(openPR) Bei einem schweren Verkehrsunfall erlitt Kirsten Grote als 47-jährige lebensgefährliche Verletzungen. Ihr komplettes Leben wurde dadurch auf den Kopf gestellt. Dass sie heute trotz ihrer Schwerbehinderung wieder eine bürgerliche Existenz hat, verdankt sie dem AlG 2-Bezug, sog. Hartz IV.
Die Möglichkeiten dieses Bezuges hatte sie schnell schätzen gelernt: Nachdem sie im November 2006 auf der A 1 Höhe Neumünster-Süd von einem unaufmerksamen Autofahrer über die Autobahn geschleudert wurde und lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus kam, blieb ihr erstmal gar nicht viel anderes übrig, als sich intensiv um ihre eigene Genesung zu kümmern. Im April 2007 wurde sie aus dem Krankenhaus entlassen. Das geraed begonnene und wegen des Unfalls unterbrochene Studium wollte sie unbedingt fortsetzen. Die Frage war nur wie. Denn der Halbtagsstelle, mit der sie das Studium vor dem Unfall finanziert hatte, konnte sie nicht mehr nachgehen. „Aufgrund meiner schwerwiegenden Verletzungen war ich in zeitintensiver ambulanter Behandlung. Dass mir eine aufmerksame Sachbearbeiterin im Jobcenter dazu verhielf, dass ich das AlG-II aufgrund einer Härtefallregelung darlehensweise beziehen konnte, war ein echter Segen“, sagt die Flensburgerin heute. Sie fand durch das Studium in einen strukturierten Alltag zurück und schöpfte Kraft daraus, nicht den ganzen Tag über den Unfall und dessen Folgen nachzudenken. Das Studium schloss sie 2010 dann als 50-jährige mit dem Bachelor ab.
Die Ablenkung durch das Studium war nicht nur wegen ihrer verbliebenen gesundheitlichen Einschränkungen hilfreich. Kann sie auf diese noch mit viel sportlichem Einsatz und guter fachlicher Unterstützung, besonders durch ihre Physiotherapeutin, selbst Einfluss nehmen, war und ist sie anderem Unbill gegenüber relativ ohnmächtig: Obwohl bereits im Strafprozess festgestellt wurde, dass der Unfallverursacher die Alleinschuld am Unfall trägt, versucht die zahlungspflichtige Versicherung im Schmerzensgeldprozess die Überlastung der Gerichte in ihrem eigenen Sinne zu nutzen. Anders kann Kirsten Grote es sich nicht erklären, dass der Prozess auch im 6. Jahr immer noch in der ersten Instanz ist. „Das ist schon sehr schwer, mitzuerleben wenn die Gegenseite z.B. auf Beweisanträge besteht, die nach meiner Wahrnehmung sogar vom Richter von vornherein als aussichtslos betrachtet werden. Und dass ich in den vergangenen Jahren nicht ein einziges Mal vor Gericht davon erzählen konnte, wie es mir persönlich ergangen ist und wie es mir heute geht, finde ich ebenfalls befremdlich. Für alle anderen ist die Beteiligung an diesem Prozess nur ein Brotwerb; welche seelische zusätzliche Belastung dieser lange Prozessverlauf für mich bedeutet, interessiert scheinbar niemanden.“
Wer der aufgeschlossenen Frau heute begegnet kann erleben, dass sie sich aller verbliebenen Einschränkungen und Schwierigkeiten zum Trotz ein Stückchen Lebensfreude zurück erobert hat. „Glücklicherweise hatte ich über längere Zeit die professionelle Begleitung eines guten Psychotherapeuten. Das half mir, Prioritäten zu setzen und wieder eigene Ziele zu definieren.“
Prioritäten setzen und wieder eigene Ziele zu definieren - genau dabei hilft sie inzwischen anderen. Denn wieder einmal hatte sich ein aufmerksamer Mitarbeiter des Flensburger Jobcenters als Glücksfall für sie erwiesen: Dieser bot ihr die Teilnahme an einem vom Jobcenter veranstalteten Motivationstraining an. Und in diesem Training wurde ihr Talent und ihre hohe persönliche Glaubwürdigkeit als Trainerin entdeckt. Nach Abschluss ihrer Ausbildung zur Mentaltrainerin bietet die heute 52-Jährige nun selbst Gruppen und Einzelpersonen Hilfe zur Selbsthilfe. „Die allermeisten von uns bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück“, ist ihr dabei aufgefallen, „wir alle können so viel mehr, als wir im Alltag für möglich halten.“ Menschen in privaten und beruflichen Orientierungsphasen begleitet sie mit den Techniken des Mentaltrainings als aufmerksame, am eigenen Schicksal gereifte Persönlichkeit. „Besonders freut es mich, wenn ich mit meinem Konzept des Mentalen Genesungstrainings PatientInnen bewege, die von orthopädisch-chirurgischen Eingriffen genesen. Die eigenen Selbstheilungskräfte kann nur jede/r individuell bei sich selbst aktivieren, das Potential haben wir alle in uns. Sie wieder zu entdecken und zu stärken ist ein ungeheuer großer Gewinn für den Heilungsverlauf,“ weiß die Trainerin auch aus eigener Erfahrung.
Bei Themen wie Stress- und Konfliktbewältigung oder der Verbesserung der Arbeit im Team kann sie zudem aufgrund ihrer eigenen langjährigen Berufserfahrung praktische, unmittelbar auf die jeweilige Situation im Betrieb bezogene Unterstützung leisten.













