(openPR) Der Fachkräftemangel geht auch an den „Grünen Berufen“ nicht vorbei, auch wenn man vermuten könnte, dass bei dem gestiegenen Interesse für die Umwelt, Nachwuchssorgen eigentlich keine Rolle spielen sollten. Über die Problematik, wie sich die Situation darstellt und wie darauf zu reagieren sei, sprachen wir mit Karin Hebold, Ausbildungsberaterin für Gartenbau im Landkreis Leipziger Land.
BFW: Wie stellt sich die Arbeitsmarktlage bei den offenen Stellen im Bereich der Grünen Berufe, speziell auch der Gärtner, aus Ihrer Sicht dar?
Karin Hebold: Viele Unternehmen im Zierpflanzengartenbau haben den Produktionsumfang in Größe und Sortiment entsprechend der Kundennachfrage angepasst. Ein Hauptbereich ist nach wie vor die Produktion von Beet- und Balkonpflanzen, überwiegend für den Endverkauf im eigenen Betrieb. Um möglichst viele Kundenwünsche zu berücksichtigen, ist gleichzeitig ein vielfältiges Floristikangebot sehr wichtig, einer der zahlreichen Ausbildungsbereiche des Zierpflanzengärtners. Kreative und handwerklich geschickte Zierpflanzengärtner haben zukünftig aufgrund zunehmenden Fachkräftemangels gute Chancen nach der Ausbildung in Bereichen Arbeit zu finden, in denen bislang nur Floristen eingestellt wurden. Garten- und Landschaftsbaubetriebe schätzen die spezifischen Pflanzenkenntnisse und setzen gut ausgebildete Gärtner gern in der Pflege ein. Die Nachfrage wird weiter wachsen. Aber auch die Grabpflege ist ein zweites Standbein der Zierpflanzenbaubetriebe geworden.
BFW: Was unternehmen Firmen in der Branche, um auf freie Arbeitsplätze aufmerksam zu machen?
K.H.: Immer öfter werden Stellenanzeigen in Zeitungen veröffentlicht. Die Betriebe veröffentlichen Ihre Angebote über Jobbörsen oder nutzen die Vermittlungen über die Jobcenter und Arbeitsagenturen. Über die Bildungsberater für „Grüne Berufe“ an den Landratsämtern wird ebenfalls Fachpersonal nachgefragt.
BFW: Was sollten künftige Absolventen des Gärtnerberufes unternehmen, um einen entsprechenden Arbeitsplatz zu erhalten?
K.H.: Wichtig ist bereits bei der Praktikumsauswahl während der Ausbildung darauf zu achten, ob der Betrieb bei Bedarf Fachkräfte einstellt oder nur Praktikumsplätze anbietet. Eventuell wäre es ein potentieller Arbeitgeber. Jeder zukünftige Absolvent sollte seine Stärken und Schwächen kennen, dass er frühzeitig erkennt, welche Einsatzgebiete und Unternehmen sich nach der Ausbildung besonders eignen. Zum Beispiel: Arbeite ich gern im Verkauf und der Kundenberatung? Bin ich gut im kreativen Gestalten und der Floristik? Arbeite ich lieber in der Produktion und möchte nicht so viel Kundenkontakt? Selbstverständlich sollte ein guter Abschluss angestrebt werden. Je mehr Fachwissen und praktische Fähigkeiten angeboten werden können, desto größer sind die Chancen auf einen Arbeitsplatz. Flexibilität und Mobilität spielen im Berufsleben eine große Rolle. Vor der Bewerbung um einen Arbeitsplatz müssen unter anderem Fragen, wie Ortsabhängigkeit, Verpflichtungen gegenüber der Familie und Fahrerlaubnisbesitz oder Abhängigkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln abgeklärt werden.
BFW: Wie sieht die Ausbildungssituation in Sachsen für den Beruf des Gärtners aus?
