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EFPAC in Brüssel - ein europäisches Netzwerk schaffen

12.11.201208:30 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
Bild: EFPAC in Brüssel - ein europäisches Netzwerk schaffen

(openPR) Workshop „Erwachsene Überlebende von Kindesmissbrauch: Hin zu einem europäischen Netzwerk“ im Europäischen Parlament in Brüssel – ein Bericht

Eingeladen hat Marina Yannakoudakis, britische MEP, Schirmherrin der EFPAC (Europäische Föderation von in der Kindheit missbrauchten Menschen)

Vorweg sei gesagt: Trotz Einladung der britischen MEP und einer extra Einladung war kein einziger deutscher Parlamentarier anwesend. Beschämend!

Außer den nichtanwesenden deutschen MEPs waren insgesamt ca. 30 Menschen verschiedenster Nationalitäten anwesend.

Warum eine europäische Föderation? Die MItarbeiterInnen der anwesenden Gruppen waren sich einig: Kein Land ist eine Insel.

Wir brauchen eine europäische Föderation, um uns gegenseitig zu stützen, uns zuzuarbeiten, mit einer Stimme zu sprechen. Und um dieser europäischen Stimme mehr Gewicht zu geben. Angedacht wurden verschiedene Möglichkeiten der Arbeit:

--> EFPAC europaweit als Referenz gegen Missbrauch (welcher Art auch immer) von Kindern aufzubauen;
--> Europaweit ein verschärftes Bewusstsein für den Missbrauch zu schaffen und dafür zu sorgen, dass bessere, vereinheitlichte Gesetze geschaffen und diese durchgesetzt werden;
--> Wissenschaftliche Arbeiten zu Gewalt gegen Kinder zu fördern;
--> Ein besonderes Augenmerk in diesem Zusammenhang auf Kinder mit Behinderungen zu halten;
--> Die Beschaffung von Finanzmitteln, um diese Arbeiten bzw. die bereits geleisteten Arbeiten der einzelnen Gruppen voranzutreiben bzw. zu erleichtern.

Als Gruppenmitglieder stellten sich vor:

Die katalanische Gruppe „Federación Vicki Bernadet“,
benannt nach ihrem Gründungsmitglied Vicki, über 8 Jahre in Kindheit und Jugend Opfer sexueller Gewalt im familialen Umfeld.

Laia Alamany Ferré schilderte, dass die Gruppe, die seit 1997 existiert, von der katalanischen und der aragonesischen Autonomieregierung gefördert wird und eine Gruppe von hochmotivierten und –spezialisierten Profis ist, die nicht nur Anlaufzentren für Überlebende sexueller Gewalt sind, selber Therapien anbieten bzw. vermitteln sondern auch wissenschaftlich arbeiten. Ihr Ziel ist es, „Werkzeug“ zu schaffen für AllgemeinmedizinierInnen, KinderärztInnen, PsychologInnen, LehrerInnen aber auch Eltern und Großeltern um es den o.g. zu erleichtern, zu erkennen, dass ein Kind sexuelle Gewalt erlebt hat/erlebt.

Ein wichtiges Arbeitsgebiet für die Federación ist es, die sexuelle Gewalt an körperlich und/oder geistig behinderten Menschen aufzudecken, der laut wissenschaftlichen Untersuchungen bei 80% (!) liegt.

Der Verein ehemaliger Heimkinder e.V., Deutschland
Hier schilderte Heidi Dettinger die desolate Situation in der sich die Insassen deutscher Heime in den 1945er bis hinein in die späten 70er (oder später) befanden.

Sie schilderte besonders die Ausmaße der Zwangsarbeit verbunden mit den psychischen und körperlichen Grausamkeiten bis hin zu teilweise jahrelanger sexueller Gewalt. Des weiteren schilderte sie die heutige Arbeit des VEH e.V., die nicht vorhandene Förderung dieser Arbeit, die Unaufmerksamkeit und praktische Fahrlässigkeit, mit der die Überlebenden im heutigen Deutschland (Ost und West) zu kämpfen haben.

Die englische Gruppe NAPAC
(Nationale Gruppe in der Kindheit missbrauchter Menschen) wurde vorgestellt von Peter Saunders, selber Überlebender und (Mit-)begründer von NAPAC.

Auch hier fiel auf: Die Gruppe wird von englischen Wohlfahrtsverbänden gefördert, so dass es ihnen möglich ist, fest angestellte Kräfte zu beschäftigen, sie außerdem über ein Büro in London verfügen und es ihnen möglich ist, zu Kongressen, Treffen und Workshops wie dem hier beschriebenen in Brüssel zu reisen, ohne ihre Kassen „plündern“ zu müssen.

Die Gruppe arbeitet sehr viel mit Telefonberatung – d.h. sie hat ihre eigene Hotline – und mit sehr guten kleinen Broschüren zu Themen, die Überlebenden von sexueller Gewalt unter den Nägeln brennen. Sie bieten außerdem Therapien und Workshops zum Thema an.

Ein Teil der laufenden Arbeit ist investigativ und Peter Saunders erzählte sehr plastisch von dem unsäglichen Skandal um Jimmy Savile, der England erschüttert und immer weitere Kreise zieht – bis in höchste Regierungs- und Kirchenkreise und hinein ins englische Königshaus.

Außer den o.g. Gruppen waren noch anwesend:

--> Christian Banks der Gruppe „MOGiS“ (MissbrauchsOpfer Gegen InternetSperren). Christian Banks stellte die Online-Befragung „Sexuelller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen und Beeinträchtigung der Lebensqualität“ kurz vor.

--> Ein belgischer Sportmediziner, der über die laufenden Untersuchungen über sexuelle Gewalt im Vereinssport berichtete und den Schul- und Vereinssport praktisch eine „Tummelwiese“ für Vergewaltiger nannte, die dringenst durchleuchtet werden müsse.

--> Eine belgische Gruppe, die für Missbrauchs- und Gewaltopfer eine Chatline anbietet, da es besonders für Jugendliche leichter sei, sich via Chat zu öffnen, als zum Telefon zu greifen. Diese Chatline ist noch in der Erprobungsphase und der VEH e.V. wurde gebeten, als Beobachter an dieser Chatline teilzunehmen.
.
Meine Einschätzung dieser Veranstaltung (die nach dem offiziellen Teil in Einzelgesprächen mit den Anwesenden bestätigt wurde) ist, dass sie ein wichtiger Schritt in Richtung einer europäischen Zusammenarbeit war, dass es durchaus Möglichkeiten gibt, unsere Arbeit – sowohl auf europäischer, als auch auf nationaler Ebene – als förderungswürdig darzustellen.

Und dass es sehr gut ist, zu wissen, dass andere mit denselben Problemen kämpfen und eventuell von ihren Lösungsansätzen zu lernen.

Beschämend finde ich, dass die Arbeit der anwesenden Gruppen in ihren jeweiligen Ländern honoriert und gewürdigt wurden, dass die Gruppen sowohl strukturelle als auch finanzielle Hilfen für ihre wichtige Arbeit bekommen – nur Deutschland lässt seine ehemaligen Heimkinder, Überlebende deutscher Kinderheimhöllen, im Regen stehen, bzw. meint, dass mit einem Almosen für einige wenige Ehemalige alles vom Tisch sei!

Mehr denn je bin ich der Meinung, dass wir ihnen zeigen müssen und zeigen werden, dass wir uns damit nicht zufrieden geben werden!

Heidi Dettinger, VEH e.V.

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