(openPR) Die Hessische Akademie BURG FÜRSTENECK in Eiterfeld (Osthessen) veranstaltete gemeinsam mit der Landesvereinigung Kulturelle Bildung Hessen (LKB) am 16. Januar 2013 eine höchst aktuelle Fachtagung zur Zukunft der kulturellen Bildung in Hessen. Rund 60 Fachleute aus Ministerien, hessischen Landesverbänden, kommunalen und freien Organisationen beschäftigten sich intensiv mit den Fragen: Was können wir von Erfahrungen nichthessischer Kommunen und Bundesländer lernen? Und wie kommen wir in Hessen weiter nach vorn?
Das Freiburger Modell für kulturelle Bildung
Den Vortragsreigen eröffnete Achim Könneke, Kulturamtsleiter der Stadt Freiburg, mit der Vorstellung der kulturpolitischen Leitziele der Stadt Freiburg, beschlossen im Jahr 2007, und spannenden Informationen zu den daraus resultierenden Entwicklungen und Erfolgen bis heute. Dabei nannte er fünf Aufgabenfelder: die Förderung der Künste, die Bewahrung und lebendige Vermittlung des kulturellen Erbes, die kulturelle Bildung in allen Bereichen und für alle Teile der Bevölkerung, die Bewahrung und Stärkung der kulturellen Vielfalt sowie die Förderung der Möglichkeiten kultureller Identitätsbildung der Bewohnerinnen und Bewohner Freiburgs. Kulturpolitik, Kunst- und Kulturförderung sollten dabei auf Nachhaltigkeit und Dauerhaftigkeit setzen. Auf Grundlage dieses Katalogs sei in Freiburg eine verbesserte Gestaltung der kulturellen Landschaft mit ausgeweiteten Aktivitäten, Vernetzungen und einem verstärkten Bürgerengagement entstanden. Die hessischen Zuhörer staunten, denn derartige kommunale kulturelle Bildungskonzepte stecken hier allenfalls in den Kinderschuhen.
Landespolitische Programme Nordrhein-Westfalen
Brigitte Schorn, an der Arbeitsstelle "Kulturelle Bildung in Schule und Jugendarbeit NRW", einer gemeinsamen Einrichtung von zwei Ministerien und der Akademie Remscheid tätig, beschreibt ihre umfangreichen Aufgaben im Team, u. a.: Initiativen der kulturellen Bildung enger miteinander zu vernetzen, kulturelle Praxis zu kommunizieren, über Qualifizierungs- und Fortbildungsmöglichkeiten zu informieren, Schulen (Schulträger, Schulaufsicht) und Träger der Jugendarbeit zu beraten und die Rahmenbedingungen für kulturelle Bildung in Schule und Jugendarbeit zu optimieren sowie lokale und regionale Bildungsnetzwerke zu fördern: „Allen Kindern und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen soll die Teilhabe an kultureller Bildung ermöglicht werden.“ Eine für Hessen griffige Konstruktion einer landesweiten Arbeits-, Kommunikations- und Koordinationsstelle wurde auch auf der Fachtagung weiterführend diskutiert: „Wir brauchen eine professionelle institutionelle Plattform, die Netzwerke und Strukturentwicklungen in unserem Bundesland verstetigend fördern hilft. Das geht nur mit hauptberuflichen Kräften,“ resümiert Günter Schmuck, geschäftsführender Direktor der Akademie BURG FÜRSTENECK.
Ergänzend beschrieb Schorn die reichhaltige Palette kultureller Förderprogramme in NRW. Seitdem die Landesregierung 2006 die Initiative „Modell-Land Kulturelle Bildung Nordrhein-Westfalen“ ins Leben gerufen hat, sei viel geschehen; sie verwies z. B. darauf, dass Künstlerinnen und Künstler Schüler dabei unterstützen, selber künstlerisch aktiv zu werden, auf den Wettbewerb „Kommunale Gesamtkonzepte für kulturelle Bildung“ und die Förderung der kulturellen Bildung im Vorschulalter (Dortmund); das Spektrum sei mittlerweile auf viele Kunstsparten und Akteure erweitert worden.
Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung
Kerstin Hübner von der Bundesvereinigung kulturelle Jugendbildung stellte die Ziele, Finanzierung und die Modalitäten dieses millionenschweren Förderprogramms des Bundes vor. Es gehe darum, bessere Bildungschancen für benachteiligte Kinder und Jugendliche zu schaffen. Die Förderung beginnt 2013 und erstreckt sich über einen Zeitraum von fünf Jahren. Neben anderen Bundesverbänden beteilige sich die bkj unter dem Motto: „Künste öffnen Welten. Leidenschaftlich lernen mit Kultureller Bildung“ mit einem maßgeblichen Förderanteil. Für die Teilnehmenden der Fachtagung war es wichtig, die Zielsetzungen und konkreten Bedingungen des Förderprogramms für eigene Beteiligungsmöglichkeiten genauer kennenzulernen.
Sieben Stiftungen gründen Rat für Kulturelle Bildung
Dass die Mercator Stiftung sich in der kulturellen Bildung seit langem engagiert ist nicht neu. Dass jedoch durch ihre Initiative im Jahr 2012 sich sechs weitere Stiftungen an der Gründung eines bundesweiten Stiftungsrates für Kultur beteiligen, zeigt, wie sehr in unserer Gesellschaft die Förderung der kulturellen Bildung an Bedeutung gewinnt. Mechthild Eickhoff, zuständig bei der Mercator Stiftung, erklärt, worum es geht: „Kulturelle Bildung trägt wesentlich zur Entwicklung einer starken Persönlichkeit bei. Sie ist als Allgemeinbildung im Medium der Künste besonders geeignet, Kreativität und Innovationskompetenz zu fördern und dadurch junge Menschen auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten.“ Der hohe Stellenwert kultureller Bildung sei durch Sachverständige mit einer fundierten Expertise in den Bereichen Bildung, Kultur und Kunst zukunftsorientiert aufzuarbeiten: „Die zentrale Aufgabe des Rates besteht darin, die aktuelle Situation der kulturellen Bildung im politischen wie auch im bildungstheoretischen und bildungspraktischen Raum in Deutschland zu analysieren und zu bewerten.“ Dem soeben benannten Rat gehören 14 Vertreter aus Wissenschaft, Kunst und Kultur an.
Toller Impuls, jetzt muss auch in Hessen die Kultur brummen
Das Fazit der Teilnehmenden an der Fürstenecker Fachtagung ist einhellig: Wirklich interessante Informationen, intensive fachliche Beratungen, die auch für Hessen Impulse bringen sollten. Die Diskussion zukunftsweisender kommunal-, landes- und bundespolitischer Erfahrungen zur kulturellen Bildung zeigte gute Chancen für Weiterentwicklungen in Hessen auf. Deutlich wurde, dass die Stärkung von Vernetzungen und Kooperationen eine wichtige Aufgabe sei. Dringend erforderlich sei ebenso, dass das Land bald die Erstellung eines Landesberichts zur kulturellen Bildung veranlasse; dieser müsse umfassend aufzeigen, wie die kulturelle Landschaft aufgestellt ist und gemeinsam mit den Akteuren der kulturellen Bildung konkrete Perspektiven für Hessen erarbeiten. Darin sind sich Gero Braach, 1. Vorsitzender der LKB Hessen und Günter Schmuck einig: „Diese Fachtagung hat Signale gesetzt. Jetzt geht es darum, in Gesprächen und Initiativen mit unserer Landesregierung gemeinsam die Zeichen der Zeit zu nutzen und zu handeln. Hessen braucht einen Dynamisierungsschub in der kulturellen Bildung, damit wir nicht auf der Autobahn auf dem Seitenstreifen stehen bleiben und alle anderen an uns vorbeirauschen.“












