openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Österreichischer Fotojournalismus – Rasende Reporter fangen den Moment

22.06.201516:44 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Der Fotohistoriker Anton Holzer untersuchte im Rahmen eines Projekts des Wissenschaftsfonds FWF die Entwicklung des österreichischen Fotojournalismus von 1890 bis 1945 und seine Auswirkungen auf die Populärkultur. Die Ergebnisse wurden nun im Buch "Rasende Reporter – Eine Kulturgeschichte des Fotojournalismus" vorgestellt.



Pressebilder sagen oft mehr als tausend Worte und prägen die öffentliche Wahrnehmung von Ereignissen. Grund genug für Anton Holzer, in einem FWF-Forschungsprojekt die Pressefotografie in ihrem politischen und gesellschaftlichen Verwendungszusammenhang zu untersuchen. So zeichnete der Historiker anhand der Entstehungsgeschichte der österreichischen Bildmassenmedien die kulturgeschichtliche Bedeutung der Pressefotografie nach. Fundierte Recherchen sicherten dabei umfangreiches Anschauungsmaterial: Insgesamt analysierte Holzer Bilder aus 125 Wochenillustrierten und Zeitschriften zwischen 1890 und 1945. "Allein die größte und auflagenstärkste Illustrierte 'Das Interessante Blatt', brachte es im Untersuchungszeitraum auf über 130.000 Zeitungsseiten", so Holzer. Die Fotostrecken sind ein Stück visuelle Kulturgeschichte. Die Bilder dokumentieren, was die Öffentlichkeit bewegte und wie politische Mächte diese zu lenken versuchten. Die Forschungsergebnisse fasste Holzer in dem Bildband "Rasende Reporter" zusammen. In 30 Kapiteln mit über 500 Abbildungen wird darin beispielhaft die Entwicklung der österreichischen Bildmassenmedien, des fotografisch-visuellen Erzählens und dessen kulturgeschichtliche Bedeutung dargestellt.

Anfänge der fotografischen Öffentlichkeit
Der Band dokumentiert die Etablierung fotografisch illustrierter Wochenzeitungen ab den 1890er Jahren. Um die Jahrhundertwende löste die Fotografie die Pressezeichnung ab, die bis dahin der authentischen Wiedergabe der Wirklichkeit in den Medien diente", sagt Holzer.
Nach der Aufhebung der Zeitungssteuer um 1900 begann die Blütezeit der Fotoillustrierten als visuelle Leitmedien, der Bedarf nach ausdrucksstarken Bildern stieg stark an. Neue Fotoagenturen entstanden, aus zunächst gemächlich arbeitenden Fotografinnen und Fotografen wurden "rasende" Reporterinnen und Reporter: Die Jagd nach Bildern und neues, leichteres Equipment, das sich nach dem Ersten Weltkrieg durchsetzte, beschleunigte die Beschaffung der Bilder.
Kaiserliche PR
Wie Regierende die Bildmassenmedien zur Selbstinszenierung nutzten, zeigt Holzer unter anderem am Beispiel von Kaiser Franz Joseph: "Ab Mitte der 1890er Jahre wurden zunehmend Aufnahmen im Freien publiziert, die den Herrscher bei öffentlichen Auftritten, zum Beispiel bei einem Werksbesuch der Berndorfer Metallwarenfabrik, zeigen. Neben den kaiserlichen Interessen an einem volksnahen Image wurden auch jene des Industriebetriebs als finanzkräftigem Inserenten berücksichtigt", erklärt Holzer. Dieses Beispiel, bei dem Bilder bereits auf erzählerische Weise miteinander verknüpft sind, zeigt auch, dass die Anfänge der Fotoreportage weitaus früher anzusiedeln sind als bisher angenommen.

Emotion steuert öffentliche Wahrnehmung
Die enge Verflechtung zwischen Bildmassenmedien und politischen Interessen zeigt Holzer etwa anhand des Werks des bekanntesten österreichischen Pressefotografen Lothar Rübelt: "Die Bilder von Fußballspielern, Länderkämpfen und Fans der 'Wunderelf' Anfang der 1930er Jahre – mitten in der Wirtschaftskrise – stärkten auch das nationale Zugehörigkeitsgefühl." Später nutzte Rübelt seine Erfahrung in der Darstellung sportlicher Großereignisse, etwa bei der Berichterstattung über Hitlers Propagandareise durch Österreich im Jahr 1938. Das NS-Regime kontrollierte den Fluss der Bilder, modernisierte die illustrierten Massenblätter und setzte diese als machtvolle Propagandainstrumente ein.

