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Persönlichkeitsstörungen: Die Sexualität wird oft funktionalisiert oder stark verzerrt

04.07.201310:54 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Persönlichkeitsstörungen: Die Sexualität wird oft funktionalisiert oder stark verzerrt
Haltenhof, Schmid-Ott, Schneider (Hrsg.) Persönlichkeitsstörungen im therapeutischen Alltag
Haltenhof, Schmid-Ott, Schneider (Hrsg.) Persönlichkeitsstörungen im therapeutischen Alltag

(openPR) Schwere Traumatisierungen während der Kindheit oder Jugend führen häufig zu lebenslangen Persönlichkeitsstörungen. Daraus wiederum resultieren "Muster sexuellen Erlebens und Verhaltens. Sexualität erhält ihre Prägungen aus den grundlegenden Beziehungserfahrungen und ist zeitlebens auf den anderen hin orientiert - selbst in der Phantasie oder bei der Masturbation," analysieren die Professoren Uwe Hartmann und Torsten Passie (Hannover) in ihrem Beitrag zum Standardwerk "Persönlichkeitsstörungen im klinischen Alltag".

"Die Fähigkeit zum positiven Erleben von Sexualität setzt eine ausreichend integrierte, gleichzeitig stabile und genügend durchlässige, autonome und zur Selbstregulation und Selbstfürsorge fähige Persönlichkeit voraus. Weitere wichtige Merkmale sind Beziehungs- und Bindungsfähigkeit, ein positives Selbst- und Körperbild, Hingabefähigkeit und die Möglichkeit, intensiven Kontakt und Nähe angstfrei erleben zu können."

Grob vereinfacht diagnostizieren die Psychotherapeuten, "dass bei Persönlichkeitsstörungen die Sexualität sehr häufig im Dienste anderer, nicht-sexueller Motive oder Ichleistungen ´funktionalisiert´ wird - sehr häufig für Zwecke der Abwehr oder des Selbstschutzes. Sie wird gebraucht und eingesetzt, um Funktionsdefizite zu kompensieren oder Strukturlücken zu füllen.

Während Sexualität, wenn auch in funktionalisierter und oftmals eingeschränkter Weise, hier letztlich doch noch gelebt werden kann, ist dies beim Vorliegen schwerer Traumatisierungen in vielen Fällen nicht mehr oder nur in stark verzerrter Form möglich. Daher beeinträchtigen Persönlichkeitsstörungen oftmals weniger die sexuellen Funktionen im eigentlichen Sinn, sondern die Liebesfähigkeit sowie die Fähigkeit, Intimität zuzulassen und stabile Bindungen aufzubauen ..."

Uwe Hartmann, Torsten Passie: Persönlichkeitsstörungen und sexuelle Funktionsstörungen. In: Horst Haltenhof, Gerhard Schmid-Ott, Udo Schneider (Hrsg.) Persönlichkeitsstörungen im therapeutischen Alltag. Pabst, 356 Seiten, ISBN 978-3-89967-517-7

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