(openPR) Über Wochen stellten die vierzehn IT-Spezialisten ihre neue Projektmanagerin immer wieder auf die Probe. Kann sie „ih-ren Mann“ stehen und auch einmal kräftig mit der Faust auf den Tisch hauen? Doch die Projektleiterin ließ sich von dem Männerteam nicht provozieren. Statt die „Spielchen“ mitzu-spielen, blieb sie ihrem Stil treu und erarbeitete sich geduldig ihr Standing. Sie bot ihren Mitarbeitern keinen Angriffspunkt, weder bei ihrer Fachkompetenz noch bei der Teamführung. Zu den wöchentlichen Teamsitzungen war sie bestens vorbereitet. Ihr Projektplan war gut durchdacht, ihre Entscheidungen und Zusagen blieben verlässlich. Sie ließ ihrem Team keine Lästereien und doppeldeutige Anspielungen durchgehen. Allein unter Männern - ihr erstes Projekt in dem IT-Unternehmen konnte sie erfolgreich abschließen.
Frauen rücken zunehmend in Führungspositionen vor, dies gilt auch für das Projektmanagement. Auftraggeber schätzen die Kommunikationsfähigkeit und Diplomatie von Frauen, ihr Fingerspitzengefühl bei Konflikten, ihre Fachkompetenz, Selbstorganisation und ihr umsichtiges Vorgehen. Dies sind gute Voraussetzungen für erfolgreiche Projektleitung. Aber: Frauen tun sich schwer, ihre Karten richtig auszuspielen – nicht nur in „Männerdomänen“ wie der IT-Branche.
„Im typischen Projektmanagement wird zumeist der traditio-nelle Führungsstil vom Projektleiter erwartet“, hat Cornelia Zimmer-Reps beobachtet. Der „Boss“ gibt den Ton an. Er ordnet Aufgaben an und steuert sein Team wie ein Leitwolf sein Rudel.
Mit diesem Stil tun sich Frauen schwer. „Konflikte beispiels-weise wollen sie ausdiskutieren und damit sorgfältig auflö-sen“, sagt Cornelia Zimmer-Reps. Auch das diplomatische, kluge Verhandlungsgeschick stößt bei Männern häufig als „weiche Tour“ auf Missbilligung. Die Fachfrau hat beobachtet: „Frauen in Projekten müssen sich zunächst ihre Position erkämpfen.“ Sie werden regelrecht auf die Probe gestellt.
Der schlimmste Fehler beim Start in die Projektleitung: Frauen ordnen sich dem hergebrachten Führungsstil unter. „Dieses Verhalten hat weder Aussicht auf Erfolg, noch lässt es sich auf Dauer ‚durchhalten’“, erklärt Cornelia Zimmer-Reps, die demnächst Workshops ausschließlich für Projektmanagerinnen unter dem Titel „Women only“ anbietet. Stattdessen sollten Frauen selbstbewusst und beharrlich die weiblichen Stärken ausspielen - und dabei dem Team möglichst keine Angriffspunkte bieten. Die aus Österreich stammende Projekt-Fachfrau empfiehlt ihren Kolleginnen sieben Strategien:
Verschiedene Führungsstile einüben: Frauen führen an-ders. Empathie, Sensitivität, Diplomatie und Selbstorganisati-on gehören zu ihren Stärken. Erfolgreiche Projektmanagerin-nen nutzen diese Fähigkeiten. Sie entwickeln einen auf Ko-operation aufbauenden Führungsstil, der ebenso konstruktiv wie effizient funktioniert. Dennoch können sie notfalls auch „traditionell“ führen und wissen, wie man beispielsweise fruchtlose Diskussionen mit einem Machtwort beendet. Cornelia Zimmer-Reps empfiehlt Projektmanagerinnen, einen breit angelegten „Methodenkoffer“ für die Führung anzulegen – der von einfühlsamen Mitarbeitergesprächen bis hin zum finalen „Basta!“ in ausufernden Projektsitzungen reicht.
