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Der Stör - Brandenburgs Fisch des Jahres 2013

21.01.201320:45 UhrVereine & Verbände

(openPR) Der Stör – Brandenburgs Fisch des Jahres 2013

Berlin - Der Landesfischereiverband Brandenburg/Berlin e.V. hat den Stör zu Brandenburgs Fisch des Jahres 2013 gekürt. Brandenburgs Landwirtschaftsminister, Jörg Vogelsänger, und der Präsident des Landesfischereiverbandes, Gernot Schmidt, werden das heute (18.01.2013) gegen 14.30 Uhr auf der Grünen Woche verkünden.



Lebende Fossilien im Rampenlicht
Sie schwammen bereits vor 200 Millionen Jahren neben Sauriern in unseren Flüssen und Meeren. Heute leben 27 Störarten, enge Verwandte von Rochen und Haien, auf der Nordhalbkugel der Erde. Einer der größten Vertreter in der Familie ist der Hausen (Huso huso), der Körperlängen bis zu fünf Metern und dabei ein Gewicht von bis zu zwei Tonnen erreichen kann. Mit der Wahl zu Brandenburgs Fisch des Jahres wollen wir neben der Zucht von Stören in Fischzuchtanlagen und deren Verwendung als Speisefisch auch auf die Anstrengungen zur Wiederansiedlung der hier ehemals heimischen Störarten aufmerksam machen.

Wilde Störe in der Mark?
Auch Brandenburg war einst Heimat für zwei Störarten. Der Europäische Stör (Acipenser sturio) lebte in der Nordsee und wanderte zum Laichen in die Elbe und ihre Nebenflüsse. Der Baltische Stör (Acipenser oxyrinchus) lebte in der Ostsee und wanderte zum Laichen in die Oder und deren Zuflüsse. Beide Arten verbringen den größten Teil ihres Lebens im Meer. Erst im Alter von 12 bis 15 Jahren werden sie geschlechtsreif. Nur zum Ablaichen schwimmen sie bis in die Oberläufe der Flüsse. Dort werden im Frühsommer über kiesigem Untergrund pro Weibchen (Rogner) bis zu 5 Mio. Eier mit einem Durchmesser von nur 3 mm abgelegt. Wenige Tage später schlüpfen winzige Störlarven. Während die Elterntiere sich nach dem Ablaichen unverzüglich wieder auf den Weg ins Meer machen, wandert ihr Nachwuchs zuerst nur bis ins Mündungsgebiet der Flüsse. Erst im Alter von 2 bis 4 Jahren wagen auch sie sich ins offene Meer. Auf dem Speiseplan unserer Störe stehen vornehmlich Insektenlarven, Würmer, Krebse, Muscheln und Schnecken. Das maximale Alter von bis zu 120 Jahren, eine Körperlänge von mehr als 4,5 Metern und ein Körpergewicht von über 600 kg macht ausgewachsene Exemplare unserer hier ursprünglich heimischen Störarten zu absoluten Rekordhaltern unter den Fischen in unseren Seen und Flüssen. Für viele Menschen ist es heute kaum vorstellbar, dass einst solche Giganten auf dem Weg zu ihren Laichgründen im Spreewald oder in der Oberhavel auch mitten durch Berlin schwammen. Aber bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatten Störe bei uns sogar eine große fischereiliche Bedeutung.

Was stört den Stör?
Trotz ihrer stattlichen Größe reagieren Störe empfindlicher als andere Fischarten auf Veränderungen und Verschmutzungen ihrer Umwelt. Mit der zunehmenden Gewässerverschmutzung während der Industrialisierung und dem Bau von Stauwehren zur Schiffbarmachung unserer Flüsse brachen die Bestände der heimischen Störarten zusammen. Die gleiche Entwicklung vollzog sich nachfolgend bei fast allen typischen Fluss- und Wanderfischarten. In Berlin wurde der letzte Stör 1868 an der Kurfürstenbrücke gefangen. In der unteren Havel wurden Einzelfänge bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts bekannt. Seither gilt der Stör in ganz Deutschland als ausgestorben.
Viele Stauwehre und Schleusen machen unsere Flüsse auch heute noch für die Störe unpassierbar, so dass sie viele der alten Laichgründe nicht erreichen können. Mit dem Bau von Europas größter Fischtreppe am Elbewehr bei Geesthacht ist eine große Hürde in der Elbe für Fische wieder passierbar. Die bei uns ebenfalls einst ausgestorbenen Lachse und Meerforellen nutzen diese Fischtreppe bereits fleißig. Die erfolgreiche Wiederansiedlung dieser beiden Fischarten zeigt auch, wie sauber unsere Flüsse inzwischen wieder sind – höchste Zeit, dass auch wilde Störe hier wieder heimisch werden.

Die Rückkehr der Giganten
Unter der fachlichen Leitung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin (IGB) laufen seit 1996 Wiederansiedlungsprogramme für unsere beiden heimischen Störarten. Seit 2006 wurden tausende Jungstöre künstlich erbrütet und in den entsprechenden Flusseinzugsgebieten (Elbe bzw. Oder) ausgesetzt. Viele dieser Fische wurden mit Markierungen versehen. Zufällig gefangene Störe mit oder ohne Markierung müssen schonend behandelt und wieder in die Freiheit entlassen werden. Ihr Fang sollte den Wissenschaftlern aber unbedingt gemeldet werden. Mit etwas Glück werden frühestens ab 2020 wieder wilde Störe in unsere Flüsse wandern und selbst für Nachwuchs sorgen.

Störe in der Fischzucht
Wegen der dramatischen Rückgänge der wilden Störpopulationen begannen Menschen mit der künstlichen Vermehrung und Aufzucht verschiedener Störarten in Fischzuchtanlagen. Heute im Fischgeschäft angebotene Störe und Zuchtkaviar stammen aus solchen Fischzuchtbetrieben. Experten schätzen, dass allein in deutschen Teichanlagen inzwischen mehr als 1000 Tonnen Störe schwimmen. Damit haben sich Störe neben Forellen, Karpfen, Zandern und Welsen zu einem wichtigen Wirtschaftsfisch entwickelt.

Störe als sichere Kapitalanlage?
Trotz des stetig wachsenden Angebots an Zuchtware wird Störkaviar bis heute von vielen Menschen noch als Luxusgut angesehen. Mehr oder weniger seriöse Firmen nutzen diesen Umstand, um bei privaten Anlegern für Investitionen in die künstliche Aufzucht von Stören und die Produktion von Kaviar zu werben. Zahlreiche solcher Unternehmungen endeten jedoch entgegen abenteuerlicher Renditeversprechen früher oder später im Konkurs.

„Faszinarium Stör“
Sie möchten mehr über die sensiblen Giganten wissen? Dann besuchen auch Sie das „Faszinarium Stör“! In Wendisch Rietz erwartet Sie im Haus des Gastes eine umfassende Ausstellung rund um den Stör. Bestaunen Sie Vertreter von neun Störarten in Aquarien und erfahren Sie mehr über diese urtümlichen Gesellen.

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