(openPR) Um Geld als Mittel der Macht geht es auch im Finanz- und Währungs-Weltkrieg, der spätestens seit 2008 entbrannt ist und immer heftiger wütet. Die tiefere Ursache ist die Verschiebung der politischen Gewichte zwischen Ländern und Länderkoalitionen in Richtung Asien. Sie wird die politische Machtverteilung künftig ebenso signifikant verändern wie die wirtschaftliche.
Die USA sehen ihre Felle davon schwimmen. Deshalb kämpfen mit allen Mitteln um ihre Vorzugsstellung in der westlichen Welt und um das Privileg, sich mit dem US-Dollar als globaler Reservewährung auf Kosten aller anderen Länder unbegrenzt verschulden zu können. Aber es wird nichts nützen, und wir wollen hoffen daß die polit-ökonomische Herrscherklasse aus Verzweiflung über den unausweichlichen Machtverlust keine Dummheiten begeht.
Ein Signal für den Wunsch großer Schwellenländer, endlich gleichberechtig mit den großen Industrienationen an den Entscheidungen wichtiger übernationaler Organisationen beteiligt zu werden, ist die Gründung der New Development Bank als Alternative zur Weltbank und zum Internationalen Währungsfond durch Brasilien, Rußland, Indien, China und Südafrika. Im Unterscheid zur den von den westlichen Industrieländern beherrschten Organisationen haben dort alle Mitglieder unabhängig von ihrem Kapitalanteil eine Stimme. Hauptsitz der NDB ist Shanghai. Die Gründung eines Währungsreservepools ist auch noch geplant. So wollen sich die aufstrebenden Nationen von der Bevormundung durch alte Platzhirsche, vor allem durch die USA, befreien.
Europa ist durch die Schuldenkrise so geschwächt, daß im internationalen Machtgerangel eigentlich nur noch Deutschland zählt. Deshalb gibt es sowohl in den USA wie auch in Europa Stimmen, die es am liebsten sähen, wenn Deutschland durch die Krise der Währungsunion auch weiter geschwächt würde, und ihm deshalb Griechenland als Klotz ans Bein binden möchten. Doch dazu wird es nicht kommen. Die herrschenden Kreise des Landes müßten dazu nämlich nicht nur die Auflagen der Geldgeber erfüllen, sondern auch sich selbst, ihre Mentalität und ihr Verhalten vollkommen ändern. Das ist aber nicht zu erwarten. Denn der Wiederstand gegen weitere unmögliche und sündhaft teure Rettungsversuche wird immer größer.
Andere Länder sehen auch ihrer Pleite entgegen, zum Beispiel die Ukraine, Puerto Rico und Venezuela, und vielen geht es wirtschaftlich so schlecht, daß der soziale Friede ernsthaft in Gefahr ist. Viele Länder verschulden sich immer weiter, um ihre bestehenden Schulden bedienen zu können. Ihre Regierungen sind unfähig, die Haushalte in Ordnung zu bringen und ihre Staaten zukunftsfähig zu machen, weil sie dann die Lobbyvereine nicht mehr zufriedenstellen könnten, von denen sie glauben, daß ihr Verbleib an der Macht von deren Wohlwollen abhängt. Lieber führen sie ihre Staaten sehenden Auges dem Bankrott entgegen.
Die Lobbydemokratur und der neoliberal entfesselte Beutekapitalismus stecken in einer systemischen Krise. Politiker und Notenbanken versuchen sie seit Jahren mit genau den Mitteln und Methoden zu lösen, die sie geschaffen haben. Das ist aber nicht möglich und führt, wie jeder sieht, der nicht ideologisch erblindet ist, sogar zu einer Vertiefung und Ausweitung der Krise. Das bestehende polit-ökonomische System kann nur am Leben erhalten werden, wenn immer mehr Geld in die Befriedigung von Sonderinteressen fließt und vor allem in den Finanzsektor, in dem das Geld durch Spekulation und Manipulation verdient wird, statt durch realwirtschaftliche Leistungen zugunsten gesellschaftlichen Wohlstands.
Die Notenbanken der Europäischen Union, der Vereinigten Staaten und Japans wollen die hoffnungslose Verschuldung von Staaten bekämpfen, indem sie deren Schulden mit Fluten neuen Geldes aufkaufen. Sie bilden sich ein, wirtschaftliches Wachstum erzeugen zu können, indem sie den Banken Geld zum Nulltarif zur Verfügung stellen. Was dabei herauskommt sind aber nur überteuerte Aktien, Anleihen und Immobilien. Auf der anderen Seite vernichten die realen Negativzinsen das Vermögen der Sparer und private Altersversorgungen.
Der Goldpreis wird heruntergeredet und ganz offensichtlich auch nach unten manipuliert, ohne daß die Aufsichtsbehörden in den USA eingreifen; die künstliche Verbilligung des raren Edelmetalls, die auch zu einer Produktionseinschränkung führen könnte, dürfte also im Interesse der USA liegen; aber können die US-Amerikaner einen ans Gold gebundenen Renminbi und damit den Sturz des US-Dollars als Weltleit- und Reservewährung auf diese Weise verhindern? Wohl kaum.
„Interessenkonflikte unter den Menschen werden (also) prinzipiell durch die Anwendung von Gewalt entschieden. So ist es im ganzen Tierreich, von dem der Mensch sich nicht ausschließen sollte.“ (Sigmund Freud) Vielleicht werden in den offiziellen Szenarien, die den Grexit durchspielen auch Panzer auf Athens Straßen erwähnt.
Sicher ist, daß die Menschheit mit dem sich abzeichnenden Zusammenbruch des globalen Finanzsystems, mit einer wahrscheinlichen Weltwirtschaftskrise, mit einer grundlegenden Veränderung der Machtverhältnisse zwischen den USA und Europa auf der einen und China, Rußland und Indien auf der anderen Seite, mit Glaubenskriegen sowie Kriege um Rohstoffe und das Reservewährungsprivileg vor epochalen Umwälzungen steht. Sie muß sich deshalb auf weitgehende und tiefgreifende Veränderungen einstellen. Ungewißheit und Unsicherheit werden zunehmen, und auf die Frage: Was wird geschehen? Lautet die ehrlichste Antwort: Wir wissen es nicht.
„Schon immer beruhten die meisten menschlichen Handlungen auf Angst oder Unwissenheit“, hat Albert Einstein einmal geschrieben. Rechnen wir also vorsichtshalber mit allem. Prof. Querulix wird weiter Tacheles reden und seine Gedanken veröffentlichen. Fünf Bände eBooks mit seinen zeitlos-zeitkritischen Beobachtungen und Kommentaren zum fragwürdigen Treiben des Menschentiers sind unter dem Titel „Tacheles“ bereits im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital (www.read.ruedenauer.de) erschienen, ein sechster ist in Vorbereitung.
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