openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Humanitäre Logistik – wie Hilfe gut ankommt

15.06.201514:30 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) In Krisenfällen gilt es für Hilfsorganisationen schnell und effektiv zu reagieren. Dabei spielt Logistik eine zentrale Rolle. Ein Forschungsprojekt des Wissenschaftsfonds FWF untersucht, wie private Logistikunternehmen und humanitäre Organisationen verstärkt zusammenarbeiten können. Dafür sollen optimale Preis- und Vertragsformen entwickelt werden.



Weltweit häufen sich Katastrophen und Notsituationen, und oft haben diese dramatische Auswirkungen auf lange Zeit. Humanitäre Organisationen sind dadurch mehr denn je gefordert, den Betroffenen Hilfe effizient und effektiv zukommen zu lassen. Gleichzeitig gilt es für sie auch, Aspekte der Nachhaltigkeit zu berücksichtigen. Die logistischen Herausforderungen sind dabei groß: Zeitdruck, Unsicherheit, zerstörte Infrastruktur und Bürokratie zählen dazu.

Von den Privaten lernen
Mit ihrem Know-how und internationalen Netzwerken können private Logistikunternehmen wichtige Partner in Krisenfällen sein. Wissenschafterinnen der Wirtschaftsuniversität Wien untersuchen in einem aktuellen Projekt des Wissenschaftsfonds FWF, wie sich die Expertise der privaten Dienstleister in den humanitären Bereich übertragen lässt. Ein Team rund um Tina Wakolbinger vom Institut für Transportwirtschaft und Logistik analysiert mit Hilfe von spieltheoretischen Modellen, welche Logistikaktivitäten von Hilfsorganisationen an kommerzielle Unternehmen ausgelagert werden können und welche Vertrags- und Preisformen sicherstellen, dass dies für alle Beteiligten zu positiven Ergebnissen führt. Berücksichtigt werden dabei die Art der Katastrophe, die Charakteristiken der Hilfsorganisationen und die jeweiligen Phasen von Krisenfällen. "Logistik hat traditionell in vielen Non-Profit-Organisationen eine untergeordnete Rolle gespielt, obwohl dieser Bereich einen Großteil der Kosten verursacht", erklärt Tina Wakolbinger, die sich auf den stark wachsenden Forschungsbereich der Humanitären Logistik spezialisiert hat.

Profitable Hilfe
Die humanitäre Hilfe ist ein riesiger Markt für den privaten Sektor. Im Moment gebe es aber noch viele Schwierigkeiten in der Kollaboration mit der internationalen Katastrophenhilfe, wie Wakolbinger betont. Die Befragungen, die im Rahmen des noch laufenden Forschungsprojektes durchgeführt wurden, zeigen, dass auf beiden Seiten Skepsis besteht. Schwierigkeiten liegen im Bereich des fehlenden Vertrauens, der Leistungsmessung sowie des Informationsaustausches. Speziell kleinere Non-Profit-Organisationen haben Angst vor der Abhängigkeit von einem Unternehmenspartner. Für Unternehmen ist die Sicherstellung der Mitarbeitersicherheit ein wichtiges Thema. Es benötigt Zeit und Ressourcen, erfolgreiche Kooperationen aufzubauen. Ein erfolgreiches Beispiel für die Teilnahme von Unternehmen an der Katastrophenhilfe sind Desaster Response Teams von DHL, die bei der Abwicklung der Hilfsgüterströme an Flughäfen unterstützen.

Zusammenarbeit professionalisieren
"Bis jetzt ist sehr viel ad hoc passiert und ohne Evaluation", erklärt die Wirtschaftswissenschafterin. "Jetzt beginnen Unternehmen gezielter zu überlegen, was sinnvoll ist, und was der langfristige Nutzen der Zusammenarbeit sein kann." Neben wirtschaftlichen Überlegungen und Erschließung neuer Märkte, zählen auch Reputationsgewinn und Mitarbeitermotivation dazu. Unternehmen entsenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Krisengebiete, wovon die Hilfsorganisationen besonders profitieren. Aber auch für die Logistik-Profis können das motivierende und lehrreiche Erfahrungen sein. Denn von den NGOs lernen sie viel über Arbeiten unter Zeitdruck mit limitierten Ressourcen sowie auch über die lokalen Märkte. "Auf lange Sicht muss sich die Zusammenarbeit für alle Partner rechnen", betont Wakolbinger. Daher sei es wichtig, Vertragsbedingungen auszuformulieren und zu gestalten, die wichtige Fragen wie Umfang, Fristen und gebietsbezogene Abgrenzungen für gemeinnützige Services klären. Auch die Universitäten reagieren inzwischen auf den wachsenden Markt der humanitären Logistik und bieten Lehrprogramme für das Katastrophen-Management an, so auch die Wirtschaftsuniversität Wien.