Geschichte zwischen Bildern
Das mit Mitteln des FWF realisierte Buchprojekt beinhaltet die erste umfassende wissenschaftliche Analyse der österreichischen Pressefotografie von den Anfängen um 1900 bis zum Zweiten Weltkrieg und bietet ein Gesamtbild über fünf Jahrzehnte Fotojournalismus. Auch das Werk Rübelts wird erstmals in seinem Publikationskontext untersucht. Insgesamt werden die Biografien von rund 400 Fotografinnen und Fotografen dokumentiert, darunter auch jene der zahlreichen jüdischen Fotografinnen und Fotografen, die in Österreich ab 1938 verfolgt und vertrieben wurden. Der Band erschließt damit die Zusammenhänge zwischen Politik, Gesellschaft und bildlichen Massenmedien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.


Zur Person
Anton Holzer ist Fotohistoriker, Lehrbeauftragter am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien, Herausgeber der Zeitschrift "Fotogeschichte", Publizist und Ausstellungskurator. Seine zahlreichen Publikationen zur Fotografie- und Kulturgeschichte umfassen u. a. "Die andere Front. Fotografie und Propaganda im Ersten Weltkrieg" (ausgezeichnet mit dem Deutschen Fotobuchpreis), "Das Lächeln der Henker. Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung 1914–1918", "Die letzten Tage der Menschheit. Der Erste Weltkrieg in Bildern", "Fotografie in Österreich. Geschichte, Entwicklungen, Protagonisten 1890–1955".


Link
Anton Holzer: Rasende Reporter. Eine Kulturgeschichte des Fotojournalismus. Fotografie, Presse und Gesellschaft in Österreich 1890 bis 1945, Darmstadt: Primus Verlag, 2014, 496 Seiten, zahlreiche Abb. in Farbe und S/W, ISBN: 978-3-86312-073-3; siehe auch FWF-E-Book-Library: https://e-book.fwf.ac.at/o:564. Nominiert für den Deutschen Fotobuchpreis 2015.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 858902
 146

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Österreichischer Fotojournalismus – Rasende Reporter fangen den Moment“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von FWF - Der Wissenschaftsfonds

Von der Angst zur Annäherung
Von der Angst zur Annäherung
Eine Salzburger Forschergruppe um die Psychologin Eva Jonas untersucht die neuropsychologischen Mechanismen, die hinter existenziellen Ängsten stecken. Was genau in dem Prozess zwischen Bedrohung und Verteidigung passiert, steht im Fokus einer aktuellen Studie, die vom Wissenschaftsfonds FWF gefördert wird. Es ist ein interessantes Phänomen: Der Klimawandel wird immer deutlicher, die Bedrohung wächst und eigentlich wäre aktives Handeln gefragt. Tatsächlich legen aber die meisten Menschen Vermeidungsverhalten an den Tag, wenn es um große und…
Solidarität in Zeiten der Krise
Solidarität in Zeiten der Krise
Ein Team von Soziologinnen und Soziologen in Österreich und Ungarn untersucht mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF, wie die fortgeschrittene Wirtschaftskrise die Motive hinter Solidarität beeinflusst. Denn diese kann inklusiv im Sinne sozialer Gerechtigkeit und exklusiv für die eigene nationalistisch-ethnische Gruppenzugehörigkeit gewährt werden. Solidarität ist ein Wert, den sich viele auf die Fahnen heften. Stets geht es um Zusammenhalt, Gerechtigkeit und Gegenseitigkeit in einer Gruppe. Aber wer zu der Gruppe gehört und wer außen …

