(openPR) Der Nestor der Sprechwissenschaft ist in Lausanne verstorben. Sein privates Schallarchiv mit Originalaufnahmen von Kurt Schwitters, Ludwig Harig, Helmut Heißenbüttel und zahlreichen Zeitzeugnissen hatte er im Oktober 2010 der Akademie für gesprochenes Wort anvertraut, deren Arbeit er maßgeblich geprägt hat: Zunächst bei deren Gründung und dann bei den Internationalen Stuttgarter Stimmtagen, die in diesem Jahr zum 9. Mal in Stuttgart (1. bis 4. November) stattfinden. An der Etablierung der Internationalen Stimmtage als interdisziplinäres und internationales Forum für das Phänomen Stimme und der Gründung des Stimmforschungsinstituts hatte Hellmut Geissner gewichtigen Anteil. Die ersten Begegnungen von Hellmut Geissner und der Akademiedirektorin Prof. Uta Kutter reichen bis 1965 zurück, weit vor die Gründung der Akademie 1993.
Hellmut Geissner war u.a. Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung (DGSS) und des Internationalen Kolloquium für Kommunikation (ICC). Er gründete das Institut für Rhetorik (IRM) an der Europäischen Akademie Otzenhausen und trat mit zahlreichen Veröffentlichungen zur Sprechwissenschaft und Sprecherziehung sowie der Rhetorik hervor. Seine „Geschichte der Sprecherziehung“ sowie die „Rhetorik und politische Bildung“ sind Standardwerke. Geissner arbeitete zudem im Wissenschaftlichen Rat des ‚Instituts für Deutsche Sprache‘ (IdS) mit, war Mitherausgeber der Zeitschrift "Text and Performance Quarterly". Als Mitglied wirkte er darüber hinaus in zahlreichen weiteren oft internationalen Gesellschaften mit, so in der ‚Gesellschaft für Angewandte Linguistik‘ (GAL), der ‚Speech Communication Association‘ der ‚International Society for the History of Rhetoric‘, der ‚International Society of Phonetics‘ und in der ‚International Society for the Study of Argumentation.
Für sein Wirken wurde er mehrfach, u.a. mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Die 13-teilige Fernsehserie „Reden und reden lassen“ (SWF/ORF), mit dem Adolf-Grimme-Preis in Silber ausgezeichnet, basiert auf seiner Lehre der rhetorischen Kommunikation.







