(openPR) Die Werthaftigkeit des Kunstwerkes erschließt sich niemals in reiner Selbstbezüglichkeit. Jedes Werk, jeder Künstler und Kunstschaffende steht immer zugleich auch in einem lebensweltlichen, in einem kulturhistorischen und soziologischen Zusammenhang. Aus diesem Zusammenhang heraus generiert sich die künstlerische Schöpfung, und in ihn hinein wirkt sie und übernimmt damit Verantwortung - Verantwortung in kultureller, sozialer und vor allem ethisch-moralischer Hinsicht. Dasjenige Kunstwerk, das sich selber von diesen Zusammenhängen vollständig gelöst betrachtet, ignoriert seine eigenen gesellschaftlichen Möglichkeiten und verwirft so auch seine dahingehende Wirkungskraft. Die Kunst Andrés Ginestets hingegen macht sich die ihr innewohnende Wirkungskraft zentral zunutze und begreift sie als integralen Bestandteil. Wer sich seiner Kunst zugetan oder verpflichtet fühlt, wer gar einen Teil von ihr besitzen will, der bezieht zugleich auch Stellung. Er wagt diesen entscheidenden Schritt, denn Ginestets Kunst ist eine solche, die ihre gesellschaftliche Relevanz ernst nimmt. Sie tut dies auch über jegliche l´art pour l´art - die es in seinem Oeuvre natürlich auch gibt - hinaus. Und damit ist die Auseinandersetzung mit Ginestets Werken auch immer zugleich eine Investition in die Zukunft. Denn nur relevante Kunst, kulturhistorisch und gesellschaftlich relevante Kunst, besitzt die Kraft, sich über Jahrzehnte hinweg zu potenzieren und an immerwährender Bedeutungskraft zu gewinnen. Ginestets Kunst ist zukunftsweisende Kunst.
Es sind große Themen, schwierige Themen, die sich in Ginestets Werken wiederfinden lassen, und die Reaktionen provozieren und zur Stellungnahme drängen. Freiheit, und ihre Erlangung, Gewalt und ihre Überwindung - es sind Themen der Emanzipation, der (Selbst-)Befreiung von Zwängen, die einschränken und zerstören, und es sind Themen der Identität, ihrer Findung und Bewahrung. Denn nur wer frei werden kann von Gewalt und Unterdrückung, der kann sich auch selber als Individuum definieren und behaupten. Ginestets Kunst ist so immer eine Kunst der Balance - einer Balance, die gefunden und, wenn einmal gefunden und erkämpft, dann auch in beständig geführtem Kampf aufrecht gehalten werden muss. Und so ist es auch derjenige, dessen Überleben vom Erlangen und Halten der Balance bestimmt ist, der "Seiltänzer" nämlich, der Ginestets wohl bedeutsamstes Zukunftsprojekt seinen Namen gibt - der Realisierung einer sozialen Skulptur, projektiert auf eine zukünftige Umsetzung von 15 Jahren. In ihr soll die Empfindungswelt der Opfer sexueller Gewalt ihren Widerklang finden mit dem Ziel, den Unbetroffenen zu sensibilisieren für das, was Menschen zu erleiden haben und hatten, die dieser besonders zentralen Ausprägung zwischenmenschlicher Gewaltausübung erliegen mussten. Eine Stiftung hat Ginestet eigens ins Leben gerufen für dieses Projekt, das in dieser Form einzigartig und völlig neu ist, und das den Blick auf die Realisierung von Kunst entscheidend beeinflussen und verändern wird.
Doch das wäre nicht das erste Mal in Ginestets Schaffenskarriere, dass ein Werk aus seiner Hand den Blick auf Kunst und künstlerische Wirkungskraft geradezu kopernikanisch wandelt. Mit seinem ersten Großprojekt bereits geschieht genau dies. Der "Elan", eine gigantische Skulptur, für die ganze 30 Tonnen Ton geschlagen werden mussten, beschreibt in Gestalt eines Zwitterwesens aus Mann und Frau, das in seinem eigenen Körper schwimmt mit dem Ziel, seinen menschlichen Makel zu überwinden, einen gesellschaftlichen Status Quo der Unfreiheit. Das Nichtverstehen von Mann und Frau, die Belastung von Rollenklischees, machen gerade das Gegenteil von Freiheit aus und führen zwangsläufig zu Gewalt. Im Begehen des Kunstwerkes und seinem Betrachten reagiert dieses dynamisch auf den Betrachter und lässt ihn so den Prozess der Emanzipation am eigenen Leibe erfahren. - Dass die Reaktion auf diesen künstlerisch erzeugten Prozess jedoch alles andere als spielerisch oder theoretisch ausfallen muss, bewies ein kollektiver Aufschrei und spontaner Protest der weiblichen Mitarbeiter desjenigen Unternehmens, für das die Skulptur erstellt worden war. Das Werk hatte sein Ziel erreicht. Im Prozess des Betrachtens war seine gesellschaftliche Relevanz begriffen worden.
Nicht weniger bedeutsam jedoch auch ein anderes, in Entstehung befindliches Großprojekt unter Beteiligung Ginestets: der Europäische Skulpturgarten in Valencia, ein Projekt der dortigen Universidad Politécnica. In 40 großformatigen Skulpturen von historischen Gestalten, die jede auf ihre Weise europäische und okzidentale Kultur prägten, wird der Gedanke einer europäischen Identität zur Realisierung gebracht. In einer ersten skulpturellen Gruppe finden sich drei Vertreter der großen monotheistischen Weltreligionen wieder, ohne die das moderne Europa nicht denkbar wäre: Averroes, Maimonides und Thomas von Aquin. Auch hier ist es die Balance zwischen Provokation und Erkennen, die bestimmend ist und einen visionären Blick belegt. Auch hier ist ein Zukunftsbild gezeichnet, das sich aus bestehender kulturhistorischer Vergangenheit nährt.
Der visionäre Blick Ginestets sei abschließend noch an einem anderen Beispiel vorgeführt. Wer würde glauben, dass es in der Kunstgeschichte heute noch möglich sei, etwas zu denken, was noch nie gedacht wurde, oder gar etwas zu schaffen, das noch kein Auge vorher (zumindest allem Anschein nach) erblickt hat? Kann es sein, dass da noch Archetypen existieren, die bisher unerkannt waren? Es kann, und Ginestet beweist es. Im weiblichen Torso entdeckt der Künstler einen solchen: Zwei Tänzerinnen, die ihn, den Torso, formen. In einer skulpturellen Trias beschreibt Ginestet die Entwicklung des Blicks vom Torso zur archetypischen Einheit der zwei Tänzerinnen. Das Erstaunen des Betrachters ist garantiert, denn hier eröffnet sich ein Blick, der zuvor nicht da war. Der Prototyp der Trias existiert derzeit als Unikat und wird Vorläufer sein einer ganzen Entwicklung zukunftsweisender Archetypen. Vermutlich findet sich hier eines der bedeutsamsten Werke moderner bildender Kunst - aber auch dies wird die Kulturgeschichte noch ausführlich belegen.
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