Nachhaltiges Engagement
Aus dem wachsenden Bedarf an humanitären Einsätzen müssen sich die Hilfsorganisationen inzwischen auch der Frage der Nachhaltigkeit ihrer Aktivitäten stellen. Die so genannte "Rückführungslogistik" im Katastrophenfall sei aus wissenschaftlicher Sicht ein noch zu wenig beachtetes Thema, so Wakolbinger, die auch diesen Bereich in ihrem Forschungsprojekt untersucht. Die Frage ist, was mit medizinischen Abfällen, Chemikalien, Verpackungen oder Gebrauchsgegenständen nach Beendigung des Hilfseinsatzes passiert. Das Thema des nachhaltigen Produktdesigns, zum Beispiel bei Zelten, spielt hier eine große Rolle. Firmen und NGOs wie etwa "Disaster Waste Recovery" (disasterwaste.org) haben sich auf den Bereich des Abfallmanagements im Katastrophenfall spezialisiert, und Organisationen verpflichten sich zusehends, nicht nur rasch, sondern auch nachhaltig Hilfe zu leisten.

Zur Person
Tina Wakolbinger ist Professorin für Supply Chain Services and Networks und Leiterin des Forschungsinstituts für Supply Chain Management der Wirtschaftsuniversität Wien. Sie hat internationale Wirtschaftswissenschaften an der Universität Innsbruck und Management Science in den USA studiert. In ihrer Forschung widmet sich Wakolbinger besonders dem Bereich der Humanitären Logistik und des nachhaltigen Supply Chain Managements. Das FWF-Forschungsprojekt "Optimale Preis- und Vertragsgestaltung in der humanitären Logistik" läuft noch bis 2016.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 857811
 529

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Humanitäre Logistik – wie Hilfe gut ankommt“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von FWF - Der Wissenschaftsfonds

Von der Angst zur Annäherung
Von der Angst zur Annäherung
Eine Salzburger Forschergruppe um die Psychologin Eva Jonas untersucht die neuropsychologischen Mechanismen, die hinter existenziellen Ängsten stecken. Was genau in dem Prozess zwischen Bedrohung und Verteidigung passiert, steht im Fokus einer aktuellen Studie, die vom Wissenschaftsfonds FWF gefördert wird. Es ist ein interessantes Phänomen: Der Klimawandel wird immer deutlicher, die Bedrohung wächst und eigentlich wäre aktives Handeln gefragt. Tatsächlich legen aber die meisten Menschen Vermeidungsverhalten an den Tag, wenn es um große und…
Solidarität in Zeiten der Krise
Solidarität in Zeiten der Krise
Ein Team von Soziologinnen und Soziologen in Österreich und Ungarn untersucht mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF, wie die fortgeschrittene Wirtschaftskrise die Motive hinter Solidarität beeinflusst. Denn diese kann inklusiv im Sinne sozialer Gerechtigkeit und exklusiv für die eigene nationalistisch-ethnische Gruppenzugehörigkeit gewährt werden. Solidarität ist ein Wert, den sich viele auf die Fahnen heften. Stets geht es um Zusammenhalt, Gerechtigkeit und Gegenseitigkeit in einer Gruppe. Aber wer zu der Gruppe gehört und wer außen …

Das könnte Sie auch interessieren:

