(openPR) So deutlich war Finanzminister Schäuble lange nicht. In Singapur sprach er sich eindeutig für den Verbleib Griechenlands in der Währungsunion aus und schloß damit eine Pleite des Landes aus. Da Schäuble die reichen asiatischen Länder als Hilfstruppen im Kampf gegen die Krise gewinnen möchte, war es keineswegs ein Zufall, dass diese deutlichen Worte ausgerechnet in Singapur gefallen sind.
Plötzliche Offensive
In den vergangenen Wochen und Monaten dürfte Wolfgang Schäuble wohl kaum eine Frage so oft gehört haben wie die nach der Zukunft Griechenlands in der Euro-Zone. Egal wie provokativ die Frage gestellt war, die Antwort von Schäuble war immer gleich. Vor einer Entscheidung möchte er die Berichte von IWF, Europäischer Zentralbank und der Europäischen Kommission gelesen haben, vorher gäbe es keine Entscheidung, welcher Art auch immer. Das hörte sich nach wochenlangem Gezerre und Streiterei an, die erneut zur Turbulenzen an den Finanzmärkten sorgen würden. Doch urplötzlich wird der Finanzminister in Singapur überraschend deutlich. Auf die Frage eines Teilnehmers an einer Veranstaltung bei der Deutschen Auslandshandelskammer nach der Zukunft Griechenlands erklärte Schäuble, dass Griechenland Mitglied der Währungsunion bleiben würde, solange es die Auflagen der Geldgeber erfüllt.
Jeder, der Schäuble kennt weiß, dass dieser keineswegs zum „plappern“ neigt. Wenn er sich ausgerechnet in Singapur mit solchen Informationen an die Öffentlichkeit wagt, dann hat das einen Sinn. Der Finanzminister hat mit voller Absicht auf dem Weg von Tokio nach Berlin einen zweitägigen Zwischenstopp in dem Stadtstaat eingelegt. Singapur gehört zu den reichsten Ländern der Welt und Schäuble versucht, dort europäische Staatsanleihen an den Mann zu bringen. Einen besseren Platz könnte er auch kaum finden. Die Wirtschaft des Landes explodiert geradezu, der Finanzminister des Landes erzielt Haushaltsüberschüsse, nirgendwo auf der Welt leben mehr Millionäre als in Singapur. Wenn nicht hier, wo dann?
Hilfe vom reichen Asien erwünscht
Wenn es nach Schäuble geht, dann sollen die Staatsfonds des Landes, die allein über 300 Milliarden Dollar Anlagekapital besitzen, und andere, wieder verstärkt in südeuropäischen Euros anlegen. Die Probleme von Staaten wie Portugal, Spanien oder Griechenland würden sich erheblich verringern, man bräuchte weder den Euro-Rettungsschirm noch die EZB als Notanker. Die Lage würde sich deutlich entspannen. Mehr erfahren Sie auch unter http://www.online-broker-vergleich.org/das-dauerthema-griechenland-und-der-euro/
Eine leichte Aufgabe ist das nicht. Zudem es noch nicht gerade zu den Alltäglichkeiten gehört, dass ein deutscher Finanzminister für südeuropäische Staatsanleihen in Singapur wirbt. Da Vertrauen aber nach wie vor schneller zerstört als aufgebaut wird, dürfte er wohl kaum mit konkreten Zusagen zurückkommen, allenfalls mit Absichtserklärungen, wenn überhaupt.
Viele verstehen das Problem nicht
Das hat jedoch nicht nur mit mangelndem Vertrauen zu tun, sondern auch mit der immer noch andauernden Verwunderung über die Tatsache, dass 17 Staaten in Europa zwar eine gemeinsame Währung, jedoch keine gemeinsame Wirtschaftspolitik oder Haushaltspolitik haben. Das verstehen hierzulande schon nur wenige, in Asien versteht es niemand.
Da Schäuble gleichzeitig noch eingestehen musste, dass die Kommunikation innerhalb der Euro-Zone erheblich zu wünschen übrig lasse, glaubte er wohl auch selbst nicht so richtig an einen Erfolg seiner Mission, aber einen Versuch war es wert.
Der Finanzminister versuchte den Investoren und Kollegen aus aller Welt klarzumachen, dass die Währungsunion ein unheimlich kompliziertes Gebilde sein, dass nicht jeder verstehen müsse, die Euro-Zone sei jedoch auf einem guten Weg. Diese frohe Botschaft wird er auch auf dem Finanzministertreffen in Bangkok verkünden, bevor er dann, weniger frohen Mutes, nach Berlin zurückfliegt. Dort erwarten ihn die Berichte, auf die er eigentlich warten wollte.










