(openPR) Rund 200 Mrd. Euro macht das Kaufkraftvolumen von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland aus. Dies entspricht in etwa der gesamten Kaufkraft von Baden-Württemberg. Aktuell leben in der Bundesrepublik nahezu 16 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund. Wie hoch ihre Kaufkraft ist und was dieses Potenzial insbesondere für den Einzelhandel bedeutet, hat RegioData Research analysiert.
Trend: So viel Kaufkraft wie Baden-Württemberg!
Rund 16 Mio. der in Deutschland lebenden Personen haben einen Migrationshintergrund. In Summe macht das Kaufkraftvolumen dieser Menschen rund 200 Mrd. Euro aus, was fast der Kaufkraft von Baden-Württemberg entspricht. Nach Herkunftsländern betrachtet, stellen Menschen aus der Ex-Sowjetunion und der Türkei mit je über 30 Mrd. Euro das größte Kaufkraftvolumen.
Trend: Kaufkraftstarke Italiener: Rund 14.000,- Euro im Jahr!
Gemessen an der durchschnittlichen Kaufkraft pro Kopf bilden die Italiener mit durchschnittlich rund 14.000 Euro im Jahr die zahlungskräftigste Gruppe. Hingegen sind mit nicht einmal 9.000 Euro im Jahr Menschen mit afrikanischer Herkunft am kaufkraftschwächsten. Damit erreichen sie nur rund 50% des durchschnittlichen Kaufkraftniveaus in Deutschland.
Trend: Bis zu 27% der gesamten Kaufkraft fließt in den Einzelhandel!
Je nach Migrantengruppe fließen zwischen 20% und 27% der jährlich zur Verfügung stehenden Kaufkraft in den Einzelhandel. Innerhalb der Migrantengruppe bilden die Türken mit rund 9,2 Mrd. Euro einzelhandelsrelevanter Kaufkraft die wichtigste Zielgruppe für den Einzelhandel. „Die Zielgruppe der Migranten“ gibt es nicht, eine starke Heterogenität kennzeichnet diese Gruppe. Einige Grundverhaltensmuster im Unterschied zum westlich geprägten Konsumenten können dennoch identifiziert werden.
Kaufkraft von Migranten macht 13% vom gesamten Potenzial Deutschlands aus!
Rund 16 Mio. Personen mit Migrationshintergrund leben aktuell in der Bundesrepublik. Das sind über 19% der Gesamtbevölkerung Deutschlands. Unter Personen mit Migrationshintergrund versteht man alle Menschen, die nach 1949 nach Deutschland eingewandert sind. Darüber hinaus fällt in diese Kategorie auch die zweite Generation, also alle hier geborenen Ausländer oder Kinder von zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil.
Insgesamt verfügen Menschen mit Migrationshintergrund über eine beträchtliche Summe von rund 200 Mrd. Euro an Kaufkraft im Jahr, was beinahe dem gesamten Kaufkraftniveau von Baden-Württemberg entspricht. Dies macht rund 13% des gesamten Kaufkraftvolumens Deutschlands aus.
Nach Herkunft betrachtet, bilden Personen mit türkischem Hintergrund die größte Migrantengruppe. Sie verfügen über ein gesamtes Kaufkraftvolumen von 34,4 Mrd. Euro im Jahr. Noch größer ist das Kaufkraftvolumen der Personen mit ex-sowjetischer Abstammung (37,1 Mrd. Euro im Jahr und 2,9 Mio. Einwohner). Das Kaufkraftvolumen alleine der türkischen und ex-sowjetischen Migrantengruppen zusammen (71,5 Mrd. Euro) ist somit höher als jenes von Berlin (58,3 Mrd. Euro).
30% weniger als im Deutschland-Schnitt!
Die durchschnittliche Pro-Kopf-Kaufkraft eines Menschen mit Migrationshintergrunds in Deutschland beläuft sich auf rund 12.400 Euro pro Kopf im Jahr. Die Kaufkraft ist damit um knapp 30% geringer als die Pro-Kopf-Kaufkraft im Deutschland-Schnitt. In dieser Statistik steht den Italienern mit rund 13.800,- Euro am meisten zur Verfügung, während Menschen aus Afrika mit rund 8.800,- Euro pro Kopf im Jahr am kaufkraftschwächsten sind.
Diese Statistik gibt keine Auskunft über die finanzielle Situation von einzelnen Individuen, da es sich um Durchschnittswerte handelt. So wie in jeder Gruppe gibt es auch bei Migranten sehr reiche und sehr arme Personen.
Außerdem ist die Unterscheidung zwischen Einkommen und Kaufkraft zu beachten: Während das Einkommen lediglich Einkünfte aus selbstständiger und unselbstständiger Tätigkeit berücksichtigt, fließen in die Berechnung der Kaufkraft alle Geldmittel ein, die einer Person zur Verfügung stehen, also z.B. auch andere Einkunftsarten und Transferleistungen.
Markenaffinität, Hochzeitskredite & Mundpropaganda!
„Eine homogene Zielgruppe der Migranten gibt es nicht“, erklärt RegioData-Pressesprecher Mark Ruhsam. Je nach Kaufkraftniveau, Kultur, Alter, Geschlecht, Distanz zum Ursprungsland, etc. ist auch das Konsumverhalten der einzelnen Migranten unterschiedlich. Grundsätzlich kann man aber bei der Analyse der Migranten als Zielgruppe im Einzelhandel von folgenden Annahmen ausgehen:
• Je niedriger die Kaufkraft, desto höher ist der Fixkostenanteil bestehend aus Ausgaben im Bereich Wohnen, Energie, Mobilität und Ernährung.
• Viele der Migranten, die aus ärmeren Ländern kommen, schicken regelmäßig Geld nach Hause. Dies bedeutet, dass sich ihr Kaufkraftanteil, der potenziell in den Einzelhandel fließen könnte, schmälert.
• Je nach Kulturkreis haben bestimmte Waren und Leistungen eine andere Symbolfunktion als in westlichen Konsumgesellschaften. Deswegen sind beispielsweise Konsumkredite zur Anschaffung von Gebrauchsgegenständen oder Hochzeitskredite in manchen Migrantenkreisen üblich.
• Bei Menschen, die aus nicht westlich geprägten Konsumgesellschaften kommen und die über eine durchschnittliche und überdurchschnittliche Kaufkraft verfügen, kann eine stärkere Tendenz zur Markenaffinität als bei westlichen Konsumenten beobachtet werden.
• Die eigene Community fungiert auf Grund der sprachlichen und kulturellen Gemeinsamkeiten auch als wichtige Austauschplattform. Insbesondere bei Kauf- und Investitionsentscheidungen spielt Mundpropaganda in diesen Communities eine wichtige Rolle.
Personen mit Migrationshintergrund nach Herkunftsland
(Einzelhandelsrelevante Kaufkraft pro Jahr in Euro):
Türkei: 9,2 Mrd.
Ex-Sowjetunion: 8,8 Mrd.
Asien: 5,9 Mrd.
Polen: 4,8 Mrd.
Ex-Jugoslawien: 4,8 Mrd.
Italien: 2,9 Mrd.
Rumänien: 1,2 Mrd.
Afrika: 1,0 Mrd.













