(openPR) Können Frauen überhaupt netzwerken?
Dieser Frage bin ich gestern Abend nachgegangen. Stellen Sie sich vor: Es ist der 08. März 2006. Empfang zum Internationalen Frauentag im „Römer“, dem altehrwürdigen Rathaus der Stadt Frankfurt am Main. 400 Frauen, 5 Männer – jede Menge Potenzial zum Netzwerken. Dachte ich.
Auf dem Programm stehen neben der rund 40-stimmigen Frauenchormusik der „Dissonanten Tanten“ (der Name ist Programm) eine Ansprache der Stadträtin und Dezernentin für Bildung, Umwelt und Frauen Jutta Ebeling und hinterher – wie Frau Ebeling es ausdrückt – „gehen wir uns amüsieren“. Ein kleiner Wermutstropfen: OB Petra Roth, die mich laut Einladung persönlich zu dem Empfang eingeladen hat, ist nicht anwesend.
Das Publikum bietet ein buntes Bild, sehr lebendig und farbenfroh, nicht dieses grauschwarze Anzugs-Einerlei von Empfängen mit überwiegend männlicher Klientel. Ja, Frauen sind eben Typen! Ich freue mich schon richtig aufs Netzwerken gleich beim Get Together.
Die Musik ist Geschmackssache, aber etwas Kultur schadet schließlich nie, die Rede der Stadträtin lässt Witz und Informationen nicht vermissen. Nun bin ich gespannt aufs „Amüsieren“. Die Türen des großen Kaisersaals, von dessen Wänden uns die Antlitze der deutschen Kaiser anstarren – alles Männer, selbstredend – öffnen sich und die Menge wird in ein Treppenhaus mit dem Charme der 60-iger Jahre hinausgeschwemmt.
Die Gruppe schwenkt nach links und hat bereits die Fährte Richtung Buffet aufgenommen. Ich verharre kurz am Infotisch des Frauenreferats und erschrecke angesichts der Vielzahl von Lesben-Flyern und –Infoblättern. Falls die Menge der Informationen in Relation zu den Teilnehmern steht, muss die Hälfte der anwesenden Frauen lesbisch sein. Und keine ist berufstätig, denn für Unternehmerinnen oder Existenzgründerinnen oder grundsätzlich zu (frauen-)beruflichen Themen finde ich keinerlei Infos. Schade, bin ich hier wohl die einzige Frau, die noch arbeitet.
Nach dieser besonderen Auswahl an Informationen bin ich noch mehr gespannt darauf, andere Teilnehmerinnen kennen zu lernen. Nach einem kurzen Abstecher ans Buffet suche ich mir einen Platz, von dem aus ich mit möglichst vielen Frauen in Kontakt kommen dürfte. Es klappt auch sofort. Eine Berufsschullehrerin in den 60-ern nimmt neben mir Platz, gegenüber schimpft eine Mittvierzigern über die neue Regelung der BfA, wonach GmbH-Geschäftsführer nun unter bestimmten Voraussetzungen rentenversicherungspflichtig sind. Aha, also gibt es hier doch berufstätige Frauen. Weitere Frauen verschiedenster Schichten und Altersstufen gesellen sich zu uns und es ergibt sich für ca. 2 Stunden eine lebhafte Diskussion ohne Ergebnis zu allgemeinen Fragen des täglichen Lebens. Danach verläuft sich die Truppe mit freundlichen Wünschen in die regnerische Nacht.
Mein Fazit zur obigen Frage:
Nein - Frauen können (noch) nicht netzwerken.
Sie haben noch sehr viel zu lernen.
Bevor Sie nun erbost den Artikel zur Seite legen, lassen Sie uns doch einmal gemeinsam überlegen, was netzwerken eigentlich ist.
Werfen wir zunächst einen Blick auf Wikipedia, die millionenfach genutzte Internet-Enzyklopädie (www.wikipedia.de). Dort wird Networking mit dem deutschen Wort „Seilschaften“ übersetzt. Unter Seilschaften findet sich folgende Definition:
„Hierbei handelt es sich um eine mehr oder weniger große Gruppe von einander „verbundenen“ Personen, die sich gegenseitig und häufig unabhängig von Leistung z. B. in ihrer Karriere fördern. Verwendet wird in diesem Zusammenhang auch der Begriff Vitamin B, für vorteilhafte, informelle Beziehungen. Der Begriff Seilschaft ist dabei negativ besetzt, als solche werden vorzugsweise die Beziehungsgeflechte der Anderen, beispielsweise des politischen Gegners, bezeichnet. Die eigenen Verbindungen zwecks Erlangung persönlicher Vorteile werden dagegen heute gerne als Netzwerk bezeichnet.“
Es geht also darum, spezielle Kontakte für einen bestimmten Zweck zu finden und zu pflegen. Der Zweck ist dabei immer der eigene (meist berufliche) Vorteil.
Nun wieder zurück zur Frauen-Veranstaltung im Römer.
• Keine der Frauen hat mir von sich aus ihren Namen genannt.
• Keine der Frauen hat mir von sich aus erzählt, was sie beruflich macht bzw. mich danach gefragt. Komisch, bei Männern ist das nach dem Kennenlernen der erste Satz: „Und was machen Sie?“
• Keine der Frauen hat mir oder anderen Teilnehmerinnen ihre Visitenkarte angeboten bzw. die der Gesprächspartnerin nachgefragt. Ich frage mich: Wie wollen sie weiterhin in Kontakt bleiben?
• Die Gesprächsthemen waren so nichtssagend allgemeiner Art (Wetter, Politik, Frauen in Vorstandsetagen, Bildungssystem in Deutschland), dass ich am Ende des Abends immer noch nicht wusste, welche Kontakte meine Gesprächspartnerinnen suchten und wie ich weiter helfen könnte bzw. welcher Kontakt für mich interessant sein könnte.
Werte Leserin, ich überlasse es Ihrem Urteil, sich eine Meinung zu bilden, ob dieses Verhalten von Frauen dem Netzwerken förderlich ist oder nicht. Meine Meinung am Ende dieses Abends, der selbstverständlich nicht repräsentativ für Frauennetworking-Veranstaltungen im Allgemeinen sein kann, kennen Sie. Es war ein netter, verplauderter Abend mit gutem Essen und wir saßen im Trockenen. Aber das war’s. Netzwerken sieht anders aus.
(758 Wörter, 5304 Zeichen mit Leerzeichen)
Autorin:
Mireille-Gaby Siebert,
Netzwerkerin und Initiatorin der Erfolgsteams Frankfurt RheinMain
Die Erfolgsteams Frankfurt RheinMain veranstalten seit 2004 regelmäßig UnternehmerInnen-Treffen im Rhein-Main-Gebiet. Die TeilnehmerInnen stammen aus unterschiedlichen Branchen der Wirtschaft. Sie sind Selbständige oder ExistenzgründerInnen und ihre Unternehmen befinden sich in unterschiedlichen Phasen - die einen sind noch ganz am Anfang (Gründungsphase), andere befinden sich gerade in einer Wachstums- und Expansionsphase oder stecken in einer Krise.
Sie alle verbindet eines: Die Suche nach Unterstützung - nach offenem Feedback, frischen Ideen, Kontakten, (Weiter-)Empfehlungen, praktischer Hilfe oder auch einfach nur emotionalem Beistand, wenn es einmal nötig ist.
Ihr Thema: Business! Die erfolgreiche Führung ihres Unternehmens, die Verwirklichung ihrer unternehmerischen Ziele. Jedes Mitglied des Erfolgsteams arbeitet an seinem individuellen Ziel - ist aber nie allein auf sich gestellt.











