(openPR) „Hedinger-Syndrom“ wird in der Zentralklinik Bad Berka therapiert
Bad Berka, 07. Januar 2013. --- Wer als Patient in die Zentralklinik Bad Berka kommt, hat häufig eine eindeutige Krankengeschichte, die eine spezielle Therapie erfordert. In nicht wenigen Fällen ist die enge Zusammenarbeit mehrerer Fachabteilungen gefragt, um die bestmögliche Behandlung des Patienten zu gewährleisten.
Seit einigen Jahren behandeln die Ärzte der Zentralklinik Patienten mit dem sogenannten „Hedinger-Syndrom“. Dieses ist die mögliche Folge einer Krebserkrankung im Bauchraum, die sich letztlich auch auf das Herz auswirken und es massiv schädigen kann. Betroffene werden in dem Zentrum für neuroendokrine Tumoren (NET) der Zentralklinik diagnostiziert und behandelt. Bei dieser Krebsart handelt es sich um Tumore, die sich vor allem in den Verdauungsorganen, aber auch in der Lunge bilden und mit zahlreichen Metastasen verbunden sind. Sie erfordern eine andere Tumorerkennung als andere Krebsarten, weswegen auch die Therapie bisher nur in relativ wenigen Kliniken in Europa möglich ist. Bei bestimmten Unterarten dieses Tumorleidens kann es zu Metastasen in der Leber kommen, die zu einem erhöhten Ausstoß des Hormons Serotonin führen. In diesem Fall suchen die Ärzte des Tumorzentrums den engen Kontakt zu den Kollegen in der Klinik für Kardiologie (Chefarzt Prof. Dr. Lauer).
Hier steht Dr. Maria-Anna Secknus als Leiterin der kardiologischen Funktionsdiagnostik zur Verfügung, um die Herzen dieser Patienten mittels Ultraschall zu untersuchen. Denn der erhöhte Ausstoß von Serotonin in der Leber führt dazu, dass die sehr empfindliche Herzinnenhaut geschädigt wird. Das Hormon wirkt hier wie eine Säure und führt zu einer Versteifung des Gewebes. Die Folge: Vor allem die "Ventile" im rechten Herzen (vorrangig die Trikuspidalklappe) werden starr und undicht, was letztlich eine Schwächung des Organs (Herzinsuffizienz) bewirkt. Für die durch die Tumorerkrankung bereits geschwächten Patienten bedeutet dies natürlich eine weitere Belastung.
“Wir können den Betroffenen durch verschiedene Therapieansätze einige Lebensjahre bei einer deutlich erhöhten Lebensqualität schenken, denn durch die Behandlung der Herzinsuffizienz geht es den Patienten deutlich besser. Sie sind wieder leistungsfähiger und belastbarer, was natürlich auch für die Behandlung der ursächlichen Tumorerkrankung sehr positiv ist“, so Oberärztin Dr. Secknus. Etwa 200 Patienten mit neuroendokrinen Tumoren werden jährlich mittels Echokardiografie (Herzultraschall) durch die Kardiologin diagnostisch betreut, um eine Schädigung des Herzens möglichst früh zu erkennen.
Neben der medikamentösen Behandlung der Rechtherzinsuffizienz bleibt für die Betroffenen oftmals nur die Operation und der Ersatz der geschädigten Herzklappe durch eine biologische Klappe. In enger Abstimmung der beteiligten Fachdisziplinen entscheiden die Herzchirurgen unter der Leitung von Chefarzt Dr. Thomas Kuntze dann, ob ein Klappenersatz erfolgen kann. Dabei muss vor allem die Gesamtkonstellation des Patienten abgewogen und der richtige Zeitpunkt für diese Herzoperation gewählt werden.
Von dem Hedinger-Syndrom sind vor allem Personen im Alter um die 50 Jahre betroffen, deren Leber bereits durch die Metastasen des neuroendokrinen Tumors geschädigt ist. Diese Komplikationen treten recht häufig auf, auch wenn diese Tumorart an sich eher selten ist. Rund 5-10 Patienten werden in der zum Verbund der RHÖN-KLINIKUM AG gehörenden Zentralklinik Bad Berka jährlich aufgrund dieser besonderen Erkrankung operiert. Über 100 Patienten, davon 20-30 mit einer entsprechenden Neuerkrankung, werden hier jedes Jahr behandelt. Die weitere Therapie und Nachsorge der NET-Patienten erfolgt anschließend wieder bei den Ärzten des Neuroendokrinen Tumorzentrums. Zu dem Zentrum gehören neben der Klinik für Innere Medizin/Gastroenterologie und Endokrinologie (Chefarzt Prof. Dr. Hörsch), der Klinik für Nuklearmedizin/PET-Zentrum (Chefarzt Prof. Dr. Baum) auch die Klinik für Allgemeine Chirurgie / Viszeralchirurgie (Chefarzt PD Dr. Hommann) sowie das Zentrum für diagnostische und interventionelle Radiologie (Chefarzt Dr. Petrovitch), die die Patienten gemeinsam betreuen. Regelmäßige Kontrollen der Herzfunktion erfolgen bei Oberärztin Dr. Secknus. Bei der Behandlung des Hedinger-Syndroms sorgt letztlich die gemeinsame Arbeit der verschiedenen Fachdisziplinen dafür, dass die Patienten gute Behandlungschancen haben und ihre Lebensqualität steigt. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit, die in der Zentralklinik Bad Berka auch bei vielen anderen Krankheitsbildern stattfindet, ermöglicht dem Patienten somit eine umfassende Behandlung und Betreuung.
„Die guten Therapiemöglichkeiten haben gezeigt, dass unser stark interdisziplinärer Ansatz der richtige Weg ist, um diese Erkrankung effektiv zu behandeln. Vor allem die Besprechung der Fälle im Tumorboard der verschiedenen Disziplinen hier an der Zentralklinik ist die Grundlage für die erfolgreiche Behandlung dieser seltenen Erkrankung“, so Dr. Maria-Anna Secknus abschließend.






