(openPR) Mit dem als Überschrift gewählten Zitat des großen Philosophen Immanuel Kant ist das Treiben der Menschheit auf dem Erdenball, unsere Zivilisation, wohl trefflich charakterisiert.
Im Rahmen eines Ende des 18. Jahrhunderts geführten Diskurses, ob das menschliche Geschlecht im beständigen Fortschreiten zum Besseren sei, äußerte Kant sich über die leere Geschäftigkeit, die der Menschheit keinen Fortschritt eintrage. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Fortschritt, der diese Bezeichnung verdient, gibt es seitdem nur in Wissenschaft und Technik, also hinsichtlich der Werkzeuge, die das Menschentier erfindet, um seine archaischen Triebe leichter und effektiver ausleben zu können. Moralisch und sozial sucht man dagegen vergeblich nach Fortschritt, wenn man darunter eine nachhaltige Steigerung des Lebensglücks der Menschheit versteht. Wenn überhaupt können einzelne ihre oder ihrer Geschlechter Lage verbessern – regelmäßig jedoch nur auf Kosten ihrer Mitmenschen.
Seit sich das Menschentier von Affen gelöst und eine eigene Entwicklung begonnen hat, wechseln nach Kant Gutes und Böses unaufhörlich ab, sodaß das ganze Treiben unserer Gattung als Possenspiel angesehen werden muß und keinen größeren Wert hat als das der anderen Tiergeschlechter.
Das große Problem der Menschheit ist allerdings, das sich infolge ihrer gewaltigen Vermehrung und der besseren verfügbaren Werkzeuge das Böse viel stärker auswirken kann als das Gute. Und schlimmer noch: Die ausgeklügelten Werkzeuge werden nur noch von denen verstanden, die sie entwickelt haben und die speziell für ihre Anwendung ausgebildet wurden. Das macht automatisch den Rest der Menschheit zu potentiellen Opfern. Soweit solche Laien in politische oder die Politik beeinflussende Ämter geraten, sind sie den Spezialisten ausgeliefert, die ihr Spiel mit ihnen nach Belieben spielen können.
Die Banken- und Staatsschuldenkrise ist so entstanden. Die durchgeführten Versuche zur Krisenbewältigung stammen aus den gleichen Quellen. Und alles Bemühen, die Folgen dieser „Krisenbewältigung“ in den Griff zu bekommen, wird schließlich scheitern, solange die Spezialisten für die Krisenerzeugung dafür zuständig bleiben.
Eine Krisenlösung ist auf der Werkezug-Ebene nicht möglich. Kommt die Menschheit nicht davon ab, diese weiter zu versuchen, kann sich die Krise – nach ihrer genügenden Ausweitung und Vertiefung nur selbst lösen, mit allen möglichen katastrophalen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Folgen.
Eine Lösung wäre nur auf der Ebene der handlungsleitenden Prinzipien möglich. Wenn ein Unternehmen Produkte oder Dienstleistungen anbietet, die den Kunden nur Verdruß bringen, hilft es nicht, die Preise zu senken, mehr Verkäufer zu beschäftigen und diese auf Hochdruckmethoden umzuschulen. Das Unternehmen wird trotzdem den sprichwörtlichen Bach hinuntergehen. Rettung ist nur dadurch möglich, daß die Führung für Produkte und Dienstleistungen sorgt, die die Bedürfnisse der potentiellen Kunden befriedigen.
Wer aber braucht Banken, die zu Spielbanken mutiert sind? Wer braucht ständig steigende Profite? Wer braucht noch mehr Multimillionäre und Milliardäre? Wer braucht Geländewagen in Städten? Wer braucht überhaupt noch mehr Autos?
Was wir aber zum Beispiel brauchen, ist eine sichere Energieversorgung aus regenerativen Quellen, sind bessere Erziehung und Bildung, die den Menschen nicht in erster Linie als Produktionsmittel, sondern als Staatsbürger ansieht und behandelt, ist eine bessere Verkehrsinfrastruktur vor allem im Bahnbereich, und ist – um die Liste der Notwendigkeiten kurz zu halten – eine gerechte Verteilung der gemeinsam erarbeiteten Wirtschaftsleistung, die allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern lebenslang ein zur Teilhabe am sozial-kulturellen Leben auskömmliches Einkommen sichert.
Kant meinte auch: „Alle auf das Recht anderer Menschen bezogenen Handlungen, deren Maxime sich nicht mit der Publizität verträgt, sind unrecht.“ Aktuelle Beispiele sind das mit Kanada in Hinterzimmern ausgehandelte Freihandelsabkommen (Ceta) und die unter Ausschluß der Öffentlichkeit in Verhandlung befindlichen, den Freihandel und den Datenschutz betreffenden Abkommen mit den USA (TTIP und TISA). Daß die Verhandlungen zu beiden Verträgen hinter verschlossenen Türen geführt werden, macht zu Recht mißtrauisch. Da sind die Lobbyisten des Beutekapitalismus unter sich und können das Fell auf Kosten des Allgemeinwohls verteilen wie es ihnen paßt. Daß in beiden Abkommen sogenannte Investitionsschutzklauseln vereinbart werden sollen, verletzt fundamentale demokratische Rechte, und das nur, um privaten Profitgeiern neue Reviere zu eröffnen. TISA soll US-Unternehmen außerdem frei Bahn für Beutezüge in Europa machen, ohne daß die Unternehmen durch europäische Gesetze daran gehindert werden. Wenn es nach dem erklärten Willen zahlreicher europäischer Wirtschaftslobbyisten und von CDU/CSU und SPD tatsächlich zu der Unterwerfung Europas unter die Interessen des us-amerikanischen Großkapitals kommt, wäre das ein Verrat an den legitimen Interessen der europäischen Bergerinnen und Bürgern, eine Art Staatstreich, der langfristig gravierende politische Folgen nach sich ziehen dürfte.
Da wird wohl der Europäische Gerichtshof einschreiten müssen.
Wenn die Menschheit aus ihrem albernen Possenspiel der unaufhörlichen Wiederholung von Dummheiten herauskommen will, müssen die Alphatiere ihre Macht- und Beutetrieb zähmen und das Allgemeinwohl zur Maxime ihres Handels machen. Um das zu erreichen, genügt es leider nicht, auf deren Einsicht zu hoffen. Vielmehr müssen institutionelle Vorkehrungen geschaffen werden, die zum Beispiel den Politiker-Lobbyismus verhindern und Kriterien für das allgemeine Wohl definieren, an denen sich die Politiker – ggf. unter Androhung von Strafe – orientieren müssen. Ob die Menschentiere die Kraft zu einer solchen wirklich epochalen Reform aufbringen, werden wir wahrscheinlich erst herausfinden, wenn wir den Trümmerhaufen aufräumen, den uns die derzeit virulente Weltkrise hinterlassen wird.
Mehr Kritisches über das Possenspiel des Menschentiers lesen Sie bei Prof. Querulix. Seine Beobachtungen und Kommentare des gesellschaftlichen und politischen Treibens in Deutschland und der Welt gibt es inzwischen in vier Bänden als eBooks (PDF) unter dem Obertitel „Tacheles“ bei eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital und in allen guten (Internet-)Buchhandlungen für je 9,95 Euro.
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