(openPR) Wie das praktisch umgesetzt werden kann, erläutert Kerstin Broschell, Familien- und Wirtschaftsmediatorin, systemischer Coach und Mitglied im Bundesverand Mediation e. V.
Frau Broschell, am 18. Juni fand der 2. Internationale Tag der Mediation statt. Wollen Sie uns kurz etwas darüber berichten?
KB: Dieser Tag ist von den Berufsverbänden der Schweiz, Österreichs, Luxemburg und Deutschlands ins Leben gerufen worden, um die Mediation als außergerichtliche Konfliktlösungsmethode der breiten Öffentlichkeit zugänglicher und auch bekannter zu machen. In diesem Rahmen fand im IHK-Bildungszentrum Dresden eine tolle Informationsveranstaltung mit Live-Mediationen und Gesprächsrunden statt. Vor allem die Live-Mediation fand sehr viel Anklang.
Worin liegen die Vorzüge einer Mediation?
KB: Wer schon einmal, egal ob im familiären Bereich während eine Trennung oder im arbeitsrechtlichen Kontext ein Gerichtsverfahren erleben musste, weiß, wie kostspielig und nervenraubend diese Zeit ist. Es entsteht eine Situation der Sprachlosigkeit, Ohnmacht und Hilflosigkeit. Das, worum es eigentlich geht, wird aus den Augen verloren: es geht darum, zu gewinnen.
Die Mediation bietet im Gegensatz dazu eine Möglichkeit, selbst und eigenverantwortlich mithilfe von MediatorInnen, sich alles von der Seele zu reden, den Enttäuschungen Platz zu geben und Missverständnisse aufzuklären. Danach kann eine Lösung gestaltet werden, die alle am Konflikt beteiligten zufrieden stellt. Niemand darf sich am Ende einer Mediation als Verlierer fühlen! Es soll eine win-win-Situation entstehen!
Und wodurch schaffen das MediatorInnen?
KB: Indem wir anders zuhören, Fragen stellen, unsere Medianden wertschätzend in ihrer Konfliktsituation aufnehmen und durch den strukturierten Prozess der Mediation den Menschen stets das Gefühl geben, dass die Treffen sowohl zukunfts- als auch lösungsorientiert sind. Ich gebe während meiner Mediationen keine Ratschläge, bin aber offen für alles, was die Medianden beschäftigt. Ich stelle Fragen, die zum Erkennen und gegenseitigen Verstehen anregen. In der Mediation geht es nicht um das Einverstanden sein mit der Andersartigkeit des Anderen, es geht um das Verstehen der Verhaltensweisen der Anderen. Dann kann auch eine nachhaltige Lösung erarbeitet werden, die in der Praxis umsetzbar ist.
In welchen Bereichen kann Mediation angewandt werden?
KB: Die Mediation kann in allen Bereichen, in denen Menschen zusammenleben und -arbeiten ein sehr gutes Mittel sein, den Konflikt zu lösen. Durch die intensive kommunikative Arbeit ist sie beziehungserhaltend, was im Falle einer familiären Trennung, bei der Kinder involviert sind, wichtig ist.
Im unternehmerischen Bereich kann sie bereits präventiv als Prozessbegleitung oder bei schwierigen Teamsitzungen als Unterstützung genutzt werden. Und natürlich bei Konflikten zwischen Mitarbeitern, innerhalb eines Teams oder Abteilungen, zwischen Geschäftspartnern oder ähnlichem bietet die Mediation eine gute Alternative der Streitbeilegung.
Wie können wir uns das vorstellen?
KB: Stellen wir uns diese Situation vor: Zwei Kollegen streiten sich, reden vielleicht schon gar nicht mehr richtig miteinander. Sie gehen nicht mehr gern zur Arbeit, sind durch den Konflikt abgelenkt und können so nicht mehr ihre Kraft und Aufmerksamkeit auf das eigentliche, ihre Tätigkeit richten. Im schlimmsten Fall erfolgen Krankschreibungen, weil die Situation nicht mehr zu ertragen ist. Vielleicht kündigt der eine Mitarbeiter sogar. Nun muss das Unternehmen die Stelle neu ausschreiben. Das ist nicht nur für die betroffenen Mitarbeiter des Unternehmens belastend. Es kostet dem Unternehmen Konflikte eine Menge Geld.
Wenn das Unternehmen diesen zwei Mitarbeitern eine Mediation angeboten hätte, hätte es nicht nur Kosten gespart. Auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter könnte so steigen. Weil sie sehen, dass sich ihr Unternehmen um sie sorgt und sich für ein gutes Arbeitsklima kümmert.
Leider wird oft viel zu lang gewartet, bis Konflikte behoben werden. Dann sind die Verletzungen tief und der finanzielle Schaden groß.
Wie kann das umgangen werden?
KB: In Unternehmen ist das durch ein gutes Konfliktmanagementsystem umsetzbar. Hier sollten Menschen sitzen, die sich gut mit Konflikten auskennen, sensibel und offen für die Mitarbeiter sind und gut einschätzen können, welche Konfliktlösungsmethode bei welchem Problem für beide Seiten, also für den Mitarbeiter und das Unternehmen, von Nutzen sein kann.
Welche Ausbildung braucht man hierfür?
KB: Es gibt im IHK-Bildungszentrum Dresden viele gute kleinere Konfliktmanagementseminare, in denen man sich erst einmal mit sich und dem Thema auseinandersetzen kann. Neu angeboten werden die Weiterbildungen zum Konfliktmanager (IHK) und Wirtschaftsmediation (IHK).
Hierbei ist der Konfliktmanager eine gute Möglichkeit für jedes Unternehmen, einen Mitarbeiter zum Konfliktexperten ausbilden zu lassen, ohne dass er schon ein Mediator ist…
Sie sprachen zu Beginn kurz über die Informationsveranstaltung. Wird es eine Wiederholung geben?
KB: Das große Interesse an dem Thema hat uns dazu veranlasst, diese Veranstaltung am 15. September 2015 zu wiederholen. Meine Kolleginnen Katrin Strobel, die Mitarbeiter der IHK-Bildungszentrum Dresden gGmbH und ich freuen uns auf viele interessierte Teilnehmer, die mit uns über Mediation und das Angebot des Bildungszentrums ins Gespräch kommen wollen.
Frau Broschell, wir danken Ihnen für das Gespräch!










