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'Irgendetwas stimmt nicht bei mir': Fachtag widmet sich Erwachsenen mit Autismus

05.02.201616:43 UhrGesundheit & Medizin
Bild: 'Irgendetwas stimmt nicht bei mir': Fachtag widmet sich Erwachsenen mit Autismus
Dr. Martina Schlatterer von der Uniklinik Freiburg.
Dr. Martina Schlatterer von der Uniklinik Freiburg.

(openPR) RAVENSBURG – "Autismus wird erwachsen" – Unter diesem Motto hat das Kompetenznetzwerk Autismus Bodensee-Oberschwaben zu seinem 10. Fachtag in das Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW) der Stiftung Liebenau eingeladen. BBW-Geschäftsführer Herbert Lüdtke konnte zahlreiche Teilnehmer aus Nah und Fern zu der Veranstaltung begrüßen. Namhafte Experten berichteten über die Tücken des Alltags im Leben von erwachsenen Autisten, die Bedeutung der richtigen Diagnose und mögliche Hilfsangebote.




Der Druck auf die Betroffenen ist hoch

"Irgendetwas stimmt nicht bei mir." Viele Menschen leben mit einem unerkannten Autismus und suchen im Erwachsenenalter noch nach Erklärungen für das, was sie von klein auf spüren: Dass sie irgendwie anders sind, dass ihr Verhalten so oft auf Ablehnung stößt, dass sie ausgegrenzt sind, dass sie in bestimmen Situationen immer wieder scheitern, sich von Reizen überflutet fühlen, andere nicht richtig verstehen können. Der Grund bleibt oft lange im Unklaren, der Druck auf die Betroffenen, trotzdem irgendwie im Alltag zu bestehen, ist entsprechend hoch.

"Ich glaube, ich habe Autismus"

Auch auf Dr. Stefan Thelemann, der als Leiter des Fachdienstes Diagnostik und Entwicklung im BBW jugendliche Schüler und Azubis mit Asperger-Autismus betreut, kommen immer wieder Erwachsene zu. Ihr Anliegen: "Ich glaube, ich habe Autismus. Wer kann das diagnostizieren?" Und das sind keine Einzelfälle. Noch vor zehn,15 Jahren sei bei Erwachsenen die Diagnose Autismus kaum gestellt worden, berichtete Professor Dr. Ludger Tebartz van Elst, Leiter des Erwachsenenbereiches des Universitären Zentrums Autismus Spektrum in Freiburg (UZAS) und lieferte die Begründung gleich nach: "Man sieht nur, was man weiß." Inzwischen schaut man offenbar genauer hin und weiß mehr - sind die entsprechenden Diagnosen doch kräftig gestiegen. Einer von 68 Menschen, so neueste Studien, sollen von einer Autismus-Spektrum-Störung betroffen sein.

Diagnose bringt Erleichterung

Aber ist es für Menschen mit unerkanntem hochfunktionalem Autismus überhaupt hilfreich, so etwas nach all den Jahren gesagt zu bekommen? Dazu schilderte Tebartz van Elst den ganz typischen Fall eines Mannes, der erst mit Ende 40 eine echte Erklärung für sein "Anderssein" erhielt. Stets ein Außenseiter gewesen, hatte er dann auch schizophrene Züge gezeigt und war in eine Depression verfallen. Durch die späte Erkenntnis, Autist zu sein, erschien seine so problematische Vergangenheit plötzlich in einem ganz anderen Licht: "Für diesen Menschen war es extrem wichtig, die Diagnose zu bekommen", betonte Tebartz van Elst.

Falsche Diagnose, falsche Therapie

Dabei tauchen die für Autismus charakteristischen Symptome bereits in der Kindheit auf, wurden und werden bei vielen aber falsch gedeutet – Stichwort ADHS – oder von Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) überlagert. So sind Depressionen oft die Folge eines unerkannten Autismus, nicht aber die eigentliche Störung. Und Selbstverletzungen werden mitunter, obwohl sie in diesen Fällen "nur" eine autistische Stressreaktion sind, als Borderline-Störung interpretiert. "Und diese Diagnose werden sie so schnell nicht wieder los." Die Folge kann eine völlig falsche Behandlung sein.

Therapieprogramm aus Freiburg

Ist die Diagnose korrekt gestellt, können Förderangebote helfen. Einen erfolgreichen Therapieansatz stellte zum Beispiel die Psychologische Psychotherapeutin Dr. Martina Schlatterer von der Uniklinik Freiburg vor. Mit dem FASTER-Programm (Freiburger Asperger-spezifischen Therapie für Erwachsene) lernen Betroffene, sich in einer von Nicht-Autisten geprägten, so genannten "neurotypischen Welt" besser zurechtzufinden. So wird soziales Verhalten trainiert, zum Beispiel Small Talk oder Höflichkeitsfloskeln – alles Dinge, die in der alltäglichen Kommunikation erwartet werden, in der rein sachlich orientierten Gedankenwelt von Autisten aber eigentlich keine Rolle spielen. Mit Hilfe von FASTER sollen Ablehnungserfahrungen und Missverständnisse minimiert werden. Dabei gehe es für die Autisten immer aber auch darum, die richtige Balance zu finden zwischen Anpassung und Authentizität.

Geistige Behinderung und Autismus

Ein wirksames Instrument, Menschen mit geistiger Behinderung und Autismus-Spektrum-Störung und ihre Verhaltensauffälligkeiten besser zu verstehen, ist die Analyse ihres "sozio-emotionalen Entwicklungsstandes". Dieser aus den Niederlanden stammende Ansatz wird seit einigen Jahren in einer angepassten Form erfolgreich in der Liebenauer St. Lukas-Klinik umgesetzt. Der leitende Oberarzt Dr. Brian Fergus Barrett berichtete, wie der so genannte "SEO" dort in der Diagnostik und Therapie zum Tragen kommt.

"Geschwisterzeiten"

Einen Einblick in das Thema Autismus aus ganz persönlicher Perspektive bekamen die Fachtag-Teilnehmer schließlich im "Geschwisterzeiten"-Vortrag von Matthias Schlaich. Er berichtete über seine Erfahrungen und Erlebnisse mit seinem vom Asperger-Syndrom betroffenen Bruder.

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Weitere Infos zum Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW) der Stiftung Liebenau finden Sie unter www.bbw-rv.de.
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