(openPR) Die Demografie und künftig auch politische Entscheide erhöhen den Druck auf viele Unternehmen in der Schweiz, sich noch aktiver mit dem Thema Talentmanagement auseinander zu setzen als bislang. Während Grossbetriebe viel in die Sichtung und Entwicklung von Talenten investieren, haben zahlreiche KMUs offensichtlich erheblichen Nachholbedarf.
Bereits seit über einem Jahrzehnt ist vom „War for Talents“ die Rede, dem Kampf um die talentiertesten Mitarbeitenden, den McKinsey 1998 erstmals beschrieb. Hinlänglich ist heute bekannt, dass die demographische Entwicklung in den Industriestaaten mittel- bis langfristig eine Überalterung der Gesellschaft und einen Mangel an qualifizierten Fachkräften verursacht. Was tun Schweizer Unternehmen, um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken? Wie steht es um das systematische Talentmanagement in der Schweiz?
Grossbetriebe investieren seit Jahren in ihr Talentmanagement. Eigens dafür geschaffene Abteilungen implementieren firmenweite Talentmanagement-Prozesse und Programme. Umfangreiche und integrierte IT-Systeme unterstützen sie dabei.
Und wo stehen diesbezüglich die kleineren und mittelgrossen Firmen, die nicht über dieselben Mittel und Ressourcen verfügen wie die grossen, dem Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte jedoch genau gleich ausgeliefert sind?
Nachholbedarf bei vielen Firmen
Die Handelskammer der Zentralschweiz führte im Herbst 2012 gemeinsam mit Mercuri Urval eine Befragung durch, bei der 120 Firmen teilnahmen. Für fast alle diese Unternehmen ist das Halten von Fachkräften eines der grössten Probleme. Die Wettbewerbsfähigkeit steht und fällt mit der Qualität der Belegschaft. Doch die Loyalität und die Bindung der Mitarbeitenden nehmen zusehends ab, insbesondere bei den jüngeren Generationen.
Erst wenige der befragten Unternehmen tun aktiv etwas dagegen: Nur 23% der Firmen verfügen über einen etablierten Talentmanagement-Prozess, 46% der Unternehmen haben ihre Schlüsselpositionen definiert, lediglich 25% haben klare Nachfolgeregelungen für wichtige Positionen. Auch wenn die zitierte Studie nicht für die gesamte Schweiz repräsentativen Charakter hat, so lässt sich doch vermuten, dass bei sehr vielen Unternehmen bezüglich des Talentmanagements erheblicher Nachholbedarf besteht. In den Medien und in einschlägiger Literatur wird seit Jahren davor gewarnt, konkrete Massnahmen wurden offensichtlich noch längst nicht von allen Firmen umgesetzt. Weshalb?
Heutige Lösungen werden künftig aufwändiger und schwieriger
Viele Unternehmen haben ihren Fachkräftemangel in den vergangenen Jahren zumindest teilweise mit Rekrutierungen aus der EU gelöst – notabene auch die Grossbetriebe mit etabliertem Talentmanagement. So konnten sie die notwendigen Spezialisten finden und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Gleichzeitig hielt sich dadurch der Druck auf die Personalabteilungen in Grenzen, sich intensiver mit dem Thema Talentmanagement auseinander zu setzen.
Noch sind die konkreten Auswirkungen der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitative nicht abschätzbar. Dennoch liegt die Vermutung nahe, dass es in Zukunft für die Unternehmen deutlich aufwändiger und schwieriger wird, genügend qualifiziertes Personal aus dem Ausland einzustellen. Dadurch steigt nun der Handlungsdruck wieder, die eigenen Talente systematisch zu identifizieren, zu entwickeln und ihnen interessante Perspektiven aufzuzeigen, um sie länger im Unternehmen zu halten.
Talentmanagement als neuer Kernprozess und pragmatische Lösungen
In der Studie „Creating People Advantage“ der Boston Consulting Group aus dem Jahr 2010 wird Talentmanagement als wichtigste Herausforderung für die Personalabteilung für die kommenden Jahre genannt. Dabei wird das Talent Management zunehmend zum neuen übergreifenden Kernprozess des Personalmanagements. Es reicht nicht, leistungsstarke Mitarbeiter mit einem Bonus zu belohnen oder Nachwuchsführungskräfte in ein Seminar zu schicken. Ganzheitlich und vernetzt muss das Talentmanagement in die Unternehmensprozesse integriert werden. Es geht um die Schaffung eines unternehmensweiten Bewusstseins, in allen strategischen Entscheidungen muss das Thema mit berücksichtigt werden.
Das Personalmanagement wird künftig noch stärker gefordert sein, um den Nachholbedarf in Schweizer Firmen hinsichtlich des Talentmanagements abzudecken. Gefragt sind pragmatische Lösungen, die sich an der Unternehmensstrategie orientieren und mit den etablierten HR-Prozessen und –Instrumenten verzahnt sind. Lösungen, die für kleinere und mittlere Unternehmen finanzierbar und umsetzbar sind und sie zielgerichtet darin unterstützen, auch künftig die notwendigen und ausreichend qualifizierten Fachkräfte für sich zu gewinnen und zu halten. Wo stehen Sie in Ihrer Unternehmung mit Ihrem Talentmanagement?
Jürg Dietrich, HR Business Consulting GmbH
Weitere Infos unter www.hrbc.ch







