(openPR) Wie lernt ein Manager das Führen? Am besten mit Hilfe eines Pferdes, meint Kommunikationswirtin Bettina Städter, Gründerin von ZENTAURUS, einem Seminarzentrum für pferdegestütztes Persönlichkeits-und Führungskräftetraining in der Nordheide bei Hamburg.
SZ: Immer, wenn ich beim Reiten das Pony meiner Tochter führen soll, bleibt es stehen. Da helfen weder Drohen noch Schmeicheln. Was sagt das über meinen Führungsstil aus?
Städter: Wir müssten zunächst ermitteln, welcher Führungsstil zu Ihnen passt. Pferde reagieren stark auf Körpersprache und mentale Bilder. Wenn man in seinem Führungsverhalten unklar oder nicht authentisch ist, dann merkt es das Tier sofort. Wir arbeiten mit dem Pferd als Co-Trainer und wollen über seine Reaktion Aufschlüsse darüber erhalten, wie unbewusste Verhaltensweisen unseren beruflichen Führungsstil prägen – und was wir daran ändern können.
SZ: Lassen Sie Manager dafür mit Pferden über die Koppel laufen?
Städter: Wir haben verschiedene Übungen im Repertoire, die wir je nach Zielvorgabe individuell abstimmen. Zum Beispiel üben wir das „Führen und geführt werden“: Das Pferd soll dem Seminarteilnehmer durch einen Parcours freiwillig folgen. Bei manchen Leuten klappt das wunderbar, bei anderen überhaupt nicht. Wir beobachten: Übt der Führende einen motivierenden Führungsstil aus? Ist er zu undeutlich, eiert er durch den Parcours? Übt er zu viel Druck aus, sodass sich das Pferd verweigert?
SZ: Was trainieren Sie noch?
Städter: Eine andere Übung heißt „Nähe und Distanz“. Da schauen wir, wie viel Nähe wir zum Pferd zulassen müssen, um eine Beziehung zu ihm herzustellen und wie viel Distanz wir brauchen, um es führen zu können. Das sind ja auch Themen, die uns beruflich bewegen.
SZ: Schön und gut, wenn man weiß, wie es beim Pferd funktioniert. Aber wie transportiert man das neu gewonnene Wissen von der Koppel in die Konferenz?
Städter: Die anschließende Selbstreflektion ist ein wichtiger Bestandteil unserer Trainings. Darin sind Führungskräfte oft nicht besonders stark. Wir schulen die Wahrnehmung für das eigene Verhalten und finden heraus, welcher Führungsstil den Teilnehmern persönlich am meisten liegt. Die Erfahrungen, die man mit den Pferden macht, sind eindrücklich – eindrücklicher als der ganze Flipchart-Kram, den man in handelsüblichen Seminaren vorgesetzt bekommt und gleich wieder vergisst.
SZ: Was ist mit Führungskräften, die Angst vor Pferden haben – sind die auch für ihre Trainings geeignet?
Städter: Sehr sogar. Wer Angst hat, den mache ich erst man ganz in Ruhe mit dem Pferd bekannt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dann weicht die Angst schnell in Respekt. Und eine respektvolle Haltung ist immer hilfreich – egal, ob in der Arbeit mit dem Pferd oder später im Umgang mit Kollegen.
-Süddeutsche Zeitung-












