(openPR) PEGIDA-Abspaltung „Widerstand Ost West“ blamiert sich bei Facebook
Ein Mitarbeiter der „Antifa UG - haftungsbeschränkt“ bringt die Verantwortlichen der rechtspopulischen PEGIDA-Abspaltung „Widerstand Ost/West e.V.“ und Funktionäre der Partei „Die Freiheit“ dazu, sich öffentlich zu zerstreiten und interne Informationen offenzulegen
Hamburg [apa – antifaschistische presseagentur]
Seit dem Auftreten der asyl- und islamfeindlichen Bewegung PEGIDA formieren sich allerorts „besorgte“ Bürgerbewegungen. Die Verbreitung rechtspopulistischer Ansichten war nie gesellschaftsfähiger, die Erstellung einer Facebookseite wie z. B. „Nein zum Heim in Musterstadt“ dauert nur wenige Minuten, sodass die Versuchung groß ist, ebenfalls ein kleiner Lutz Bachmann werden zu wollen.
Da Bachmann als Vorsitzender von PEGIDA als autoritär und rechthaberisch gilt, hat sich von ein paar Monaten eine Bewegung um die 21jährige Ester Seitz aus Neumarkt in der Oberpfalz gebildet, die als „Widerstand Ost/West e.V.“ den Status eines gemeinnützigen Vereins erlangt hat. Ausgerechnet unter dem Motto „nicht spalten sondern einen“ brachte „WOW“ immer mehr PEGIDA-Ortsverbände dazu, sich von Dresden abzuspalten und sich dem „Widerstand“ anzuschließen.
Bereits der erste große Auftritt von WOW bei einer für 1.000 Personen angemeldeten Demonstration in Frankfurt/Main am 20. Juni, die als „geilste Multimediademo aller Zeiten“ beworben wurde, floppte: Dem Aufruf folgten nur etwa 100 Islamgegner, die weitestgehend dem Spektrum der gewaltbereiten Hooligangs zuzuordnen waren. Wegen massiver Gegenproteste konnte der Demonstrationszug nur wenige Meter durch ein hermetisch abgesperrtes Terrain laufen. Seitdem gab es nur wenige Demonstrationen von „Widerstand Ost/West“ in Karlsruhe, zu denen zwischen 30 und 60 Teilnehmer mobilisiert werden konnten. Gleichwohl fand WOW zumindest bei Facebook weiter Zulauf, so wechselte u. a. auch das Team von Pegida Hamburg geschlossen zum „Widerstand“.
„Ich hatte bereits Ende 2014 für ein paar Freunde die Facebook-Seite Tegida - ‚tolerante Europäer gegen die Idiotisierung des Abendlandes’ – gegründet“, verrät Anna Elbe* ihre Intension, die Entwicklung um PEGIDA Hamburg und Widerstand Hamburg weiter zu beobachten. Peter Opulist*, einer der Betreiber der Facebook-Seite „Bund aufrechter Populisten“, befasst sich ebenfalls mit dem Hamburger Ableger: „Durch einen Trick gelangte ich ins ‚Orga-Team’ und konnte diverse interne Informationen veröffentlichen“. Diese geben Einblick in das Zerwürfnis mit PEGIDA und viele Streitereien bei WOW, die zu weiteren Abspaltungen führten.
Auch auf der Facebook-Seite „Antifa UG – haftungsbeschränkt“ finden sich fast täglich neue Informationen zu den oftmals öffentlich bei Facebook ausgetragenen Querelen von Widerstand Ost/West. „Irgendwann hatte ich die Idee, die aktuellen Ereignisse wie bei einer Seifenoper dazustellen und diese in Anlehnung an GZSZ ‚Gute Patrioten – Schlechte Patrioten’ zu nennen“, schildert „Mitarbeiter“ Damian Monstrant*. „Spätestens seitdem der zweite Vorsitzende dieses Vereins mir diverse Screenshots mit vertraulichen Informationen einschließlich der Handynummern aller Verantwortlichen zukommen ließ, konnte ich mich über diese ‚Bewegung’ nur noch lustig machen.“
Als Anfang der Woche plötzlich „Widerstand Hamburg“ nicht mehr bei Facebook erreichbar war, habe Monstrant spontan eine neue Facebook-Seite gleichen Namens erstellt und damit die Strippenzieher der Rechtspopulisten dazu gebracht, ihm gegenüber offenzulegen, dass es zum Bruch mit dem Betreiber des Hamburger Ablegers gekommen ist.
