(openPR) Die Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig sowie die alpha 2000 GmbH freuen sich, in diesem Jahr Lala Rašcic für ihr künstlerisches Schaffen mit dem Kunstpreis Europas Zukunft zu honorieren.
Bekanntheit erlangte die in Zagreb, Sarajewo und New Orleans lebende Rašcic vor allem durch ihre Hörspiele und Videoinstallationen, in denen sie selbst mehrere Rollen gleichzeitig annimmt und eindrucksvoll umsetzt. Sie bedient sich dabei Techniken und Motive der Theater- und Filmgeschichte, inszeniert literarische Stücke, schreibt eigene Erzählungen und lässt die Grenze zwischen dokumentarischen Recherchen und Fiktion verschwimmen.
Neben drei früheren Arbeiten zeigt die GfZK eine Neuproduktion, bei der die Künstlerin erstmalig mit Schauspielerinnen gearbeitet hat. In Rašcics ersten deutschlandweiten Ausstellung geht es um verschiedene Formen von Übertragung, um den Umgang mit historischen und mythologischen Narrativen und um Lesarten eines Textes in unterschiedlichen kulturellen Kontexten. Die Auswahl der Arbeiten spiegelt außerdem die kritische Befragung von kulturell geprägten Frauenrollen und der dazu bezogenen künstlerischen Position wider.
In der Videoinstallation „Sorry, Wrong Number“ (2006) führt Rašcic das berühmte Hörspiel von Lucille Fletcher aus dem Jahr 1943 als Einpersonenstück auf. Es handelt von einer gebrechlichen Frau, die ihre Tage einsam in einem Haus verbringt. Das Telefon ist ihre einzige Verbindung zur Außenwelt. Als sie eines Abends versucht, Ihren Ehemann zu erreichen, wird ihr Anruf falsch durchgestellt, und sie hört den Plan eines Mordanschlags mit. Ihre Bemühung, die Polizei zu verständigen, wird immer verzweifelter, als sie begreift, dass sie das eigentliche Ziel des Anschlags ist. Die Irritation und Spannung in der Kommunikation sowie das Gefühl von Isolation wird dadurch verstärkt, dass Ton und Bild nur für kurze Augenblicke synchron sind.
In „The Damned Dam“ (2010 – 2013) übernimmt die Künstlerin die Rolle der Erzählerin und verknüpft die Geschichte von Liebenden mit der Rettung einer Stadt. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Situation in den Westbalkans verflechten sich in der Arbeit biblische Legenden über die Sintflut mit apokalyptischen Zukunftsvisionen und Motiven aus der bosnischen mündlichen Überlieferung.
Die Videoinstallation „A Load From the Inside – Reviewed“ (2011) nimmt Sigmund Freuds Studie „Zur Psychopathologie des Alltagslebens“ als Ausgangspunkt. Darin führt er seine Theorie aus, dass ein Großteil alltäglicher Fehlleistungen Ausdruck unbewusster Absichten ist. Mithilfe des Blue Screens – einer Technik, die für Spezialeffekte beim Film Verwendung findet – „montiert“ sich die Künstlerin in Archivaufnahmen von Freuds Wohnung. Neugierig erkundet sie die Räumlichkeiten, wie auf einer Reise durch Erinnerungen und Träume. Ihr „Besuch“ in der Vergangenheit weist jedoch auch Brüche auf. Rašcics Verhalten wirkt zunehmend tollpatschig und bildet einen Kontrast zur andächtig musealen Atmosphäre des Interieurs. Am Ende des Videofilms legt sie die technische Umsetzung und damit den Grund für das Scheitern ihrer Annäherung offen.
Die Verbindung mehrerer narrativer und zeitlicher Ebenen ist die Strategie, die Lala Rašcic auch in ihrer neuesten Arbeit „Whatever The Object“ einsetzt. Den Ausgangspunkt der vielschichtigen narrativen und visuellen Struktur bilden lose Seiten eines unbekannten Buches, die sie in der alten Wohnung ihrer Familie gefunden hat. Fiktion und dokumentarische Momente fließen zusammen. In drei Videoaufnahmen lesen drei Schauspielerinnen einen verschlüsselten Satz aus dem Buch vor: Whatever the object in your immediate vicinity, it will excite within you an overwhelming need for repose as an auspicious procession passes by. Sie übersetzen den Text ins Kroatische, Englische und Deutsche und analysieren die Verschiebungen seiner Bedeutung. Die physische Erscheinung des Buches sowie sein Inhalt werden auch zum Objekt fast forensischer Analyse. Eine weitere „Übersetzung“ erfolgt im Ausstellungsraum, in dem der gesprochene Text – mit Goldblättern auf Glasplatten geschrieben – als begehbares Objekt erscheint. ?
Lala Rašcic wurde 1977 in Sarajevo (Bosnien und Herzegowina) geboren. Sie studierte an der Akademie der bildenden Künste in Zagreb (1995 – 2001) und an der Rijksakademie van beeldende kunsten in Amsterdam (2003 – 2004). Sie hatte Gruppen- und Einzelausstellungen u. a. in Zagreb, Sarajevo, Mostar, Belgrad, Graz, Istanbul, Mailand, New Orleans, New York. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Sarajevo, Zagreb (Kroatien) und New Orleans (USA).
Initiator des Kunstpreises „Europas Zukunft“ ist das in Mitteldeutschland angesiedelte IT-Unternehmen alpha 2000 GmbH mit dessen Gesellschaftern Matthias Brühl und Dietmar Schulz. Mit Ihrem Engagement in der modernen Kunst soll dazu beigetragen werden, das Miteinander und Zusammenwachsen innerhalb Europas zu fördern.
Der Preis wird seit 2003 jährlich in enger Zusammenarbeit mit der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig verliehen. Von 2003 bis 2008 richtete er sich an jüngere KünstlerInnen aus postkommunistischen Ländern. 2008 beteiligte sich alpha 2000 an „Carte Blanche“, einem Projekt der Galerie für Zeitgenössische Kunst, das privates Engagement in der Kunst untersuchte. In diesem Zusammenhang wurden Arbeiten der ersten fünf Preisträgerinnen und Preisträger gezeigt. Gleichzeitig wurde die Ausrichtung des Preises überarbeitet. Seit 2010 überschreitet die Auslobung des Preises die Grenzen der Europäischen Union und bezieht sich auf ein Europa, das einen gemeinsamen kulturellen und geistigen Raum beschreibt und dessen Grenzen nicht scharf zu ziehen sind.
Der mit 5.000 Euro dotierte Kunstpreis, inzwischen einer der wichtigen Preise im Bereich der gegenwärtigen Kunst, ist nicht mit einem bestimmten künstlerischen Projekt oder mit dem Ankauf eines Kunstwerkes verbunden, sondern als eine Ermutigung für junge Künstlerinnen und Künstler gedacht, ihren künstlerischen Weg fortzusetzen.
Im Zeitraum vom 09.03.2013 – 26.05.2013 erleben Sie die Werke in der Künstlerin in einer Ausstellung. Ort: GfZK-1 Eröffnung am 8. März 2013, 19 Uhr kuratiert von Ilina Koralova.
Die Einzelausstellung von Lala Rašcic wird von der Hypo-Kulturstiftung und dem Ministerium für Kultur der Republik Kroatien Zypern unterstützt.










