(openPR) Bettina Städters liebster Arbeitsplatz misst genau elf mal elf Meter. Er ist gut gelüftet, relativ ruhig gelegen, nur ein bisschen sandig. Aber das soll so sein: Sonst würden sich Sa’yaan und Co. nicht wohlfühlen. Und schließlich ist der achtjährige Vollblutaraber einer der Protagonisten in Bettina Städters Seminaren. Denn nach Asendorf in der Nordheide kommen nicht nur Manager aus ganz Deutschland, sondern eben auch Vierbeiner. Genauer gesagt: Jeweils ein Pferd – und zwar als Trainer. „Das hört sich lustig an, ist aber eine sehr ernste und vor allem intensive Arbeit“, sagt die 43-Jährige.
Die gebürtige Berlinerin ist angekommen in ihrem Traumjob: Seit knapp zwei Jahren ist die Diplom-Kommunikationswirtin selbstständig und bietet mit ihrer Firma Zentaurus – Persönlichkeits- und Führungskräftetraining mit Pferden Seminare zur Optimierung der Managementqualitäten an. Zu den
Team- oder Einzeltrainings kommen unter anderem hochrangige Mitarbeiter von internationalen Konzernen, Anwälte und Werber. Alle, um in einem Viereck Aufgaben mit einem Araber zu absolvieren, die später etwas über ihre Chefqualitäten aussagen können. „Anfangs wurde ich belächelt und gefragt, ob das Ponyreiten für Manager ist“, erinnert sich die Wahlhamburgerin. „Aber jetzt entdecken immer mehr Firmen mein Konzept. Es schult eben die eigene Wahrnehmung und Entschlossenheit – alles Eigenschaften, die ein Manager für seinen Job mitbringen muss.“
Aber warum gerade ein Pferd als Trainer? Ganz einfach: Die Herden- und Fluchttiere haben zehn Mal so sensible Antennen für ihre Umgebung wie Menschen und nehmen Signale viel eher wahr. „Das Pferd reagiert nicht auf das, was wir sagen, sondern auf das, was wir meinen – auch wenn’s uns gar nicht bewusst ist“, sagt der bekannte Pferdeflüsterer Fritz Hendrich. Da kann es passieren, dass ein sonst sehr selbstbewusster Chef von einem Vierbeiner „entlarvt“ wird als doch nicht ganz so führungsstark. Und das nur, weil dieser durch seine Körperhaltung Schwächesignale sendet. In solchen Situationen spielt Bettina Städter die stille Beobachterin und gibt in einem Gespräch anschließend ihre Einschätzung. „Dabei sehe ich mich nicht als Lehrer“, erklärt die ehemalige Marketing- Vertriebsleiterin. „Ich mache meine Kunden viel mehr auf Details aufmerksam und gebe ihnen Hilfestellung, ihre Stärken zu stärken. Es geht darum, das eigene Potenzial zu erkennen und es langfristig zu trainieren – wie die Muskeln beim Sport.“ Dafür müssen ihre Kandidaten nicht etwa komplizierte Turnübungen hinlegen, auch keine Reiterqualitäten unter Beweis stellen. Denn: Alle Aufgaben finden auf festem Boden statt. So können die Teilnehmer (für 580 Euro pro Tag) zuerst „beobachten und beurteilen“ und sich in Ruhe einen Pferde-Partner aussuchen, mit dem sie arbeiten wollen. „Der eine nimmt das gemütliche Haflinger-Pony, die andere den temperamentvollen Vollblutaraber – allein diese Wahl sagt schon viel über den Menschen aus“, so Städter. In weiteren Stunden wird dann noch das Führen und geführt werden geübt, das gemeinsame Erreichen von Zielen und Überwinden von Hindernissen oder die Regulierung von Nähe und Distanz. Manche Kursteilnehmer stoßen dabei an ihre emotionalen Grenzen: „Einige fangen an zu weinen – aus Ergriffenheit, weil sie etwas machen, von dem sie vorher nie dachten, dass sie es könnten“, bestätigt Städter. Und wenn die Arbeit am Abend getan ist, bekommt die Unternehmerin jede Menge Lob: Selbst hartnäckige Skeptiker freuen sich am Ende über den Perspektivenwechsel, den sie erfahren durften.
Auch Bettina Städter ist zufrieden: „Früher, als ich noch eine Werbeagentur leitete, war vieles oberflächlich. Hier lerne ich interessante Menschen tief gehend kennen – das ist mehr als spannend.“ Und der Trainer? Der darf sich abends erst mal ausruhen, denn so ein Seminar fordert selbst (pferde)starke Mitarbeiter. Dann geht’s ab auf die Weide. Bis ein paar Tage später wieder die nächste Führungselite vor der Koppel steht.
-Die Welt-