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Aus der Schneckenperspektive - aktuelles GARTEN+HAUS mit Gartentipps für KinderBild: Aus der Schneckenperspektive - aktuelles GARTEN+HAUS mit Gartentipps für Kinder
Aus der Schneckenperspektive - aktuelles GARTEN+HAUS mit Gartentipps für Kinder
d sie für das Thema begeistern. GARTEN+HAUS ist das österreichische Magazin für Hobbygärtner, Gartenbesitzer, Blumenfreunde und alle, die am Thema „Garten“ interessiert sind. Mit einer Auflage von 40.000 Exemplaren in Öster-reich und Süddeutschland leistet GARTEN+HAUS einen Beitrag zur Entwicklung österreichischer Gartenkultur.
Bild: Ryan Der Kater - verletzt - gerettet - nun ein FacebookstarBild: Ryan Der Kater - verletzt - gerettet - nun ein Facebookstar
Ryan Der Kater - verletzt - gerettet - nun ein Facebookstar
… Schlossermeister Michael Bübl gerettet. Der kleine Held wurde mehrfach operiert und ein Bein wurde amputiert. Nun hat sich die Supermietze erholt und ist aufgestiegen zum Facebookstar. Ryan Der Kater hat zwar nur drei Beine, aber mehr Freunde als so manch österreichischer Politiker. Aus Dankbarkeit für seine Retttung setzt sich der Kater für aktive Tierhilfe ein.
Bild: Emissionshaus Fußball CupBild: Emissionshaus Fußball Cup
Emissionshaus Fußball Cup
… und natürlich die Ehre des eigenen Emissionshauses zu verteidigen. Dazu ist während des Turniers auf Kleinfeld-Kunstrasenplätzen sowie im Anschluss bei einer Bratwurst genügend Zeit vorhanden. Rasende Reporter und Sportberichterstatter sind gerne willkommen! Dies ist eine Aussendung der reconcept GmbH, ausgeführt durch die epk media GmbH & Co. KG.
Wer kennt Stephan Möhring nicht? - Zehn Bücher von Jurij Koch jetzt bei EDITION digital als E-Books
Wer kennt Stephan Möhring nicht? - Zehn Bücher von Jurij Koch jetzt bei EDITION digital als E-Books
… Nach Schulbesuch in Crostwitz (Tschechoslowakei) sowie in Bautzen und Cottbus studierte er in Leipzig Journalistik und Theaterwissenschaften und arbeitete anschließend als Redakteur undReporter beim Rundfunk. Seit 1976 ist Koch, der dem PEN-Zentrum Deutschland angehört, als freier Autor tätig. Einige seiner Bücher wurden in fremde Sprachen übersetzt, …
Bild: Kreative Nachwuchs-Reporter für den Suzuki Rallye Cup 2008 gesuchtBild: Kreative Nachwuchs-Reporter für den Suzuki Rallye Cup 2008 gesucht
Kreative Nachwuchs-Reporter für den Suzuki Rallye Cup 2008 gesucht
… 2008 bleibt Hollands Kult-Schokoladenmilch dem Motto „Drink and Drive“ weiter treu und bietet ambitionierten Jugendlichen in dieser Saison die Möglichkeit, ihr Talent als „rasende Reporter“ bei einem actionreichen Rallye-Lauf unter Beweis zu stellen. Chocomel sucht im Rahmen des großen Suzuki Rallye Cup fünf Schüler, die einen ungefilterten Blick hinter …
Bild: Sommer Camp 2013: Medienwelt als Berufsfeld entdeckenBild: Sommer Camp 2013: Medienwelt als Berufsfeld entdecken
Sommer Camp 2013: Medienwelt als Berufsfeld entdecken
Filme drehen, Plakate gestalten, 3D-Animationen, Musik und Sounds erstellen oder als Reporter unterwegs sein – das alles können Jugendliche in diesem Sommer machen. Denn zum 8. Mal wird das media Sommer Camp als Berufsorientierung für kreative Köpfe zwischen 15 und 20 Jahren in Stuttgart veranstaltet. In der Woche vom 29. Juli bis 2. August 2013 tauchen …
Bild: Onlinezeitung aus Mecklenburg-VorpommernBild: Onlinezeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Onlinezeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
… die Wahrheit, nichts ist exotischer als die Sachlichkeit. Und nichts Sensationelleres in der Welt, als die Zeit in der man lebt.“ Egon Erwin Kisch rasender-reporter.com – die onlinezeitung aus mecklenburg-vorpommern! Der neue rasende-reporter.com ist da. Seit dem 15.August sind wir in einem ganz neuen Gewand online. Tagesaktuell berichten wir aus unserem …
Bild: Global, lokal, digital – Fotojournalismus heuteBild: Global, lokal, digital – Fotojournalismus heute
Global, lokal, digital – Fotojournalismus heute
… voller Fotos, doch über deren Entstehung und das Berufsfeld hinter den Bildern ist wenig bekannt. Diese Lücke will der Sammelband „Global, lokal, digital – Fotojournalismus heute“ schließen. „Fotojournalismus ist Journalismus“, sagen Elke Grittmann, Irene Neverla und Ilona Ammann, Herausgeberinnen des Bandes, und gehen den Strukturen einer Branche auf …
Bild: Neuer Ort für unabhängigen Fotojournalismus und gegen DesinformationBild: Neuer Ort für unabhängigen Fotojournalismus und gegen Desinformation
Neuer Ort für unabhängigen Fotojournalismus und gegen Desinformation
Neuer Ort für unabhängigen Fotojournalismus und gegen Desinformation: laif foundation eröffnet Büro im Publix Berlin Am 5. Juni 2024 eröffnet die gemeinnützige laif foundation ihr Berliner Büro im Publix. Publix ist ein Ort, an dem Organisationen wie CORRECTIV, Good News, Reporter ohne Grenzen und andere offen und kollaborativ an der Zukunft von Journalismus, …
Sommer Camp 2014: Medienwelt als Berufsfeld entdecken
Sommer Camp 2014: Medienwelt als Berufsfeld entdecken
Filme drehen, Plakate gestalten, 3D-Animationen, Musik und Sounds erstellen oder als Reporter unterwegs sein – das alles können Jugendliche in diesem Sommer machen. Denn zum 9. Mal wird das media Sommer Camp als Berufsorientierung für kreative Köpfe zwischen 15 und 20 Jahren in Stuttgart veranstaltet. In der Woche vom 4. bis 8. August 2014 tauchen medieninteressierte …
Sie lesen gerade: Österreichischer Fotojournalismus – Rasende Reporter fangen den Moment