(openPR) Politiker oder Unternehmer benutzen aktuell das Wort „Nachhaltigkeit“ in ihren Äußerungen. Aber was meinen Sie mit „Nachhaltigkeit“? Analysiert man die Aussagen, so wird es als Synonym für Langfristigkeit benutzt. Die ist aber nicht der eigentliche Sinn und Inhalt des Wortes. Hiermit wird es nur noch zu einem leeren Schlagwort und verliert den sinnvollen Inhalt. Dies haben wir leider schon zu häufig mit anderen Begriffen erlebt.
Einigen fällt vielleicht noch etwas mit Wald und Holzabbau ein. Jawohl, das ist die ursprüngliche Definition, die eigentlich nur besagt, dass man nicht mehr verbrauchen darf als nachwächst. Die Langfristigkeit ist somit eher eine Folge der Nachhaltigkeit. Nun hat nicht jeder mit Holz zu tun. Trotzdem ist Nachhaltigkeit ein Konzept, das uns alle angeht. Wie sieht also eine moderne Definition aus? Kaum jemand hat wohl die Inhalte des Klimagipfels in Rio wirklich gelesen. Hier wird auf eine Definition aus dem Jahre 1983 Bezug genommen, die von der sogenannten Brundtland Kommission stammt. Dies lässt sich für uns übersetzen als: Wir können unsere aktuellen Bedürfnisse (oder Wünsche) erfüllen, müssen aber darauf achten, dass dies zukünftigen Generation auch möglich bleibt.
Nachhaltigkeit in der Praxis wird leider häufig von Fanatikern getragen. Hier werden meist nur einzelne Aspekte in den Vordergrund gestellt und daraus radikale Forderungen für unser Leben abgeleitet. Der Umgang mit Energie ist so ein Beispiel: Energiesparen ist zuerst nicht verkehrt. Es ist eine Frage der Effizienz. Warum soll ich mehr als nötig für eine bestimmte Leistung ausgeben? Eine bessere Verwendung der Energie ist dringend notwendig. Wärmedämmung ist hier z.B. ein wichtiges Beispiel. In der Industrie gibt es aber noch genug Beispiele, bei denen innerhalb eines Fertigungsablaufes die Ware einmal gekühlt und später erhitzt wird, ohne dass die Energiekreisläufe miteinander gekoppelt sind und der Energieverbrauch insgesamt minimiert wird. Aber ein Fragebogen zur Nachhaltigkeit enthielt Fragen wie z.B. nach eine Raumtemperatur unter 20°C oder ob man mit dem Auto zum Einkaufen fährt. Dies Fragen machen ohne Bezug auf die aktuelle Situation so keinen Sinn. Auch der Verzehr von lokal erzeugten Lebensmitteln ist sicherlich nicht verkehrt, aber das Verbot von Bananen, weil diese über lange Strecken transportiert werden müssen, halte ich nicht für sinnvoll. Hier werden uns Beschränkungen auferlegt, die sich nicht in unserer Lebensweise widerspiegeln. Im Sinne der Definition nach Brundtland ist dies auch gar nicht notwendig.
Auf jeden Fall ist es aber nicht sinnvoll, unwiederbringliche Ressourcen wie z.B. Erdöl nur zum Heizen zu verwenden. Hier heißt das magische Stichwort „erneuerbar“. Wobei interessanterweise die sogenannten „erneuerbaren Energien“ eigentlich nicht erneuerbar sind. Weder die Sonnenenergie noch Geothermie sind wirklich erneuerbar. Sie sind nach heutiger Sicht nur einfach in unerschöpflicher Menge vorhanden. Wie lange werden wir dieser Meinung sein?
Nachhaltigkeit ist ein sehr komplexes Thema, dass sich nicht nur auf Energie und Rohstoffe beschränkt. Nachhaltigkeit beschränkt sich auch nicht nur auf der Suche nach den erneuerbaren Energien. Nachhaltigkeit muss sich mit allen Ressourcen beschäftigen, die eine Organisation verbraucht, muss sich mit der Verantwortung für die Ressourcen von der Herstellung bis zur Entsorgung beschäftigen. Eine Organisation muss in Lebenszyklen ihrer Produkte und Ressourcen denken. Nicht nur Zeitungen und Elektronikschrott können wiederverwertet werden.
Und vor allem Nachhaltigkeit muss sich lohnen. Als Unternehmer muss man die Nachhaltigkeit zur Steigerung der Effizienz nutzen. Damit wird Nachhaltigkeit zu einem strategischen Thema, in das ich alle Beteiligten der Organisation einbinden muss. Infineon hatte mal den Spruch geprägt „Never stop thinking“. Nachhaltigkeit ist nichts, was ich von heute auf morgen erreichen kann. Ich muss ständig daran arbeiten. Ich darf nie aufhören darüber nachzudenken. Dazu muss ich auch eine vernünftige Ausrichtung haben. Die Brundtland Definition gibt mir einen vernünftigen und praxisgerechten Ansatzpunkt. Beginnen kann ich gleich heute noch, packen wir es an!