Zusammen mit „Tegida“ und dem „Bund aufrechter Populisten“ hatte die „Antifa UG – haftungsbeschränkt“ mittlerweile die Facebook-Seite „GPSP Gute Patrioten – Schlechte Patrioten“ gegründet, auf der die „Seifenoper“ rund um die Verantwortlichen von WOW als Realsatire fortgeführt wurde. „Nachdem die Aktion um ‚Widerstand Hamburg’ so einfach war, fühlte ich mich inspiriert, für ‚GPSP’ noch einmal nachzulegen und habe die Facebook-Seite ‚Widerstand Ost West 2015’ gegründet“, resümiert sich Antifa-Aktivist Monstrant. Auf dieser Seite, die mit dem „offiziellen“ Logo von WOW versehen war, veröffentlichte er die Behauptung, er wolle als Mitglied des „Orga-Teams“ Ester Seitz als Vorsitzende des Vereins stürzen, da diese die Bewegung nur weiter spalte, u. a. durch ihre Distanzierung von der NPD.
Das Konzept geht auf: Fast alle Verantwortlichen von WOW beschäftigen sich mit dem vermeintlichen Putschversuch, einschließlich des Bundesvorsitzenden der rechtspopulistischen Kleinpartei „Die Freiheit“ sowie des NRW-Vositzenden dieser Partei, Ferdinand Gerlach. „Ein paar wohlklingende Worte über angebliche Islamisierung, Patriotismus sowie verquere Ansichten zur NPD, gepaart mit einer abenteuerlichen Zeichensetzung und einer seit/seid-Schwäche waren ausreichend, um die ‚Patrioten’ von der Authentizität der Seite zu überzeugen“, freut sich Monstrant. „Da wurde Salz in die richtige Wunde gestreut; mittlerweile 50 Likes und diverse private Nachrichten mit weiteren Informationen zeigen, wie viele Vereinsmitglieder tatsächlich nicht hinter der Vorsitzenden stehen,“ analysiert Anna Elbe von „Tegida“.
Mittlerweile wurde die „False-Flag-Action“ offengelegt – bei „GPSP – Gute Patrioten Schlechte Patrioten“ findet sich ein süffisant formulierter Text, der die Naivität der selbsternannten Abendlandretter verhöhnt und ankündigt, noch diverse weitere Vereins-Interna offenzulegen, einschließlich der Kontaktaufnahme durch ein NPD-Mitglied.
Die Seite „Widerstand Ost West 2015“ wurde zwischenzeitlich in „Widerstand Potz/Blitz e. V.“ umbenannt und veröffentlichte ein „Bekennerschreiben“, in dem Monstrant mit der Naivität und dem Machtstreben der „Widerstands“-Mitglieder ebenso abrechnet wie mit der Angst vor einer Islamisierung: „Gern könnt Ihr aber auch einsehen, dass es Unsinn ist, von ein paar religiösen Fanatikern auf 1,57 Mrd. Muslime zu schließen, dass die Anzahl der Moslems in Deutschland völlig unabhängig von dem Risiko eines islamistischen Anschlags ist und jedwede Einschränkung der Religionsfreiheit dieses abstrakte Risiko eher erhöhen als verringern dürfte“, heißt es in der Erklärung. Monstrant behauptet, mit der Aktion hätten sich die Beteiligten „endgültig für jedwede politische Tätigkeit disqualifiziert“. Dem pflichtet auch Peter Opulist vom „Bund aufrechter Populisten“ bei: „Es funktioniert halt nicht, wenn jeder Führer sein will und die meisten Hassbürger sich nur über Facebook kennen.“ Er prognostiziert, auch PEGIDA werde früher oder später aus ähnlichen Gründen scheitern, weist aber darauf hin, dass das Problem Rassismus durch die Zerstreitung solcher Gruppierungen nicht gelöst würde.
*Namen geändert
Involvierte Facebook-Seiten:
http://facebook.com/GutePatriotenSchlechtePatrioten
http://facebook.com/antifaug
http://facebook.com/widerstand2015
facebook.com/tegida
facebook.com/BaPHH
facebook.com/widerwach







