(openPR) 25 Jahre Wiedervereinigung – doch wie weit sind wir wirklich vereint? Das Doku-Theaterprojekt „Mein ostdeutscher Zwilling“ untersucht diese Frage mit der Zwillingsmethode: Menschen aus dem Osten und dem Westen der Republik nehmen miteinander Verbindung auf, weil sie ein gemeinsames Geburtsdatum haben. Ergebnis dieses Austausches ist ein vielstimmiges Bühnenstück über die geteilte deutsche Geschichte und den gemeinsamen Umgang damit.
Beim dem Doku-Theaterprojekt von Hilde Schneider und Heinke Hartmann begegnen sich ost- und westdeutsche Zeitzeugen und tauschen ihre Erfahrungen und Erinnerungen aus der Zeit der deutschen Teilung und Wiedervereinigung aus. Menschen zwischen 35 und 70 aus Konstanz und Umgebung haben sich zum Jubiläumsjahr der Wiedervereinigung auf die Suche nach einem „Zwilling“ in den Neuen Bundesländern gemacht, sprich: einem Menschen, der am gleichen Tag geboren wurde. „Sechs Zwillingspaare haben sich gefunden und seit Herbst 2014 miteinander kommuniziert: bei moderierten Treffen und Proben in Konstanz, telefonisch, per E-Mail, Facebook, in Briefen und Interviews“, beschreibt Heinke Hartmann die Vorarbeiten. Aus dem Material hat Hilde Schneider ein Stück geschrieben. „Auch nach 25 Jahren Wiedervereinigung steht noch viel Trennendes und Unausgesprochenes zwischen den Menschen. Eigentlich besteht großer Redebedarf, aber das Redebedürfnis ist eher gering“, findet Schneider. „ Die Zwillingsmetapher steht für Gleichwertigkeit, sie soll zu einer Auseinandersetzung auf Augenhöhe anregen. Dafür ist die Bühne ein guter Ort“, sagt Schneider.
Auch die junge Generation kommt zu Wort
Den Theatermacherinnen war auch die Sichtweise der Generation wichtig, die die Teilung nicht mehr bewusst erlebt hat. Ein Schuljahr lang haben sie mit einer neunten Klasse der Konstanzer Wessenbergschule das Thema spielerisch bearbeitet. In Meerane (Sachsen) fanden sie eine „Zwillingsklasse“. Höhepunkt war eine einwöchige Reise nach Sachsen und der Austausch mit den Gleichaltrigen vor Ort. Die filmische Dokumentation dieser Exkursion fließt über Videoprojektionen in das Stück ein.
Produziert und kommunikativ begleitet wird das Projekt von der Agentur Die Regionauten. „Theater kann uns einen Spiegel vorhalten“, ist sich der Geschäftsführer Felix Pfäfflin sicher. Sein Anliegen: „Wir wollen neben all den offiziellen Feierlichkeiten zu 25 Jahren Wiedervereinigung die persönliche Ebene beleuchten. Und vielleicht reißen wir damit die eine oder andere noch bestehende Mauer in unseren Köpfen ein.“ Die Premiere des Stücks ist am Freitag, den 2. Oktober, in der Werkstatt Theater Konstanz. Es folgen weitere Aufführungen im Dezember in Konstanz sowie ein Gastspiel in Altenburg (Thüringen).











