Gründe. Durch einen geringeren Ausstoß werden etwa die hohen Energiekosten, die während der Stahlproduktion anfallen, weiter gesenkt. Doch Frank Schulz übte deutliche Kritik daran, dass im Rahmen des Emissionsrechtehandels Wettbewerbsverzerrungen zum Nachteil der Stahlindustrie in Europa provoziert werden und nur die Emissionen, die bei der Produktion ausgestoßen werden, im Mittelpunkt der Diskussion stehen. „Wir brauchen vergleichbare Wettbewerbsbedingungen und müssen die Emissionen über den Lebens-zyklus unserer Produkte betrachten. Dann wird deutlich, wie nachhaltig Stahl ist, und wie wir mit unseren Produkten zum Klimaschutz beitragen. Durch hochfeste Stähle haben wir beispielsweise das Gewicht von Autos um bis zu 20 Prozent gesenkt. Dadurch ist der Verbrauch von Kraftstoff gesunken. Und Windräder, die Strom erzeugen, bestehen zu 80 Prozent aus Stahl.“ Auch innovative Ideen werden bei ArcelorMittal heute umgesetzt: „Im Rahmen eines Pilotprojekts in unserem Werk in Gent wandeln wir erstmals CO aus dem Kohlendioxid durch Mikroben in Bioethanol um“, berichtet der CEO von ArcelorMittal Germany. Allein in diese Maßnahme habe der Konzern gemeinsam mit seinen Partnern LanzaTech und Primetals Technologies rund 87 Millionen Euro investiert. Allerdings brauchen diese Technologien noch erhebliche Entwicklungszeit und werden für die nächste Handelsperiode bis 2030 noch keinen wesentlichen Effekt bringen.

Deutschland als Vorbild im Klimaschutz

Dieter Janecek sieht die Bemühungen der europäischen Industrie, den Schadstoffausstoß so gering wie möglich zu halten und durch technologische Innovationen neue Verfahren zu etablieren. Dennoch engagiert sich die Stahlindustrie seiner Meinung nach noch nicht genug. „Europa und insbesondere Deutschland sind hier in einer Vorreiterrolle. Wir haben die Pflicht, mit gutem Beispiel voranzugehen. Wir müssen die anderen Staaten auf die Wichtigkeit der Maßnahmen für den Klimaschutz aufmerksam machen“, fordert Dieter Janecek.

Stahlindustrie in Europa vor dem Aus?

Während in Europa die energieintensiven Industrien durch aufwändige technische Lösungen den Schadstoffausstoß reduzieren, gibt es in außereuropäischen Industrieländern kaum umweltpolitische Vorgaben. Die europäische Stahlindustrie mit CO2-Abgaben zu belasten, während für Importe keinerlei Umweltabgaben anfallen, hält Frank Schulz deshalb für ungerecht. „Das gefährdet europäische Arbeitsplätze und provoziert eine Abwanderung der Industrie aus Europa. Hier brauchen wir faire Wettbewerbsbedingungen.“ Forderungen nach einheitlichen Regelungen, die weltweit gelten, werden deswegen immer lauter. „Sicherlich ist es notwendig, dass globale Standards gesetzt werden. Ziel ist es, weltweit unter gleichen Wettbewerbs-bedingungen zu produzieren“, befürwortet Janecek eine Vereinheitlichung. „Dennoch muss einer die Vorbildfunktion haben, und wer soll diese einnehmen, wenn nicht die weltweit führenden Hersteller hier bei uns?“ In einem Punkt sind sich Schulz und Janecek einig: Globale Standards, die für alle bindend sind, müssen kommen, um den Klimaschutz voranbringen.

Deswegen stellt die Reform des Emissionsrechtehandels, die ab 2018 in Europa greifen soll, die Industrie vor eine schwere Aufgabe. Durch die Verknappung der freien Zuteilung von Zertifikaten für energieintensive Branchen sollen die Preise pro Tonne CO2 ansteigen, von einem momentanen Durchschnittswert von zehn Euro auf 30 Euro. Das bedeutet laut Frank Schulz für diese Industrien eine nicht zumutbare Kostensteigerung und eine weitere, drastische Wettbewerbsverzerrung. „Die Reform würde das Aus für die Wettbewerbsfähigkeit einer Industrie bedeuten, die sich dazu bekennt, einen namhaften Beitrag in der Umweltdebatte zu leisten“, erläutert Schulz. „In seiner jetzigen Form ist der europäische Emissions-Handel als wirksames Instrument tot, es muss eine gewisse Neuorientierung geben. Und diese Ziele machen Sinn. Anfangs schlagen die Wellen zwar immer hoch, am Ende halten sie alle aber doch ein“, argumentiert Janecek. Am Ende stehen für Janecek versöhnliche Töne: „Sicher gibt es eine physikalische Grenze bei dem, was an Reduzierungen möglich ist. Um die festzulegen, ist ein ehrlicher und enger Dialog zwischen Wirtschaft und Politik notwendig.“ Und beide versichern: „Wir bleiben im Gespräch.“

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