(openPR) Drei Tage bevor Bilfinger den Namen „Berger“ aus der Firmierung entfernte, um den Markenauftritt neu zu positionieren, fand am 21. September 2012 im Goldberger Saal des Ludwig-Erhard-Hauses der fünfte Industriekulturabend mit dem Titel „Bauen im Berliner Untergrund“ statt. Das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv und sein Kooperationspartner Verein für die Geschichte Berlins widmeten Julius Berger diesen Abend anlässlich seines 150. Geburtstages. Der Unternehmenshistoriker der Bilfinger (Berger) SE, Dr. Martin Krauß lenkte den Blick der Gäste auf das bewegte Leben des Unternehmers und teilte mit, dass der Name „Berger“ künftig über den neu gestifteten „Julius-Berger-Preis“ erhalten bleiben wird.
Unter den Gästen des Industriekulturabends befand sich auch Bergers Urenkel, Manuel Biedermann, der sich ebenfalls für die Erinnerung an Julius Berger und seine Familie einsetzt. Biedermann kümmerte sich um die1928 auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee errichtete Grabstätte der Familie Berger. Er veranlasste die Restaurierung und machte das Grab zur Gedenkstätte für Berger und seine Frau Flora, die den Tod im Konzentrationslager Theresienstadt fanden. Zur Erinnerung an seine Urgroßeltern hat Biedermann sich auch für „Stolpersteine“ eingesetzt.
Ditmar Arnold, der Vorsitzende des Vereins Berliner Unterwelten, zog mit seinem anschließenden Vortrag über „Berlin von unten“ die Zuhörer in seinen Bann. Im Zuge seiner Forschungsarbeiten sind Bunker, Brauereikeller und nach der Teilung Berlins durch die Mauer 1961 auch diverse Fluchttunnel entdeckt und erhalten worden. Arnold stellte in seinem spannenden Vortrag zahlreiche ungenutzte Verkehrsbauwerke und unvollendete Tunnelprojekte der Berliner U-Bahn vor, die in den Tiefen Berlins zu finden sind. Die U5 allerdings bleibt aktiv und wird zurzeit von Bilfinger verlängert. Damit bekommt Berlins berühmteste Kreuzung, an der die Friedrichstraße auf den Prachtboulevar Unter den Linden trifft, einen neuen U-Bahnhof.
Julius Berger – ein bewegtes Leben
Mit zwölf Jahren kam Berger nach Berlin. Nach Absolvierung der Lehrjahre und dem Besuch der Abendschule des Vereins Berliner Kaufleute kehrte er in den westpreußischen Fuhrbetrieb des Vaters zurück. Schon bald verlagerte Berger den Schwerpunkt des väterlichen Fuhrgeschäftes auf Steine und Kies und gewann so Einblicke in den Straßen- und Tiefbau. 1890 erhielt er dann seinen ersten Bauauftrag, gefolgt von Transport- und Lieferaufträgen für die sich im Aufbau befindliche Eisenbahn in seiner Heimatregion. 1895 gründete er sein eigenes Baugeschäft.1905 wandelte er sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um, die mit dem Namen Julius Berger Tiefbau AG (JBTAG)an den Start ging. In den folgenden Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt seiner Tätigkeit in den Berliner Raum und im März 1910 verlegte er den Sitz der Gesellschaft in die deutsche Hauptstadt. Hier war die JBTAG ab 1913 auch am Ausbau der U-Bahn beteiligt. In der Zeit der Weimarer Republik war das Unternehmen bereits weltweit tätig und zählte zu den wichtigsten der deutschen Baubranche. Unter dem Druck antisemitischer Propaganda endete Bergers Erfolg. Mit den Worten „Ich war Deutscher und bin Jude geworden“ trat er im Dezember 1933 als Vorstandsvorsitzender der JBTAG zurück. 1942 wurde er zusammen mit seiner Frau Flora ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo beide nicht lange überlebten.
Die JBTAG ist eines der Vorläuferunternehmen des Konzerns Bilfinger (Berger) SE, der heute weltweit zu den bekanntesten Unternehmen im Engineering- und Dienstleistungs¬bereich gehört.
Weiterführende Informationen: http://www.bb-wa.de oder http://www.bb-wa.de/de/archivspiegel.html












