(openPR) Die Krise der Banken dauert an. Doch die Ursachen haben sich verschoben. Die schwache Konjunktur belastet die Banken zunehmend. Sie treibt die Anzahl der Insolvenzen in die Hoehe. Die Folge: Nahezu jeder zweite Entscheider der Branche sieht im Kreditrisiko das groesste Problem, vor einem Jahr war es noch jeder sechste. Zudem konnten die Banken ihre unguenstige Kostenstruktur nicht entscheidend verbessern. Mit 47 Prozent der Befragten gaben nur fuenf Prozent weniger als im Vorjahr die Kosten als Hauptproblem an. Dies ist das Ergebnis des Branchenkompasses Kreditinstitute der Mummert Consulting AG und des F.A.Z.-Instituts.
Die Banken besinnen sich in der Krise zunehmend auf ihre traditionellen Kernkompetenzen zurueck. Neun von zehn Banken wollen bis 2005 das Privatkundengeschaeft ausbauen. Damit haengt das Privatkundengeschaeft andere Geschaeftsfelder bei Investitionen deutlich ab. Nicht einmal jede zweite Bank will beispielsweise in das Investmentbanking investieren. Die befragten Entscheider erwarten vom Privatkundengeschaeft die hoechsten Gewinne. Sie gehen von einem stark wachsenden Beratungsbedarf der Kunden bei der Zukunftsvorsorge aus. Die Folge: Individuelle Anlageberatung und Finanzplanung, aber auch Altersvorsorgeprodukte treiben die Gewinnerwartung im Privatkundengeschaeft in die Hoehe.
Im Wettbewerb um Privatkunden wird die Beratungskompetenz zum Trumpf. Jeder zweite Banker gibt eine individuelle Beratung der Kunden als wichtigste Dienstleistung der Banken an. Hier besteht allerdings Nachholbedarf. Kundenbetreuer nutzen im Branchenschnitt nur ein Fuenftel ihrer Zeit fuer die Beratung ihrer Kunden. Aus Kundensicht bleibt die Bankfiliale wichtiger Bezugspunkt. Aber die Banken muessen aufgrund des Kostendrucks neue Wege gehen. Zwei Drittel planen unterschiedliche Filialtypen fuer bestimmte Kunden- und Produktgruppen. Das Internetbanking bleibt eine bedeutende Dienstleistung der Banken. 38 Prozent gehen hier von einer wachsenden Bedeutung fuer die Branche aus. Nahezu zwei Drittel der Kreditinstitute planen eine Personalisierung der Web-Angebote. Wichtigster Trend ist jedoch das so genannte Multichannelling: 86 Prozent engagieren sich in der gekoppelten Beratung im Internet und auf einem anderen Vertriebsweg.
Die gewuenschte individuelle Anlageberatung erfordert die Buendelung verschiedener Finanzdienstleistungen. Aber nur 15 Prozent der Banken taetigen bis 2005 hohe Investitionen in den Allfinanzbereich. Stattdessen planen sie Kooperationen. Besonders hoch im Kurs stehen Fondsgesellschaften und Finanzdienstleister. 98 Prozent wollen mit ihnen zusammenarbeiten, 67 Prozent sogar stark. Aehnlich gefragt sind Versicherungen, mit denen 96 Prozent eine Kooperation suchen. Die Zusammenarbeit mit anderen Kreditinstituten streben immerhin noch 92 Prozent an. Bankintern gilt Kostensenkung als das Gebot der Stunde. Jeder zweite Befragte gibt Massnahmen zur Kostensenkung als ersten Schritt aus der Krise an. Wichtigstes Mittel ist die Industrialisierung von Geschaeftsablaeufen. Die Abwicklung von Transaktionen in grossem Umfang senkt die Stueckkosten. 72 Prozent der Institute sehen hierin ein bedeutendes Mittel zur Kostensenkung. Waehrend Institute mit mehr als 500 Mitarbeitern zu 89 Prozent die Industrialisierung fuer bedeutend halten, sind es nur 61 Prozent der kleinen Banken. Der Grund: Hohe Stueckzahlen sind hier notwendig, um die Kosten zu senken. Das groesste Potenzial fuer Industrialisierungen haben die Abwicklung von Konsumentenkrediten und das Wertpapiergeschaeft.
Eine Erkenntnis der Bankenkrise: Die Banken muessen sich besser vor Kreditausfaellen schuetzen. Jeder dritter Entscheider sieht im Risikomanagement eine wichtige Massnahme zur Krisenbewaeltigung. Die Richtlinien der Kreditvergabe nach Basel II befuerworten deshalb zwei Drittel der Befragten. Positiver als im Vorjahr bewerten die Banken die Ueberpruefung interner Ratingverfahren durch die Kreditaufsicht. Auch stimmen die Banken verstaerkt der erweiterten Offenlegungspflicht zu. Basel II regelt zudem die Unterlegung von Krediten mit Eigenkapital. Dies zwingt die Kreditinstitute zu einer dickeren Eigenkapitaldecke - glauben 71 Prozent der Befragten. Im Vorjahr bewerteten dies 60 Prozent als sehr sinnvoll, heute sind es nur noch 37 Prozent. Der Grund: Die Regelung ueberfordert derzeit viele Banken.






