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Lernen trotz Autismus

13.02.201312:18 UhrGesundheit & Medizin
Bild: Lernen trotz Autismus
Über 200 Teilnehmer besuchten den 7. Fachtag des Autismus-Kompetenznetzwerkes Bodensee-Oberschwaben
Über 200 Teilnehmer besuchten den 7. Fachtag des Autismus-Kompetenznetzwerkes Bodensee-Oberschwaben

(openPR) RAVENSBURG – Beim 7. Fachtag des Kompetenznetzwerks Autismus Bodensee-Oberschwaben haben namhafte Experten vor über 200 Gästen im Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW) der Stiftung Liebenau über Diagnostik, Förderung und schulische Bildung bei Menschen mit so genanntem "frühkindlichem Autismus" informiert.




Großes Interesse

Erneut war das BBW Gastgeber dieses Fachtages, zu dem zahlreiche Teilnehmer aus Nah und Fern in die Ravensburger Bildungseinrichtung gekommen sind. Über 700 junge Menschen absolvieren dort derzeit eine Berufsvorbereitung oder Ausbildung – unter ihnen fast 80 mit einer Autismus-Spektrum-Störung. Eine Form dieser "tiefgreifenden Entwicklungsstörung" ist der frühkindliche Autismus, in der medizinischen Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation mit der nüchternen Bezeichnung "F84.0" versehen.

Vernetzung ist wichtig

"Die betroffenen Menschen weisen oft erstaunliche Spezialbegabungen auf, können damit aber im Sinne einer konstruktiven Lebensgestaltung nicht so viel anfangen", erklärte Sebastian Schlaich, Oberarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Abteilung der Liebenauer St. Lukas-Klinik. "Dazu kommen herausfordernde Verhaltensweisen, die Eltern und Fachkräfte oft an den Rande der Belastungsfähigkeit bringen." Deshalb müsse die Vernetzung und Zusammenarbeit aller Beteiligten, von den Eltern über die Pädagogik bis hin zur Medizin, unbedingt vorangetrieben werden. Ein Spektrum, das der diesjährige Autismus-Fachtag mit Referenten aus den unterschiedlichsten Disziplinen abbilde.

Diagnose nicht immer eindeutig

Aus medizinischer Sicht gab Dr. Anja Wiberg, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, zunächst einmal einen Überblick über das Phänomen des frühkindlichen Autismus und seine klassischen Symptome: stereotype Verhaltensmuster, verzögerte Sprachentwicklung sowie Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion und Kommunikation. Dazu kämen oft zusätzliche Auffälligkeiten wie Epilepsie, psychische oder motorische Störungen. Aber wie und wann kann frühkindlicher Autismus eigentlich erkannt werden? "Die richtige Diagnose lässt sich am besten im vierten oder fünften Lebensjahr stellen", so Dr. Wiberg. Zur Verfügung stehe ein ganzer Katalog von Instrumenten, vom Elterninterview über psychologische Tests und Verhaltensbeobachtung bis hin zur neurologischen Untersuchung. Aber: Die Diagnose sei nicht immer eindeutig, da andere Störungen ganz ähnliche Symptome haben könnten. Beispiel: Wenn ein Kind abwesend wirkt, kann das auch einfach an einer unerkannten schweren Hörschwäche liegen. Dass das genaue Hinschauen so wichtig ist, gab auch Sebastian Schlaich zu bedenken, denn: "Diagnostik ist mehr als das Abschneiden in einem Test."

Autisten brauchen spezielle Strukturen

Doch wie geht es dann weiter? Wie können Menschen mit Autismus ihr Bildungsrecht einlösen? Dieser Frage ging Prof. Dr. Theo Klauß von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg nach. Da es spezielle Sonderschulen für Autisten hierzulande nicht gebe, fänden sich die rund 1 900 autistischen Schüler in Baden-Württemberg meist an Schulen für Menschen mit geistiger Behinderung wieder. Klauß skizzierte verschiedene erfolgsversprechende Förder- und Lernkonzepte. Das A und O dabei: Die betroffenen Kinder und Jugendliche brauchen bestimmte Strukturen, um sich zurechtfinden zu können. Separate Räume etwa, mehr schriftliche statt mündliche Arbeiten, eine klare Lehrersprache. Wichtig dabei sei es auch, den Kindern das Gefühl der Bestätigung zu vermitteln: "Menschen mit Autismus brauchen die Erfahrung, dass nicht alles, was sie tun, korrigiert wird."

"TEACCH"-Ansatz hilft

Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in der Schweiz schulische Spezialeinrichtungen für autistische Kinder. Zum Beispiel in Urdorf. Wie dort gearbeitet wird, schilderte die dort als schulische Heilpädagogin tätige Simone Russi anhand des sogenannten "TEACCH"-Ansatzes, der den Schülern den Lern- und Lebensalltag erleichtern soll. Das Motto laute: "So viel Struktur wie nötig, so wenig wie möglich." Das heißt: Bebilderte, auf jedes Kind angepasste Tagespläne erleichtern die Orientierung, Abläufe werden visualisiert, Routinen eingeübt. Für die Kinder werden Dinge vorhersehbar, Situationen durchschaubar und verstehbar: "Dadurch wird Lernen erst möglich."

"Eltern sind die besten Fachkräfte"

Vom Erziehungsalltag in der stationären Jugend- und Eingliederungshilfe berichtete schließlich Heilpädagoge Gerhard Unger, während die Freiburger Rechtsanwältin Ines Theda über die Rechtsansprüche von Menschen mit Autismus informierte. Zuletzt kamen mit Karin und Klaus Bockstahler auch betroffene Eltern zu Wort, die von der alltäglichen Begleitung und Erziehung ihres Kindes erzählten. Für Sebastian Schlaich ist in dem Zusammenhang sowieso klar: "Die Eltern sind die besten Fachkräfte."
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