(openPR) Im Streit um die Energiewende und steigende Strompreise hat FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle für eine weitere Zuspitzung gesorgt. Er forderte, das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) abzuschaffen. „Dieses planwirtschaftliche Gesetz muss in seiner jetzigen Form weg“, sagte er dem Magazin „Focus“. Es gebe verschiedene Modelle, die marktwirtschaftlicher seien als das bisherige System. Das EEG regelt im Rahmen der Energiewende die Förderung regenerativer Energien, die jeder Kunde per Umlage über seine Stromrechnung bezahlt. Kurzfristig fordert Brüderle ein Moratorium für neue Windräder und Solaranlagen, das gelten soll, bis der Netzausbau umgesetzt sei.
Die Debatte um die Zukunft des EEG bestimmt einmal mehr die Berichterstattung von EUWID Neue Energien. Ausgabe 36/2012 ist am 5. September erschienen und umfasst 73 Nachrichten und Berichte zur Energiewende auf 28 Seiten. Im Folgenden findet sich eine Kurzcharakteristik der Ausgabe (zur kompakten Übersicht gelangen Sie hier: http://www.euwid-energie.de/printausgabe/aktuelle-ausgabe.html):
ÜBERGREIFENDE THEMEN
FDP-Fraktionschef Brüderle, der sich auch für ein Moratorium beim Ausbau der erneuerbaren Energien ausspricht, steht mit seinen Forderungen nach einer Abschaffung des EEG in der bisherigen Form nicht allein. In den vergangenen Wochen sind die Stimmen aus der FDP, aber auch aus Teilen der Union immer lauter geworden, die das Ende der Förderung erneuerbarer Energien über Einspeisevergütungen fordern und den Einspeisevorrang der Erneuerbaren in Frage stellen.
Jüngst hat sich der hessische Ministerpräsident Rainer Bouffier zu der Riege der EEG-Kritiker gesellt. „Wir wollen sicheren Strom, und wir dürfen weder Deutschlands Industrie abwürgen, noch die Menschen auf unbezahlbaren Rechnungen sitzen lassen“, sagte er. „Deshalb müssen wir aufhören, Milliarden in Öko-Subventionen zu stecken, die den Strompreis nach oben treiben.“
Die Erneuerbaren-Förderung und das EEG fallen unter die Ressortverantwortung des Bundesumweltministeriums. Die EEG-Kritiker aus den Reihen von FDP und CDU setzen mit ihren Eingaben auch Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) unter Druck. Altmaier sieht die Notwendigkeit für Änderungen am EEG, vor allem, um das Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu bremsen und ihn mit dem Netzausbau zu synchronisieren.
Gleichzeitig verweist der Umweltminister auf die Komplexität der Materie. Eine Umgestaltung der Erneuerbaren-Förderung mache zudem nur dann Sinn, wenn sie mit den Ländern abgestimmt sei, da nur so eine langfristige Lösung erzielt werden könne. Schon aus Gründen der Planungssicherheit müsse ein solches Gesetz über mehrere Jahre Bestand haben, sagte Altmaier anlässlich eines Treffens mit Industrie, Arbeitgebern und Gewerkschaften vergangene Woche im Kanzleramt.
Die Opposition reagiert mit unverhohlener Kritik an der Regierung auf die jüngsten Versuche, das EEG „sturmreif zu schießen“. „Das ist der Versuch, Rache bei den erneuerbaren Energien für die gesellschaftliche Niederlage beim Atomausstieg zu nehmen.“ Zwar werde die Bundesregierung das EEG nicht abschaffen können, aber es sei möglich, die Regelung zu kippen, nach der es einen Einspeise-Vorrang für Ökostrom im Netz gibt.
Die EEG-Diskussion findet an verschiedenen Stellen des übergreifenden Themenbereichs von EUWID Neue Energien ihren Niederschlag. So informiert die aktuelle Ausgabe über die FDP-Idee von Preisaufschlägen für Erneuerbare und die Forderungen des Biogasrats nach einem „marktnahen“ Fördersystem. Auch die Kabinettsbeschlüsse zur Senkung der Managementprämie und der Offshore-Haftungsregeln sind Gegenstand der Berichterstattung.
Beleuchtet werden ferner die Entwicklung von Rohstoff- und Heizölpreisen, Ökostromtarife und der Erneuerbaren-Index Renixx World des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR).
BIOENERGIE
In der Debatte um die Rolle der Bioenergie im zukünftigen Energiemix erhält die Branche Unterstützung von der Deutschen Energie-Agentur. „Die derzeitige Diskussion um Biokraftstoffe ist häufig unsachlich und undifferenziert“, sagte dena-Chef Stephan Kohler. „Bioenergie ist nicht für den Welthunger verantwortlich und für die Energiewende unverzichtbar.“ Die Ursachen für den Hunger in der Welt seien vor allem Armut, Bürgerkriege und die Folgen des Klimawandels.