Selbstmarketing betreiben: Erfolgreichen Projektmanage-rinnen eilt ein guter Ruf voraus. Nach dem Prinzip „Tue Gutes und rede darüber“ weisen Sie auf ihre Erfolge hin. Sie können damit ihre Position in neuen Projekten schneller etablieren. Dieses „Selbstmarketing“ sollten Projektmanagerinnen dezent, aber mit System betreiben. Auf keinen Fall sollten sie ihr Licht aus falscher Bescheidenheit unter den Scheffel stellen und darauf hoffen, dass andere ihre Leistungen würdigen. Zu diesen Leistungen zählen neben den „harten Ergebnissen“ am Ende des Projekts auch Managementleistungen, etwa gelungene Einigungen nach Konflikten, reibungslose Abläufe bei der Zusammenarbeit im Team und mit Kunden oder methodisch besonders sorgfältige Projektplanung.
Auf den eigenen Auftritt achten: Erfolgreiche Projektmana-gerinnen wissen, wie sie mit ihrer Kleidung, ihrer Frisur, ihrer Körpersprache und Ausdrucksweise auf andere wirken. „Kleidung darf heute durchaus eine weibliche Note haben, sollte aber nicht provozierend sein“, erklärt Cornelia Zimmer-Reps. Auch kann überbetonte oder defensiv wirkende Körpersprache den Eindruck von Unsicherheit und mangelnder Stärke wecken. Ähnliches gilt für die Wortwahl. Verbindlich gemeinte Einschränkungen („Ich glaube...“, „Ich meine...“, „Vielleicht könnten wir...“) werden häufig als Schwäche ausgelegt. Im Projektmanagement ist ein fester, klar und schnörkellos ausgesprochener Standpunkt gefragt.
Konflikte nicht scheuen: Wer sich vor Konflikten drückt, ver-liert schnell sein Standing. Nichts vergiftet mehr die Arbeits-atmosphäre in Projekten als schwelende Auseinandersetzungen; sie schmälern schnell die Produktivität. Erfahrene Projektmanagerinnen folgen ihrem Bauchgefühl und erkennen früh aufkommende Streitigkeiten im Team. Sie gehen den Ursachen auf den Grund – auch dann, wenn die Kontrahenten zunächst abwiegeln.
Angriffspunkte vermeiden: Das traditionelle Rollenver-ständnis in Unternehmen wirkt nach. Vielen Frauen werden Führungspositionen nicht zugetraut; man sucht bei Projekt-managerinnen nach Angriffspunkten, die die alten Klischees wiederbeleben sollen. Deshalb: Projektmanagerinnen punkten offensiv mit Fachkompetenz, mit guter Selbstorganisation, methodischem Vorgehen und verlässlicher Führung. Beispielsweise sind sie gut auf Besprechungen vorbereitet, erlauben sich keine Versäumnisse bei der Projektplanung und wenden die Methodik des Projektmanagements sorgfältig an. Durch gewissenhafte Arbeit verbessert sich nicht nur die Pro-jektarbeit. Auch fühlen sich viele Projektmanagerinnen sicherer, treten dadurch souveräner auf und können so ihr Team von ihrer Kompetenz überzeugen.
„Unterstützer“ im Team finden: Auch Männer schätzen den weiblichen Führungsstil. Nicht alle, aber einige. Erfahrene Projektmanagerinnen haben meistens ein intuitives Gefühl, welche Mitarbeiter ihnen wohlgesonnen sind und den „neuen Ton“ in der Führungskultur schätzen. Diese Mitarbeiter sind gute Verbündete im Team. Sie lassen eine geschlossen wirkende Männerfront löchrig werden und ermöglichen einen Kulturwandel im Projekt.
Sich Netzwerken anschließen: Berufs- und Fachverbände unterhalten mittlerweile Netzwerke für den Erfahrungsaus-tausch von Managerinnen. Einige dieser Netzwerke werden von der Europäischen Union gefördert, andere ehrenamtlich geführt. „Frauen in Projekt-Führungspositionen sind heute noch verhältnismäßig selten“, erklärt Cornelia Zimmer-Reps, „entsprechend einsam kann es für die Projektmanagerinnen werden.“ Die Fachfrau empfiehlt Projektmanagerinnen, solche Netzwerke zu nutzen.
Der eintägige Workshop „Women only - spezielle Herausfor-derungen meistern“ richtet sich an Projektmanagerinnen. Die-ser wird regelmäßig in Deutschland und Österreich veranstal-tet. Termine und weitere Informationen beim Veranstalter „next level academy“ unter www.nextlevel-academy.eu und per Mail:
















