(openPR) Für Unternehmen steigen mit der geplanten Rentenreform die Lohnnebenkosten und Arbeitnehmern bliebe netto weniger vom Brutto in der Lohntüte. Das wäre die Folge der abschlagsfreien Rente mit 63. Eine gewagte Strategie mit unvertretbaren Ecken und Kanten, die wir nicht akzeptieren können.
Wer soll das bezahlen? Vom Beitragszahler bis zum Rentner – alle tragen die Last! Unsere Unternehmen und Arbeitnehmer würden durch eine Beitragserhöhung zur Kasse gebeten.
Noch während der Koalitionsverhandlungen war die Rede von einer Beitragsreduzierung der Ren-tenversicherung von 18,9 auf 18,3 Prozent des Bruttolohns für 2014. Das wäre ein richtiger Schritt zur Re-duzierung der Lohnnebenkosten! Alles nur Wahlversprechen? Nun ist das Gegenteil der Fall: den Arbeit-nehmern und Arbeitgebern wird zunächst eine fällige Entlastung vorenthalten und dann soll ab 2019 der Beitragssatz weiter auf 19,7 Prozent und bis 2030 auf 22 Prozent steigen, eine Mehrbelastung, die Unter-nehmen zu Konsequenzen veranlassen wird.
Wir sind entsetzt über dieses Desaster „Rentenpaket“. Durch Unternehmen müssten Milliarden aufge-bracht werden, um die abschlagsfreie Frühverrentung zu subventionieren. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist es entscheidend, wie hoch die Sozialabgaben sind. Unternehmen gleichen mit Entgelterhöhungen nicht nur die Inflation aus, sondern müssten auch die erhöhten Beitragssätze mit finanzieren. In Wirklichkeit sorgt der Staat für sinkende Nettolöhne.
Es kommt hinzu, dass die Koalition die Augen vor dem demografischen Wandel und dem damit verbunde-nen Rückgang der Zahl der Erwerbstätigen verschließt.
Unsere kleinen und mittelständischen Unternehmen brauchen dringend jede Fachkraft und damit auch die älteren Arbeitnehmer. Mit ihrem Rentenkonzept wirkt die Koalition dem diametral entgegen. Statt die Menschen länger im Erwerbsleben zu halten, provoziert der Staat Arbeitnehmer geradezu, mit „63“ in Rente zugehen und entzieht den Unternehmen damit Erfahrungsträger. Der ohnehin mit der Bevölkerungsalterung auf uns zu rollende Fachkräftemangel würde massiv verstärkt, so Vorstandsvorsitzende des Allgemeinen Arbeitgeberverbandes der Wirtschaft für Sachsen-Anhalt e. V. (AVW) Klaus-Dieter Weber.
Eine weitere Lücke muss vermieden werden. Zeiten der Arbeitslosigkeit unmittelbar vor Renteneintritt dürfen nicht in die Berechnung der Rentenzeiten eingehen. Frühverrentungsmodelle, die ein Ausscheiden mit 61 Jahren aus den Unternehmen und einen anschließenden zweijährigen Arbeitslosengeldbezug ermöglichen, verschärfen das Fachkräfteproblem noch mehr. Im Gegenteil: Wir fordern, das Renteneintrittsalter muss und kann weiter steigen! Fakt ist, dass nicht nur die Lebenserwartung weiter steigt, sondern der Gesundheitszustand eines heute 65 Jährigen dem eines 55 Jährigen entspricht. Es ist sozialökonomisch gesehen eine Verschwendung, den Erfahrungsschatz älterer Menschen volkswirtschaftlich nicht zu nutzen. Rentenpolitisch und ökonomisch betrachtet muss auch das Ruhestandsalter bei steigender Lebenserwartung, die mit steigender Leistungsfähigkeit einhergeht, schrittweise angehoben werden, um die Altersrente finanzierbar zu halten.
Insofern würde die Durchsetzung des vorgeschlagenen Rentenkonzeptes gerade in die falsche Richtung weisen. Der Blick nach vorn - das Renteneintrittsalter zu erhöhen - wäre ein besserer Weg, den zahlreiche Länder bereits gehen, stellt die AVW-Geschäftsführerin Dr. Sigrun Trognitz fest.
Und ein weiteres gravierendes Argument tut sich auf. Das geplante Rentenpaket und seine Finanzierung treibt die jetzt bereits hohe Staatsverschuldung noch weiter in die Höhe. Das dürfen wir nicht zulassen. Unter dem demographischen Blickwinkel haben immer weniger Steuerzahler die erhöhte Versorgung der älteren Generation zu finanzieren. In Sachsen-Anhalt gibt es Regionen mit einem Bevölkerungsrückgang bis zu ca. 28 % bei einer schon heute vorhandenen Pro-Kopf-Verschuldung von 10.378,46 €. Allein durch den Bevölkerungsrückgang und die hinzukommenden Wanderungsbewegungen wird die Pro-Kopf-Verschuldung weiter ansteigen. Zusätzlich soll eine abnehmende Zahl an Einwohnern ein stetig steigendes Rentenvolumen aufbringen.
Aus all diesen Gründen lehnen wir die abschlagsfreie Rente mit 63 und die höhere Mütterrente ab. Dieser Weg ist ökonomisch nicht haltbar und unseren Enkelkindern nicht als Erbe zu hinterlassen, so Klaus-Dieter Weber.