Von einer Konkurrenz zwischen „Tank und Teller“, also der Nahrungs- und Futtermittelproduktion einerseits und der Bioenergieerzeugung andererseits, könne „keine Rede sein“. Die Landwirtschaft in den Industrienationen produziere vielmehr Überschüsse, die regelmäßig in Entwicklungs- und Schwellenländer exportiert werden. „Das führt in diesen Ländern dazu, dass die dortige Landwirtschaft zum Erliegen kommt, wodurch das Hungerproblem noch verstärkt wird“, sagte Kohler.
Ungeachtet der zunehmenden Kritik ist der Biokraftstoffverbrauch in Deutschland im ersten Halbjahr gestiegen. Nach aktuellen Angaben des Bundesamtes für Wirtschaft- und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ist der Bioethanolverbrauch im Verkehrsbereich gegenüber dem ersten Halbjahr des Vorjahrs um 9,7 Prozent gestiegen. Den mengenmäßig größeren Anteil am Biokraftstoffverbrauch hat nach wie vor Biodiesel. Laut BAFA legte der Verbrauch von Biodiesel (FAME) und Pflanzenöl um 4,2 Prozent auf 1,13 Mio. Tonnen zu. Der allergrößte Teil davon entfällt auf FAME als Beimischungskomponente zu Dieselkraftstoffen.
Mit der Debatte um Flächenkonkurrenzen mit der Lebensmittelindustrie ist auch die Biogasbranche zunehmend konfrontiert. Mais zur Biogaserzeugung in Europa wird mittlerweile auf 821.000 Ha angebaut, wie das Deutsche Maiskomitee unter Berufung auf Angaben der European Confederation of Maize Production (CEPM) berichtet. In der europäischen Union gab es im Jahr 2010 laut CEPM 10.943 Biogasanlagen, allein 6.670 davon in Deutschland. In Großbritannien gab es 1.772 Anlagen, in Italien 478 und in Frankreich 413.
Weitere Artikel der Ausgabe 36/2012 von EUWID Neue Energien befassen sich im Bereich der Bioenergie mit der aktuellen Geschäftsentwicklung bei German Pellets, AGO, EnviTec, Agri Capital und 2G Energy. Die Marktberichterstattung informiert über die Preistrends am Markt für Sägerestholz, die Großhandelspreise für Getreide und Ölsaaten und die Verkaufspreise für Biodiesel.
SOLARENERGIE
Den Solarstreit mit China will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem Verhandlungsweg lösen. Sie sei dafür, „nicht immer gleich zur Waffe gerichtlicher Auseinandersetzungen zu greifen“, sagte die Bundeskanzlerin bei ihrem China-Besuch in Peking. Beim europäischen Solarbündnis EU ProSun wurden Merkels Äußerungen mit Zurückhaltung aufgenommen. Lösungen im Streit um Wettbewerbsverzerrungen könne es nur geben, wenn die europäische Politik Entschlossenheit zeige, sagte EU ProSun-Präsident Milan Nitzschke der Nachrichtenagentur AFP.
Im Bieterkampf um Q-Cells hat sich der südkoreanische Mischkonzern Hanwha durchgesetzt. Die Gläubigerversammlung von Q-Cells entschied sich in der vergangenen Woche für das von Insolvenzverwalter Henning Schorisch präferierte Angebot und gegen die Möglichkeit einer Übernahme durch das spanische Unternehmen Isofoton. Ausschlaggebend für den Zuschlag sei vor allem die Finanzkraft der Südkoreaner gewesen, teilte Schorisch mit.
Der Insolvenzverwalter hatte mit den Südkoreanern bereits einen Kaufvertrag unterzeichnet, der durch den Segen der Gläubiger nun gültig geworden ist. Für die Übernahme des insolventen Konzerns blättert Hanwha nach eigenen Angaben insgesamt rund 39 Mio. € auf den Tisch. Zusätzlich übernimmt sie Schulden von 211 Mio. €. Die Kartellbehörden müssen die Transaktion noch absegnen.
Unterdessen hat die Bundesnetzagentur die Zahlen für den Solarzubau im Juli bekannt gegeben. Demnach wurden 543,2 MWp an neuer Solarleistung im Berichtsmonat installiert. Damit hat sich die im laufenden Jahr installierte Solarleistung auf 4.916 MWp erhöht. Wie die Netzagentur weiter ausführt, beläuft sich der Gesamtbestand geförderter Photovoltaikanlagen im Geltungsbereich des EEG zum 31. Juli 2012 auf 29.701 MWp.
