(openPR) Jeder fünfte Jugendliche in Deutschland ist arm. Jeder vierte Jugendliche ist in einem prekären Arbeitsverhältnis beschäftigt. Düstere Zahlen, was die Hoffnung des Landes angeht.
In Deutschland leben 13 Millionen junge Menschen. Jeder fünfte der bis zu 24-Jährigen lebt in Armut. Das war nicht immer so: Erwachsen zu werden, das scheint in Deutschland heute eine Herausforderung zu sein. Immer mehr junge Menschen scheitern daran, für sich selbst sorgen zu können. Ein Viertel der 19- bis 25-Jährigen in Deutschland lebt in Armut. Das ist das aufschreckende Ergebnis einer Sozialuntersuchung der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS).
Was die Untersuchung auch aufdeckt: Selbst Sozialleistungen verhindern diese Jugendarmut nur zum Teil. Es sind vor allem junge Frauen, die betroffen sind. Nordrhein-Westfalen liegt in Sachen Armut im Mittelfeld, Gelsenkirchen hingegen sticht heraus. Hier sind 21,8 Prozent der Jugendlichen mittellos.
Der Schlüssel zu diesem Problem liegt nach Auffassung von Experten in der Bildung. Immerhin 1,44 Millionen Jugendliche zwischen 20 und 29 Jahren haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. Sie finden dadurch keine qualifizierte Arbeit und rutschen auf der Sozialleiter immer weiter nach unten. Geschätzte 80.000 junge Erwachsene sind sogar nicht nur ohne Arbeit, sondern in Folge dessen auch abgeschnitten vom Bildungs- und Sozialsystem.
Kein Geld – keine Freizeitbeschäftigung, keine Bildung – kein Job, keine Arbeit – kein Geld. Es ist ein ständiger Teufelskreis, den sie nicht durchbrechen können. Für viele bedeutet das ein Leben unter dem Existenzminimum.
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Viele Jugendliche können ihr eigenes Leben nicht finanzieren und leben in Armut
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Viele junge Erwachsene haben im Monat nicht mehr als 300 Euro zur Verfügung. Manche Jugendliche rutschen nach Auffassung des Vorsitzenden der Bundesarbeitsgemeinschaft KJS, Simon Rapp, in die Armut ab, weil sie in der Hoffnung, Erfahrung zu sammeln und einen Job zu bekommen, unbezahlte Praktika machen und dann doch nicht in den Unternehmen und Betrieben unterkommen. Wer noch nie etwas verdient hat, dem kann das das Genick brechen.
„Prekäre Arbeitsverhältnisse schaffen prekäre Lebensverhältnisse“, fasst NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider die jüngste Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit OECD zusammen. Die besondere Dramatik an der Sache: Hauptbetroffene sind die jungen Menschen. „Dies zeigt einen weiteren Zusammenhang auf dem Weg in die Armut“, erklärt der Vorsitzende der dbb jugend nrw, Markus Schallenberg und gibt Schneider Recht. „Neben kostenlosen Praktika sind es auch prekäre Beschäftigungsverhältnisse, die in die falsche Richtung führen“, führt er fort. Hier finden die Jugendlichen zwar Arbeitsverhältnisse vor, doch nur zeitlich begrenzte, was wiederum eine planbare Zukunft unmöglich macht. Laut der Daten des Statistischen Bundesamtes sind es am häufigsten junge Beschäftigte in dieser Altersstufe, die sich in prekären Arbeitsverhältnissen befinden. Ihr Anteil beläuft sich auf 40,7 Prozent. In der Altersgruppe der 20- bis unter 25-Jährigen arbeitet gut jeder Vierte mit einem befristeten Vertrag. Im Vergleich dazu ist es bei den über 50-Jährigen nur jeder 20.
Auch im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen wächst die Kluft zwischen Arm und Reich. Noch im Jahr 2000 lag der Anteil der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten, die einen Niedriglohn von weniger als 1.890 Euro brutto im Monat beziehen, bei rund 16 Prozent. Zehn Jahre später liegt die Quote schon bei über 20 Prozent. Zehn Prozent der Haushalte am unteren Ende der Einkommensskala haben im Monat nicht mehr als 815 Euro zur Verfügung. In krassem Gegensatz haben hingegen die Haushalte, die die oberen zehn Prozent ausmachen, rund 7.381 Euro im Monat parat. Sie können am Monatsende locker 1.500 Euro auf die hohe Kante legen. Die Geringverdiener dagegen geben jeden Monat 200 Euro mehr aus als sie zur Verfügung haben. Die Schere klafft weit auseinander.
Hinter diesen Zahlen stehen Schicksale. Aus diesem Grund wird die dbb jugend nrw ihre Kontakte weiter nutzen, um in der Politik an vielen Stellen für Jugendliche mehr Sicherheit zu erreichen und Verbesserungen einzufordern.











