(openPR) Schwerkranke Straftäter erhalten häufig hinter Gefängnismauern erstmals die lebensrettende Therapie. Bei Gefangenen ist HIV 20mal und Hepatitis C 30mal häufiger als in der Normalbevölkerung. "Über Blut- und Sexualkontakt übertragbare Viruserkrankungen stellen die häufigsten Infektionskrankheiten in der Vollzugsmedizin dar - überwiegend assoziiert mit i.v.-Drogenabhängigkeit", berichtet Dr. Jukka Hartikainen (Berlin) im aktuellen Handbuch "Gesundheit und Haft".
"Viele Inhaftierte kommen in ihrem Leben vor der Haft nur eingeschränkt in den Genuss von Prävention und Behandlung. Drogenabhängigkeit, Alkoholabhängigkeit oder psychiatrische Probleme können die Inanspruchnahme vorhandener Ressourcen vor Ort erschweren. Ebenso können soziale Faktoren wie Obdachlosigkeit oder illegaler Aufenthaltsstatus den Zugang zum Medizinalsystem versperren. Einige Gefangene mit Migrationshintergrund stammen aus Ländern, in denen moderne medizinische Behandlungsmöglichkeiten bislang kaum Einzug gehalten haben ..."
Der Kostenfaktor ist erheblich, z.B.: "Die Arzneimittel-Preise einer abgeschlossenen Zweifachtherapie der chronischen Hepatitis C können von gut 5.000 bis über 20.000 Euro variieren, je nach notwendiger Dosierung und Therapiedauer von sechs oder zwölf Monaten. Die hochwirksame Dreifachtherapie der chronischen Hepatitis C ist wesentlich kostenintensiver und kann mit Arzneimittelkosten in Höhe von rund 28.000 bis weit über 50.000 Euro pro Patient einhergehen, je nach Dosierung und Therapiedauer von maximal einem Jahr.
Die jährlichen Arzneimittelkosten einer dauerhaften antiretroviralen Kombinationstherapie der HIV-Infektion können je nach Resistenzlage von ca. 15.000 bis über 50.000 Euro betragen ..."
>> M. Lehmann, M. Behrens, H. Drees (Hrsg.) Gesundheit und Haft - Handbuch für Justiz, Medizin, Psychologie und Sozialarbeit. Pabst 2014, 612 Seiten, ISBN 978-3-89967-897-0