K.H.: Der demographische Wandel verschont auch unseren Wirtschaftszweig nicht. Es ist deutlich spürbar, dass wesentlich weniger Jugendliche zur Ausbildung zur Verfügung stehen. Durch die Anpassung der Produktionsbetriebe im Gartenbau auf die aktuellen Wirtschaftsbedingungen haben eine ganze Reihe von Betrieben Ihre Unternehmen im Produktionsbereich verkleinert und spezialisiert. Oft kann nicht mehr das geforderte Ausbildungsspektrum bedient werden. Ein Teil der Ausbildungsbetriebe im Beruf Gärtner Fachrichtung Zierpflanzenbau benötigt für die Ausbildung zwingend Kooperationspartner oder hat sich von der Ausbildung ganz verabschiedet. Ein besonders großes Problem ist das Finden von geeigneten Auszubildenden, die sich für diesen Beruf wirklich interessieren, das notwendige handwerkliche Geschick, die Fähigkeit zum selbständigen Arbeiten, die Liebe zur Natur, aber auch die Bereitschaft zur körperlichen Arbeit unter nicht immer optimalen Witterungsbedingungen und die notwendige Intelligenz für diesen anspruchsvollen Beruf mitbringen. All das führt dazu, dass die Ausbildungszahlen in diesem Beruf sehr stark zurückgegangen sind.
Damit ist der Fachkräftemangel vorprogrammiert. Andererseits erhöhen sich die Arbeitsplatzchancen für die derzeit geringe Anzahl an Auszubildenden. Die gleiche Situation haben wir auch in den übrigen Fachrichtungen des Produktionsgartenbaus. Hier wäre unter anderem der Friedhofsgärtner zu nennen.
BFW: In welche Richtung sollte sich die Ausbildung zum Gärtner weiterentwickeln, um auf die Arbeitsmarktsituation reagieren zu können?
K.H.: Die Inhalte der Rahmenausbildungsverordnung zum Gärtner Fachrichtung Zierpflanzenbau sind sehr umfassend und bieten viele Möglichkeiten, angepasst auf die besonderen Fertig- und Fähigkeiten der einzelnen Auszubildenden auf die geänderte Arbeitsmarktsituation zu reagieren. Es liegt am Geschick des Ausbildungsbetriebes die Schwerpunkte zu vertiefen, die besonders von potentiellen Arbeitgebern nachgefragt werden. Dazu ein Beispiel: Da wesentlich weniger Floristen ausgebildet werden, der Bedarf aber weiterhin vorhanden ist, kann der Ausbildungsschwerpunkt in der Floristik intensiver vermittelt werden, als bisher und das ohne andere Ausbildungsinhalte zu vernachlässigen.
BFW: Wie schätzen Sie den Ausbildungsstand der Absolventen des BFW Leipzig ein?
K.H.: Im BFW wird seit Jahren, eine sehr gute Ausbildung im Gartenbau angeboten. Natürlich gibt es auch Ausbildungsabbrüche. Die Ursachen liegen fast immer in der Person des Umschülers selbst und den gegebenen persönlichen Umständen. Diese Problematik kann nie völlig vermieden werden. Der überwiegende Teil der Absolventen ist sehr interessiert an der Ausbildung und schafft damit beste Voraussetzung für einen erfolgreichen Berufsabschluss, wie die Prüfungsergebnisse der letzten Jahre bewiesen haben. Die Erweiterung der Ausbildung in der Fachrichtung Friedhofsgartenbau ist auf jeden Fall zu empfehlen, da auf dem Arbeitsmarkt, wie bereits genannt, Bedarf besteht. Je flexibler die Ausbildung im BFW im Gartenbau gestaltet wird, umso interessanter wird die Ausbildung für potentielle Umschüler. Die Chancen, nach der Ausbildung einen Arbeitsplatz zu erhalten, steigen damit um ein Vielfaches.
Hintergrund
Gärtner sind gesuchte Fachkräfte!
Lohnende Perspektive für Rehabilitanden
Der grüne Beruf Gärtner mit seinen vielfältigen, abwechslungsreichen Tätigkeiten bietet nach Aussage von Karin Hebold gute Arbeitsmarkchancen. Die Ausbildungsberaterin für Gartenbau im Landkreis Leipzig schätzt ein, dass „sich der Bedarf an Fachpersonal neben dem Gärtner auch auf andere grüne Berufe, wie den Garten- und Landschaftsbau, Friedhofsgärtner und vor allem Servicebetriebe wie Hausmeisterdienste oder Gebäudedienstleister sowie in der Floristikbranche erstreckt.“ Durch die nur 2-jährige, praxisorientierte Ausbildung in der eigenen Gärtnerei am Berufsförderungswerk Leipzig (BFW Leipzig) erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Abschluss, der sowohl den Qualifizierungsansprüchen voll entspricht.
