(openPR) Anlässlich der Hamburger Hospizwoche begrüßt das Hospiz am Israelitischen Krankenhaus zu einem Vortrag mit Franz Müntefering. Der Vizekanzler a. D. setzt sich engagiert für den Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung ein. Nachdrücklich spricht er sich gegen den ärztlich assistierten Suizid aus, der in Deutschland aktuell intensiv diskutiert wird. Das an seinen Vortrag anschließende Podiumsgespräch moderiert Dr. Josef Joffe, Herausgeber der Wochenzeitschrift „Die Zeit“.
Das Verständnis unserer Gesellschaft von Leben und Sterben, die hiermit verbundenen Aufgaben unserer Gesellschaft und Fragen der Selbstbestimmung – diesen Themen werden sich Vortrag und Gespräch mit Franz Müntefering widmen. „Denen, die für Hilfe beim Töten sind, sollten wir das Wort Sterbehilfe nicht überlassen“, so Franz Müntefering. „Töne in der Gesellschaft, wonach das Leben nicht lohnt, wenn man nicht olympiareif ist, sind gefährlich.“
Er verabschiedete sich von der Politik, als die letzte Lebensphase seiner an Krebs erkrankten Frau Ankepetra absehbar wurde, die er zu Hause pflegte. Über sein durch diese Erfahrung verändertes Verhältnis zum Sterben sagt Franz Müntefering: „Heute weiß ich, dass sich Schmerzen durch die Palliativmedizin erheblich mindern lassen. Dafür braucht man als Pflegender qualifizierte Hilfe von außen. Das Zweite, was ich schätzen gelernt habe, ist der Hospiz-Gedanke: dass man Menschen beim Sterben begleitet. Wenn Ärzte merken, es ist nichts mehr zu machen, fällt es ihnen schwer, das zu akzeptieren. Dabei geht es gerade dann darum, wie der todkranke Mensch die letzte Strecke in Würde erleben kann.“
Er betont nachdrücklich, dass jeder Tod nicht nur den Sterbenden, sondern auch die Gemeinschaft betrifft, und er engagiert sich für die Wertschätzung von Alten und Leidenden: „Jede Lebensstrecke hat ihre eigene Qualität. Die Liebe zum Leben bleibt wichtig und ist gut.“ Franz Müntefering warnt vor einer Gewinnorientierung von Sterbehelfern und fordert die garantierte, bezahlbare Pflege für jeden Einzelnen.
Moderator des Podiumsgesprächs ist Dr. Josef Joffe, Herausgeber der Wochenzeitschrift „Die Zeit“, deren Chefredakteur er von 2001 bis 2004 auch war. Als Nebenberuf lehrt Josef Joffe Internationale Politik, seit zehn Jahren und zurzeit an der Stanford Universität. Weitere Lehrtätigkeiten hatte er in Harvard, Baltimore und München. Neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen ist der Publizist und Verleger Träger des Verdienstkreuzes 1. Klasse. Für sein Wirken für das deutsch-jüdische Verhältnis überreichte ihm Dr. Henry Kissinger im vergangenen Jahr die Leo-Baeck-Medaille in New York.
Die Fragen, wo und wie wir sterben wollen, sind seit Jahren Basis einer gesellschaftlichen Debatte. Was die unterschiedlichen Positionen vereint, ist die Frage nach der Würde in der letzten Lebensphase. Unsere Regierung will die aktive Sterbehilfe und die Versorgung Sterbender im Herbst 2015 gesetzlich neu gestalten.
Die Hamburger Hospizwoche findet 2015 zum neunten Mal statt. An den Vorträgen, Filmabenden und Diskussionen nahmen im vergangenen Jahr etwa 4.500 Besucher teil.
Vortrag und Podiumsgespräch mit Franz Müntefering
Datum: Mittwoch, den 14. Oktober 2015
Uhrzeit: 17:00 bis 19:00 Uhr
Wo: Atrium des Israelitischen Krankenhauses, Orchideenstieg 14, 22297 Hamburg
Anlass: Hamburger Hospizwoche, 11.10. - 18.10.2015
Der Eintritt ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Teilnehmer des Podiumsgesprächs: Franz Müntefering, ehem. Vizekanzler (SPD), im Gespräch mit Pastorin Ingrid Schumacher, Palliativmedizinerin Dr. Maja Falckenberg und Koordinatorin der Johanniter-Hospiz-Ambulanz Elke Maria Lütgenau-Hawae. Moderation: Josef Joffe