Manöver der Coast Guard Administration auf der Taiping-Insel zur Förderung der humanitären Hilfsmaßnahmen
Manöver der Coast Guard Administration auf der Taiping-Insel zur Förderung der humanitären Hilfsmaßnahmen
Als Reaktion auf die Erhöhung des Seeverkehrs im Südchinesischen Meer wird die Coast Guard Administration (CGA) am 29. November das Manöver Nanyuan Nr. 1 für humanitäre Hilfe und Katastrophenhilfe (HA/DR) in den entsprechenden Gewässern der Insel Taiping abhalten. Das Manöver zielt auf die Stärkung der maritimen Suche, der Rettung und medizinischen Evakuierungsfähigkeiten …
Bild: Abgeordnete des Bundestags sichern den Betroffenen des Blutskandals Unterstützung zuBild: Abgeordnete des Bundestags sichern den Betroffenen des Blutskandals Unterstützung zu
Abgeordnete des Bundestags sichern den Betroffenen des Blutskandals Unterstützung zu
… des Verbands der Opfer des Blutskandals (VOB e.V.) zu einem Parlamentarischen Frühstück am 21.09.2022 mit dem Ziel eigeladen, die Reform der „Stiftung Humanitäre Hilfe für durch Blutprodukte HIV-infizierte Personen" (Stiftung Humanitäre Hilfe) anzustoßen. Zu den Gästen gehörten der Patientenbeauftragte der Bundesregierung Stefan Schwartze (SPD), die …
Auswärtiges Amt erhöht humanitäre Hilfe für Bunia-Flüchtlinge um 210.000 Euro
Auswärtiges Amt erhöht humanitäre Hilfe für Bunia-Flüchtlinge um 210.000 Euro
Das Auswärtige Amt stellt dem Deutschen Caritasverband aus Mittel der humanitären Hilfe rund 210.000 Euro für Hilfsprojekte im Kongo zur Verfügung. Die Mittel dienen zur Versorgung von rund 15.000 kongolesischen Binnenflüchtlingen mit Hilfsgütern wie Decken, Kleidung und Kochutensilien. Damit erhöht sich die humanitäre Soforthilfe des Auswärtigen Amts …
Bild: Köln: Bezirksvertreter Ilg will keine Zeltstadt für Flüchtlinge in BayenthalBild: Köln: Bezirksvertreter Ilg will keine Zeltstadt für Flüchtlinge in Bayenthal
Köln: Bezirksvertreter Ilg will keine Zeltstadt für Flüchtlinge in Bayenthal
… Unterbringung auf dem Gelände am Fühlinger See denkbar. Weitere Standorte in Rodenkirchen und Bayenthal hält er für ungeeignet. "Rodenkirchen leistet schon jetzt überdurchschnittlich viel humanitäre Hilfe. Größere Anlagen für mehr als 1000 Menschen sollten ohnehin nicht im dicht besiedelten Kölner Süden entstehen." Laut Ilg gebe es eine „große humanitäre …
Bild: Klimakrise in Afghanistan: Neun Millionen Menschen akut bedrohtBild: Klimakrise in Afghanistan: Neun Millionen Menschen akut bedroht
Klimakrise in Afghanistan: Neun Millionen Menschen akut bedroht
… infolgedessen innerhalb des Landes vertrieben“, berichtet Help-Landesdirektor Shafi Shirzad.Besonders in Westafghanistan, wo Help seit fast zwei Jahrzehnten aktiv ist, verschärft die Klimakrise die humanitäre Lage. „Bereits jetzt ist ein Drittel der Bevölkerung von Hunger betroffen, die Hälfte der Bevölkerung benötigt humanitäre Hilfe. Durch die Dürre kam …
Bild: Taiwans Verwaltung für Küstenschutz führt Übung für humanitäre Rettungsaktion durchBild: Taiwans Verwaltung für Küstenschutz führt Übung für humanitäre Rettungsaktion durch
Taiwans Verwaltung für Küstenschutz führt Übung für humanitäre Rettungsaktion durch
Die Verwaltung für Küstenschutz (Coast Guard Administration, CGA) in Taiwan hat gemeinsam mit anderen Behörden eine Übung für humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz durchgeführt. Das als „Operation Nanyuan No. 1“ bezeichnete Training fand am 29. November 2016 auf der Insel Taiping und in den umliegenden Gewässern der Nansha- (Spratly ) Inseln statt. …
Schily brüskiert erneut Menschenrechtsausschuss
Schily brüskiert erneut Menschenrechtsausschuss
Allen rot-grünen Beteuerungen zum Trotz Aus Anlass der gestrigen Sitzung des Bundestagsausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe erklärt der Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, Hermann Gröhe MdB: Schily bleibt sich treu. Erneut brüskierte er den Bundestagsausschuss für Menschenrechte und Humanitäre …
Rot-Grün verweigert sich humanitären Notwendigkeiten
Rot-Grün verweigert sich humanitären Notwendigkeiten
Rot-Grün realitätsfern: Lediglich 40 Million Euro für weltweite humanitäre Hilfe Zum Beschluss des Haushaltsausschusses, die Mittel für die Humanitäre Hilfe im Ausland nicht zu erhöhen, erklärt der Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, Hermann Gröhe MdB: Die rot-grüne Koalition hat in der Bereinigungssitzung …
Menschenrechtsbeauftragter Poppe gratuliert Preisträgerin Gaschajewa
Menschenrechtsbeauftragter Poppe gratuliert Preisträgerin Gaschajewa
Gerd Poppe, Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt, hat der tschetschenischen Menschenrechtlerin und Filmemacherin Zainap Gaschajewa zu dem ihr verliehenen "Preis für Freiheit und Menschenrechte" der Berner Stiftung für Freiheit und Menschenrechte gratuliert. Gleichzeitig äußerte sich Poppe …
Auswärtiges Amt erhöht humanitäre Hilfe für Liberia auf rund 1,9 Millionen Euro
Auswärtiges Amt erhöht humanitäre Hilfe für Liberia auf rund 1,9 Millionen Euro
Das Auswärtige Amt hat aus Mitteln der humanitären Hilfe für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) 250.000 Euro sowie die Deutsche Welthungerhilfe (DWHH) 195.000 Euro für Hilfsmaßnahmen in Liberia bereitgestellt. Insgesamt wurden damit vom Auswärtigen Amt in Liberia in diesem Jahr humanitäre Hilfsprojekte in Höhe von 1,92 Millionen Euro finanziert. Durch …
Sie lesen gerade: Humanitäre Logistik – wie Hilfe gut ankommt