Die Unternehmensberichterstattung im Solarbereich befasst sich in Ausgabe 36/2012 von EUWID Neue Energien auch mit den aktuellen Entwicklungen bei Solarwatt, Sovello, Sunways und Frankensolar. Ergänzt wird die Berichterstattung mit den aktuellen Daten zur Solarstromeinspeisung in den ÜNB-Regelzonen.
WINDENERGIE
Das Bundeskabinett hat vergangenen Mittwoch beschlossen, die Bürger über eine Haftungsumlage an den Zusatzkosten zu beteiligen, die bei Verzögerungen oder Störungen bei der Netzanbindung von Offshore-Windparkanlagen entstehen. Investoren von Offshore-Windparks und Netzbetreiber erhalten dadurch künftig mehr Planungssicherheit und können ihr Schadensrisiko besser kalkulieren. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Umweltminister Peter Altmaier (CDU betonten, dass die Belastungen für die Verbraucher so gering wie möglich gehalten werden sollen und die Umlage im besten Fall gar nicht erhoben werden müsse. Der Gesetzesentwurf soll noch in diesem Jahr in Kraft treten.
Eine zunehmende Dynamik im Offshore-Windbereich könnte auch den Markt für Service- und Wartungsleistungen weiter befeuern. Die Experten von Taylor Wessing und Deloitte beziffern das heutige Marktvolumen in Europa auf 2,3 Mrd. €. Bis 2020 könnte sich der Markt auf 4,5 Mrd. € verdoppeln. Wie aus der Studie weiter hervor geht, wird der aktuelle Wind-Service-Markt weitgehend von den Herstellern der Windenergieanlagen (OEM) dominiert. Deren Marktanteil lag 2011 im Onshore-Bereich bei 63 Prozent. Zu den großen regionalen OEMs zählen Enercon, Gamesa, Nordex, Repower, GE Energy und Siemens. Dennoch seien grundlegende Änderungen bis 2020 zu erwarten, heißt es weiter.
Weitere Artikel aus dem Segment der Windenergie befassen sich in EUWID Neue Energien 36/2012 mit den Plänen von E.ON zur Kostenreduzierung im Offshore-Bereich, den Gefahren für das Zwei-Prozent-Flächenziel für den Windkraftausbau in Hessen und den ad acta gelegten Plänen für eine Netzgesellschaft zur Offshore-Anbindung. Die Unternehmensberichterstattung befasst sich unter anderem mit Vestas, PNE Wind, Siag Nordseewerke, Keppel FELS, WEB Windenergie und Siemens Wind.
GEOTHERMIE
Mit der Vision, Geothermieprojekte in Zukunft als modulare Heizkraftwerke zu entwickeln wurde das Ingenieurbüro Kess zusammen mit mehreren Partnern mit einem Forschungsvorhaben beauftragt. Nach eigenen Angaben liefert das in Prien am Chiemsee ansässige Ingenieurbüro dabei das gesamte Know-how für die Projektentwicklung und Planung der technischen Anlagen von Geothermieprojekten. Gefördert werde das Gesamtprojekt über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren vom BMU.
Ziel des Forschungsvorhabens sei es, die Auslegung und Herstellung des geothermischen Kraftwerks effektiver, flexibler, schneller und günstiger durchzuführen, als es bis jetzt möglich war. Dies soll durch ein modulares Design und durch eine modulare (Vor-)fertigung der Kraftwerkskomponenten erreicht werden. Das Zeitfenster zwischen dem Ende der Bohrung und dem Beginn der Netzeinspeisung soll hierdurch signifikant reduziert werden.
Die Inbetriebnahme des neuen Geothermiekraftwerks im rheinland-pfälzischen Insheim, die für das dritte Quartal dieses Jahres vorgesehen ist, rückt näher. Wie das Bundesumweltministerium, das das Forschungsprojekt mit rund 640.000 € unterstützt, berichtet, sind mittlerweile alle Kernkomponenten wie Turbine, Generator, Wärmetauscher und Verdampfer installiert.
Zwei Bohrungen – eine Förderbohrung für die Entnahme des heißen Wassers und eine Injektionsbohrung für das Zurückführen des abgekühlten Wassers – waren bereits 2008 und 2009 bis auf eine Tiefe von 3.600 Metern niedergebracht worden. Das heiße Wasser in dieser Tiefe, das für den Kraftwerksprozess genutzt werden soll, hat eine Temperatur von mehr als 165 Grad Celsius, die Fördermenge wird voraussichtlich 65 bis 85 Liter pro Sekunde betragen. Die elektrische Leistung soll bei 4,8 MW liegen, womit rund 8.000 Haushalte mit Strom versorgt werden könnten. Mit der Restwärme aus dem Kraftwerksprozess sollen 600 bis 800 Haushalte beheizt werden.









