(openPR) Alle Fraktionen des Bundestages haben YouTube-Kanäle. Die meisten Abonnenten und die höchsten Abrufzahlen gibt es bei den Linken. Die geringsten Abrufzahlen hat die Unionsfraktion. Deren Abonnentenzahl wird erst gar nicht ausgewiesen. Wahrscheinlich gibt es weniger Abonnenten als Unions-Abgeordnete.
Die Abrufzahlen der Grünen sind höher als bei den Regierungsfraktionen. Allein das Video vom Ice Bucket Challenge mit Cem Özdemir schafft eine halbe Million Aufrufe und damit mehr als die Aufrufe aller Videos von SPD und CDU/CSU zusammen gerechnet. Da kann Angela Merkel mit ihrer bei YouTube bereitgestellten Rede zum Afrika Kongress nicht mithalten. Wenn sich unsere Kanzlerin anstelle eines guten Sachkundevortrags einen Eimer Eiswürfel angetan hätte, wären statt 14800 Abrufe viele Millionen zusammen gekommen. Vielleicht holt sie das noch nach. Einen kühlen Kopf wird sie bei den vielen ungelösten Problemen wohl brauchen.
Wenn man also nur die YouTube-Einschaltquoten der Fraktionen vergleicht, schneidet die Union schlecht ab. Bei einer inhaltlichen Bewertung sieht es anders aus. Die Befürworter von frei verfügbaren Bildungsmaterialien werden der Unionsfraktion eine Bestnote geben. Nur dort findet man bisher die Creative-Commons-Lizenz für bereit gestellte Videos. Die offene Lizensierung erlaubt es, den Inhalt zu bearbeiten und weiterzugeben. Genau in der Form, wie es die UNESCO für offene Bildungsmaterialien vorschlägt. Wahrscheinlich ist das Video zu diesem Beitrag eines der ersten Videos, welches die Option zum Remix auch wirklich nutzt: http://youtube.com/watch?v=B42OsOB9TWI
Möglicherweise hat auch niemand den Hinweis im Kleingedruckten zu den Unions-Videos verstanden. Wenn alle Kanalbetreiber so zukunftsweisend handeln, würde die im Video thematisierte Bildung 2.0 ein gutes Stück vorankommen.
Wenn alle für die Bildung in Frage kommenden Videos remixt werden dürfen, kann man hervorragende Materialien zum Erlernen von Fremdsprachen erstellen. Der US-Kanal TED.com liefert schon jetzt eine Vorstellung, wie zwischen vielsprachigen Untertiteln eines Videos umgeschaltet werden kann.
Damit man auch ohne Einstellung der Video-Optionen eine Vorstellung der bilingualen Untertitelung bekommt, sind im Beispiel-Video zwei der in YouTube erzeugten Untertitel schon fest eingebaut. Wahlweise kann noch ein Dritter zugeschaltet werden. Derzeit kann bei der Untertiteleinblendung eine von sieben weiteren Sprachen gewählt werden.
Sind die im Remix gezeigten Optionen im klassischen Schulunterricht sinnvoll?
Beim Gebrauch durch Schüler, die Deutsch als Fremdsprache lernen, erschließt sich sofort der Nutzwert. Muttersprachliche Schüler können beim Lernen durch Lehren Erfahrungen sammeln, indem sie sich den Stoff gegenseitig vermitteln: Unter pädagogischen und didaktischen Aspekten wäre das ein seltener Glücksfall: Wenn Schüler nach einer kurzen Einweisung den Auftrag zur Realisierung passender Projekte erhalten, wird in Teamarbeit hervorragende Arbeit gelingen: Eine Person transkribiert den Text, eine andere spielt den Lektor und wieder andere übersetzen den Text in Fremdsprachen. Weitere Personen kümmern sich um das Zusammenfügen von Videoausschnitten mit Bildern und Texten. Wenn dann alle ihre Rolle sicher beherrschen, geben sie dann ihre Erfahrungen an die Mitschüler weiter und machen beim nächsten Videoremix einen Rollentausch.
Auf der Basis eines zurückliegenden Projektes mit Azubis im Alter von 17 bis 20 Jahren ist auch bei älteren Schülern reges Interesse an solchen Projekten zu erwarten. Jedoch werden diesbezügliche Unterrichtsplanungen an den Zuständigkeiten scheitern. Es gibt hierzulande kaum ganzheitlichen Unterricht. Fachlehrer arbeiten Lehrpläne ab. Ein Projekt wie das genannte Video tangiert die Fächer Deutsch, Englisch, PoWi (Politik und Wirtschaft), Kunst und Informatik. So etwas lässt sich allenfalls in der Projektwoche vor dem Halbjahreszeugnis realisieren, falls hochmotivierte Schüler dann nicht die Zeit mit „Tänzen aus aller Welt“ verschwenden möchten und auch nicht die Light-Version der Projektwoche in Koch- und Backprojekten hinter sich bringen.
Angebot: Falls Lehrer, Kursleiter oder YouTube-Autoren das im Beispiel gezeigte Knowhow zum Remixen von Videos erwerben möchten, kann vom Autor ein passender Präsenzkurs angeboten werden. Um Reisekosten und Reisezeiten zu vermeiden sind E-Learning oder Blended Learning die passenden Alternativen.








