(openPR) Verkehrsunfall, Kündigung oder Ärger mit dem Vermieter – rechtlichen Rat braucht man dann nicht selten. Also schnell zum Anwalt und fragen, wie ich zu meinem Recht komme. Aber wie finde ich den richtigen Anwalt? Telefonbuch? Gelbe Seiten? Google? Hier findet man viele schöne Einträge, mal schlicht und klein, mal auffallend edel und großformatig, fast immer seriös. Nur: Woran erkenne ich, ob ein Anwalt gut ist oder nicht?
Bei der Auswahl des Rechtsanwaltes sollte darauf geachtet werden, dass der Anwalt sich mit dem Rechtsgebiet, das für mich als Mandant wichtig ist auskennt. Also mit der Scheidung gehe ich nicht zum Strafverteidiger und mit dem Verkehrsunfall nicht zum Steuerrechtler. Das juristische Wissen ist so umfangreich geworden, dass niemand von sich behaupten kann, jeden Fall qualifiziert bearbeiten zu können. Deshalb fragen Sie in der Kanzlei welche Interessenschwerpunkte und Tätigkeitsschwerpunkte der Anwalt hat, ob er über besondere Fachkenntnisse oder Spezialgebiete verfügt. Das schränkt Sie in Ihrer Auswahl bei der Anwaltssuche schon ein und erleichtert die Suche.
Dann rufen Sie doch mal in einer Kanzlei an. Wie geht man mit Ihnen um? Erscheint Ihnen die Kanzlei sympathisch, bitten Sie um einen Termin zur Erstberatung. Den sollten Sie kurzfristig bekommen, also innerhalb von ungefähr drei Tagen.
Ein guter Anwalt hört Ihnen genau zu und fragt nach, wenn er etwas für besonders wichtig erachtet. Benutzt er laufend juristische Fachvokabeln, mit denen der Laie nichts anfangen kann, wäre der Anwalt besser Professor geworden. Spricht Ihr Anwalt Ihnen zu abgehoben und kann nicht ohne Fremdworte erklären, was er eigentlich sagen will, ist er der falsche Mann für den Anwaltsberuf.
Ein gutes Zeichen für die Qualität eines Anwalts ist es, wenn er Ihnen die Kosten mitteilt, die ungefähr anfallen werden und prüft, ob für Sie Prozesskostenhilfe oder Beratungskostenhilfe beantragt werden kann. Dazu benötigt der Anwalt die Höhe Ihres Einkommens.
Nachdem Sie dem Anwalt Ihr Problem dargelegt haben und er Gelegenheit zur Begutachtung hatte, wird ein guter Anwalt Ihre Erfolgsaussichten im Prozess abwägen und Ihnen gegebenenfalls auch von einer Klage abraten.
Meines Erachtens ist es meistens besser mit Hilfe eines Anwalts eine außergerichtliche Einigung herbeizuführen. So kann Zeit und Geld (z.B. Gerichtskosten) gespart werden.
Kommt es doch zu einem Prozess und einer mündlichen Verhandlung Ihrer Klage, so ist keinesfalls der lautstärkste Anwalt auch der beste. Im deutschen Zivilprozess entscheidet in erster Linie der Schriftsatz des Anwalts über Erfolg oder Misserfolg der Klage.
Dennoch sollte der Anwalt Ihr Anliegen gegenüber der gegnerischen Partei und dem Gericht selbstbewusst und überzeugend vertreten.
Ist der Sachverhalt oder dessen rechtliche Beurteilung nicht eindeutig, wird ein guter Anwalt versuchen einen Kompromiß (Vergleich) herbeizuführen. Hierdurch kann dem Risiko eines negativen Ausgangs des Rechtstreits begegnet werden, der unter Umständen erst nach mehreren kostenträchtigen Instanzen endgültig entschieden werden wird.
Vertrauen Sie Ihrem Rechtsanwalt nicht oder stimmt die Chemie nicht, wechseln Sie Ihn! Wie heißt es doch in einem Fernsehwerbespot so schön: "Vertrauen ist der Anfang von Allem!"
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Dipl. jur. Guido Lenné
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