Unternehmen aus der Branche haben auf ihrer Suche nach jenen Fachleuten mit dem BFW Leipzig bereits gute Erfahrungen gemacht. Nach Aussage von Thomas Knauf, Inhaber der Gärtnerei Knauf in Kursdorf bei Schkeuditz, habe er durch das direkte Kennenlernen der künftigen Gärtner über das Praktikum sehen können, ob die Bereitschaft und die Fähigkeiten ausreichend vorhanden sind. „Wir haben mit Thomas Ludwig vom BFW Leipzig sehr gute Erfahrungen gemacht. Bei ihm stimmte die Motivation und er kann auf eine sehr gute Ausbildung mit einem sehr guten Abschluss zurückgreifen.“
Ähnlich äußerte sich auch Steffen Schröder von der Blumenhalle am Südfriedhof Leipzig. Für ihn habe sich die Einstellung von Gordon Olschewski bezahlt gemacht: „Herr Olschewski hatte sich selbstständig bei uns beworben und zeigte damit, dass er gewillt war, den künftigen Beruf auszuüben. Sein Wille und die beruflichen Fähigkeiten sowie seine Redegewandtheit sind ein großes Plus für ihn, für uns als Betrieb und auch für das BFW Leipzig als Ausbildungseinrichtung.“
Die Weidemann-Gruppe setzt seit 2010 David Voigt im Bereich des Gebäudemanagements für Grünflächenpflege und Winterdienst u.a. für 40 Gebäude der Leipziger Baugenossenschaft ein. Martin Teickner Abteilungsleiter in Markkleeberg ist sehr zufrieden mit dem Absolventen des BFW Leipzig. „Wir schätzen ihn, weil er durch seinen Vorberuf als Fleischer und die Ausbildung am BFW über hervorragende Erfahrungen verfügt. Er ist umsichtiger und traut sich die Übernahme von mehr Verantwortung zu als andere.“
Lutz Wulfert von der Gärtnerei Petersohn aus Klitschmar zog für sich nach den sehr guten Erfahrungen mit dem ehemaligen Ausbildungsteilnehmer Michael Skerka, der sich zu einem sehr kompetenten Ansprechpartner entwickelt hat, folgende Schlussfolgerung: „Seit ich weiß, dass es Betriebe wie das BFW als reine Ausbildungsbetriebe gibt, habe ich von eigenen Lehrlingen abgesehen, weil es aus meiner Sicht und der Sicht der Kollegen, einfach zu aufwendig ist, die wirtschaftliche Produktion und die Ausbildung zu vereinen.“
Oft bietet die Ausbildung zum Gärtner in der Fachrichtung Zierpflanzenbau besonders für Menschen mit einer psychischen Erkrankung die Chance, wieder neu ins Berufsleben einzusteigen. „Insbesondere die Arbeit im Freien und auch die körperliche Betätigung – das „Ausarbeiten“ – stellt für viele einen guten Ausgleich zu den seelischen Problemen dar“, weiß Katrin Schulz, Psychologin im Assessmentcenter des BFW Leipzig zu berichten. „Außerdem bietet sich bei dieser Tätigkeit eher auch mal die Möglichkeit, einzeln zu arbeiten, also weniger im ständigen Kontakt mit anderen Menschen.“
Insgesamt wird die psychische Belastung nach ihrer Kenntnis von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern als nicht ganz so hoch erlebt, obwohl es sich um einen anspruchsvollen Beruf handelt. Die Leistungs- und Arbeitsfähigkeit bleibt in diesem Beruf auch bei psychischen Problemen eher erhalten (soweit die körperliche Belastbarkeit grundsätzlich gegeben ist), als bei Berufen, die jederzeit eine hohe Konzentration und viel Bildschirmarbeit erfordern.
Am 15. Oktober 2012 beginnt ein neuer dreimonatiger Reha-Vorbereitungslehrgang (RVL), wo die Kriterien Belastbarkeit, mathematische Kenntnisse und allgemein die Lernfähigkeit überprüft und gezielt gefördert werden. An diesen dreimonatigen RVL (es kann aber auch ein sechswöchiger RVL ab dem 4. Dezember 2012 belegt werden) schließt sich nahtlos am 15. Januar die Ausbildung zum Gärtner an.
Die guten Erfahrungen aus den benannten Beispielen und von weiteren Absolventen, zeigen, dass es sich lohnt, Menschen mit psychischen Vorerkrankungen auf den Beruf des Gärtners und die Ausbildung dazu am Berufsförderungswerk Leipzig zu orientieren.
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Start: RVL: 15.10.12 | Umschulung: 15.01.2013












