(openPR) Am 29. April wurde der Index des Verbrauchervertrauens mit 102 Punkten erwartet und kam mit 95,2 Punkten heraus. Das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal dieses Jahres wurde mit 1,0 Prozentpunkten erwartet und erreichte nur 0,2 Prozentpunkte. Prognoseirrtümer? Oder interessengeleitete Prognosen? Es soll ja nicht wenige gegeben haben, die schon lange Zweifel hatten, daß die US-Wirtschaft mittels Geldvermehrung zum Discountpreis auf Wachstum getrimmt werden kann. Der Spekulantenmainstream hat in der Erwartung einer kräftigen konjunkturellen Erholung und einer Zinserhöhung durch die FED den US-Dollar trotzdem nach oben getrieben. Damit ist es nun erst einmal vorbei.
Neben einigem Entsetzen über die Daten gab es aber in der Finanzwelt auch viel Pfeifen im Walde. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Schon am Vortag hatte die Golddrückerkolonne auf den (in Erwartung dieser Enttäuschung???) kräftig steigenden Goldkurs eingedroschen. Denn der Goldkurs ist der beste Maßstab für den Wert von Währungen – wäre der beste Maßstab, wenn Bankster ihn nicht mit Rückendeckung durch die Notenbanken manipulieren würden. Aber auf Dauer dürfte das kaum gelingen.
Nach der enttäuschenden Nachricht wird in der FED sicherlich noch einmal darüber nachgedacht, ob man sich auf die Hoffnung eines konjunkturellen Aufschwungs verlassen sollte. Spätestens wenn auch das 2. Quartal nicht die Erwartungen erfüllen sollte, dürfte es viel neues real kostenloses Geld geben, was die Spekulationsblasen weiter straffen könnte – jedenfalls wenn genügend große und kleine Zocker darauf vertrauen, daß sie von der FED unbegrenzt weiter mit „Stoff“ versorgt werden. Die EZB wird mitmachen und ihr Euro-Vermehrungsprogramm in absehbarer Zeit eher steigern als zurückfahren, zumal auch Deutschland als größter europäischer Profiteur eines schwachen Euro unter den Auswirkungen der schwächelnden US-Konjunktur und eines deshalb wieder erstarkenden Euro leiden wird.
Mit Geldpolitik, und das heißt heutzutage spottbilligem Geld in rauen Mengen, wird allerdings kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu erreichen sein. Einzig wird Inflation vorbereitet, die wenn sie einmal Fahrt aufnimmt, nicht mehr ohne weiteres zu stoppen ist. Die Spekulationsblasen am Anleihen- und Aktienmarkt, in zahlreichen Ballungsräumen auch auf dem Immobilienmarkt, sind die Vorboten.
Die USA sind in einer viel schlechteren Verfassung als es vielen scheint – oder als sie zugeben wollen. Der Versuch, die über Jahre angehäuften Probleme mit Gelddrucken und Minizinsen zu lösen, ist gescheitert. Man mag es sich nur noch nicht eingestehen und man weiß auch keinen Ausweg mehr als sich einfach weiter durchzuwursteln und abzuwarten, was passiert.
Wer denkt, die Finanzkrise sei vorüber oder auch nur einigermaßen unter Kontrolle, dürfte bald eines Besseren belehrt werden. Denn wir stecken immer noch mittendrin, ja geraten immer tiefer hinein. Das ist so wie bei einem Patienten, dessen Krankheit die Ärzte nicht wirklich verstehen und deshalb zwar alles ihnen Mögliche und irgendwie sinnvoll Erscheinende tun, um ihn am Leben zu halten, eigentlich aber nur sein Siechtum verlängern.
Griechenland ist mit oder ohne Euro erledigt, wenn die Mächtigen dort nicht endlich einsehen, daß es sich zu viele Griechen auf Kosten des Staates gemütlich machen, ohne adäquate Leistungen zu erbringen und entsprechend Steuern zu zahlen. Verläßt Griechenland die Währungsunion, wird das Land in eine große wirtschaftliche, soziale und politische Krise stürzen. Bleibt das Land im Euro-Verbund wird es nur für die Partner noch sehr viel teurer und schließlich wird das ganze Euro-Gebäude zusammenstürzen. Eine auch nur einigermaßen akzeptable Lösung des Dilemmas wird es nicht geben.
Die Fehler, die bei der Gründung der Währungsunion sehenden Auges gemacht wurden rächen sich jetzt unerbittlich. Die Rechtsverstöße, die unternommen wurden und werden, um sich über die Folgen hinweg zu mogeln, sind unverzeihlich und werden nichts retten, sondern alles nur noch schlimmer machen.
Relativ stabil ist unter den großen Staaten und Staatenbünden nur noch China, obwohl auch dort nicht alles „rund“ läuft. Auch China möchte mit einem billigen Renminbi wirtschaftliches Terrain gewinnen. Längerfristig wird es die USA als Weltmacht Nummer eins ablösen, daran führt kein vernünftiger Weg vorbei. Der Dollar ist längst nicht mehr das wert, was auf dem Papier gedruckt steht. Die angehäuften Schulden werden die USA ebenso wenig zurückzahlen können wie die Griechen. Nur die Tatsache, daß US-Dollar und Dollar-Anleihen weltweit als Währung und Wertaufbewahrungsmittel genutzt werden, bewahrt das Dollarschulden-Kartenhaus vor dem Einsturz. Mit dem Aufstieg Chinas und der Ablösung des US-Dollars als Weltleit- und Reservewährung wird das aber nicht so weitergehen. Der Dollar hat keine Chance, weil die USA mit der derzeitigen Politik des sich Verschuldens auf Kosten anderer keine Chance mehr haben.
Politiker und Notenbanker in den USA, in Europa und auch in Japan haben eine Entwicklung angestoßen, die sie offenbar selbst nicht verstehen und die sie nicht mehr steuern können. Am Ende bleiben nur krachende Spekulationsblasen und Inflation. Die Welt-Finanzwirtschaft gleicht der russischen Versorgungskapsel, die aus dem Ruder gelaufen und nicht mehr zu retten ist. Leider kann man nicht einfach sagen: „Zurück auf LOS!“ Alles, was nicht extrem feuerfest ist, wird verglühen.
Die Geldsparer und Besitzer von Kapitallebensversicherungen sollten sich warm anziehen. Sie sind die Opferlämmer der Notenbankpolitik zugunsten von Bankstern, Großspekulanten und Politikern, die notorisch viel mehr Geld ausgeben als sie durch Steuern einnehmen können. Reale Negativzinsen und Geldvermehrung sind unter den gegebenen Umständen die Ultima Ratio. Die Inflation beschränkt sich vorläufig auf den Finanzsektor. Nur die künstlich gedrückten Zinsen verleiten auch in der Realwirtschaft zu unrentablen Investitionen und ungesunder Verschuldung. Dennoch – oder gerade deshalb – sollte, wer in Anleihen oder überbewertete Aktien investiert hat, trotzdem mit einem unverhofften Platzen der Spekulationsblasen rechnen.
Prof. Querulix beobachtet und kommentiert das Zeitgeschehen seit vielen Jahren. Unter dem Titel „Tacheles“ erscheinen seine Beobachtungen und Kommentare in bisher vier Sammelbänden als eBooks. Ein fünfter Band wird demnächst veröffentlicht. Die Beiträge sind ein Spiegel der Zeit. Im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital und in allen guten (Internet-)Buchhandlungen sind sie für je 9,95 Euro erhältlich.
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