(openPR) Altlußheim. Über ein Jahrhundert ist es her, da nahm sich der belgische Konstrukteur und Automobil-Rennfahrer Camille Jenatzy vor, die bisher nie erreichte Geschwindigkeitsmarke von 100 Stundenkilometern zu knacken. Bekannt war Jenatzy bereits durch zwei Landgeschwindigkeits-rekorde im ereignisreichen Jahr 1899 von zuerst 66 km/h und dann 80 km/h. Nun sollte aber noch im selben Jahr erstmals eine dreistellige Geschwindigkeit erreicht werden. Obwohl ihm namhafte Mediziner vor solch einem Vorhaben auf das Dringlichste abrieten, da der menschliche Körper für derart hohe Beschleunigungen nicht konstruiert sei, machte sich der unerschrockene Elektro-konstrukteur an den Bau eines eher an eine Rakete erinnernden Fahrzeuges mit zwei Elektromo-toren auf der Hinterachse. Das imposante Vehikel mit dem Namen „ La Jamais Contente“ (= die niemals Zufriedene) sollte schließlich am 29. April 1899 in die Geschichte eingehen, da Jenatzy mit ihm an diesem Tag in Paris einen neuen Geschwindigkeitsrekord von 105,88 km/h aufstellte. Und das, ohne dass jegliche Befürchtungen der Mediziner in irgend einer Form nur ansatzweise eingetroffen waren. Beim „Tour de France Autorennen“ sorgte Jenatzy noch im Juli des selben Jahres für Schlagzeilen, da er durch Reparaturarbeiten verlorene Zeit wieder wett machte, indem er die komplette Nacht ohne Pause durchfuhr. Der fortan als furchtlos und besonders ehrgeizig geltende Belgier mit dem Spitznamen „Roter Teufel“ gewann in den Folgejahren noch zahlreiche Automobilrennen. 1903 siegte er mit einem Mercedes Simplex den „Gordon Bennett Cup“ und konnte so für die deutsche Marke den ersten internationalen Erfolg mit Erstplatzierung bei einem Rennen einfahren. Ein Jahr später stellte sich die Furchtlosigkeit Jenatzy`s plötzlich ein, nachdem er bei einem Straßenrennen in Homburg an einem Bahnübergang nur wenige Zentimeter von einem Zug verfehlt wurde. Der Schrecken steckte ihm von diesem traumatischen Erlebnis so sehr in den Knochen, dass seine großen Rennerfolge fortan ausbleiben sollten. Umso tragischer verlief der Tod der Rennlegende: Camille Jenatzy wurde 1913 bei einem Jagdunfall von dem Direktor eines belgischen Journals aus Versehen angeschossen, weil er in einem Busch sitzend ein rufendes Reh imitierte. Er erlag seiner Schussverletzung auf dem Weg ins Hospital.
Das Altlußheimer Museum AUTOVISION zeigt derzeit in seiner noch bis Ende Mai laufenden Sonderausstellung „Meilensteine der Automobilität“ nebst 16 weiterer wichtiger Erfindern mitsamt der Erfindungen auch das Elektro-Rekordfahrzeug „La Jamais Contente“ von Camille Jenatzy - natürlich in Originalgröße. Weltweit ist dieses nur in zwei Museen zu bestaunen!
(Text: cs / Bild: cs, Archiv AUTOVISION)













