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Microsoft und Yahoo! vs. Google & Co.

17.10.200508:20 UhrMedien & Telekommunikation
Bild: Microsoft und Yahoo! vs. Google & Co.
Autor: Martin Schwager ist Senior Consultant bei Greenwich Consulting Deutschland.
Autor: Martin Schwager ist Senior Consultant bei Greenwich Consulting Deutschland.

(openPR) Die Ralley um die Kommunikationsindustrie beginnt!

Nach Ansicht von Experten scheint Microsoft im Kampf um das Internet zunehmend in das sprichwörtliche Hintertreffen zu geraten. Dies gilt auch in Hinblick auf das unlängst von Bill Gates im Silicon Valley verkündete „goldene Zeitalter der Software“. Mit diesen Zukunftsaussichten erscheint es trotz der beeindruckenden Kriegskasse von rund 40 Mrd. US$ für Microsoft zunehmend schwieriger, potentielle Investoren wie auch Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass Microsoft weiter aufregende Möglichkeiten und Perspektiven bietet.


Verfolgt man die letzten Entwicklungen innerhalb des von Microsoft bisher bearbeiteten Marktes, so lassen sich im Kampf um neue Perspektiven bereits wichtige Voraussetzungen ableiten und auch klare Fronten erkennen: Auf Basis konvergierender Technologien haben sich Internet, Zugangstechnologien und zugehörige Endgeräte zu einer Plattform entwickelt, welche die Übertragung von Daten, Sprache und Video ermöglicht. Hierdurch übernimmt das Internet zunehmend zentrale Funktionen von anderen Medien, wie zum Beispiel Telefon und Fernsehen. Als Konsequenz daraus folgt, dass neue Perspektiven im Sinne von Micrososoft und des Internets ebenfalls den Kampf um die Positionierung in der zukünftigen Kommunikations- und auch Unterhaltungsindustrie und dem damit verbundenen Markt bedeuten.
In den Medien hatten sich im Kampf um diesen Markt bereits zwei konkrete Pole herausgebildet. Während auf der einen Seite Google mit Sun eine Allianz bildete, standen dieser Allianz auf der Gegenseite Microsoft und Real Networks entgegen.
Voraussetzungen, welche insbesondere für eine erfolgreiche Positionierung in den Märkten Unterhaltung und Kommunikation identifiziert werden können, sind Zugang zu Inhalten, zu Basistechnologien und zu den entsprechenden (zahlenden) Nutzern.
Als letzter Vorstoß der im Wettbewerb stehenden Parteien für den Zugang zu Inhalten können die Gespräch um eine AOL Beteiligung gesehen werden. In diesem Fall scheint es, dass Google und Sun – gemeinsam mit Comcast – einmal mehr im Rennen um die zukünftigen Märkte die Nase vorn hatten. AOL wurde trotz seiner bisherigen Wahrnehmung als „aussterbender Dinosaurier“ nach einer Transformation des Geschäftsmodells von exklusiven Inhalten hin zu frei zugänglichen und werbefinanzierten Angeboten, zu einem interessanten Ziel für die Großen der Branche, welche sich nach Aussage von Branchenexperten seit geraumer Zeit eine gute Ausgangsposition im Rennen um AOL, deren Inhalte und Nutzer sichern wollten.
Betrachtet man den Zugang zu Basistechnologien so scheint es, dass die Ausgangsposition beider Parteien gleichwohl ähnlich scheint. Während jedoch Google gegenüber Microsoft hauptsächlich als Kind des Internet gelten kann, sind die Hauptprodukte von Microsoft mit Office und Windows vor allem Desktop- und Server-Produkte. So scheint es nicht weiter verwunderlich, dass Microsoft für den Ausbau von Internet affinen Technologien und Produkten auf alle Möglichkeiten setzt. Sowohl Zukauf von relevanten Unternehmen, als auch organisches, eigenes Wachstum und Investitionen in innovative Technologien wie zum Beispiel für Internetfernsehen haben daher für Microsoft eine enorme strategische Bedeutung.
Dieses Vorgehen scheint um so notwendiger, als Google mit der Sun-Partnerschaft auch das Kernprodukt Microsoft Office mit einer internetbasierten Version von Sun attackieren könnte und eine weitere Differenzierung dringend angeraten erscheint.

Kooperation im Instant Messaging

Um so weniger verwunderlich ist es, dass die beiden Parteien sich nunmehr auch auf dem Gebiet des Zugangs zu Nutzern bei „Instant Messaging“ gegenüberstehen.
Google hatte seinen eigenen Kommunikationsservice, welcher auch einen „Voice Over IP“ (VoIP) Service enthält, bereits im August diesen Jahres auf den Markt gebracht. Durch die bessere Position von Google gegenüber Microsoft bei den Gesprächen um AOL kann Google zudem auf eine mittelfristige Stärkung dieses Produktes durch den Marktführer in Instant Messaging hoffen.
Dem gegenüber erreichen Microsoft und Yahoo! über die angekündigte Interoperabilität zwischen dem „Microsoft Network Messenger“ (MSN Messenger) und dem „Yahoo! Messenger“ ebenfalls eine Stärkung ihrer Nutzerbasis und auch ihrer Angebote. Microsoft und Yahoo werden laut dieser Vereinbarung ihre kostenlosen und frei zugänglichen Produkte für den Austausch von Instant Messages (d.h. Textnachrichten, Buddy-Listen und Präsenzdaten) ab Mitte 2006 verbinden. Jedoch auch die Perspektive Sprach- und Videokommunikation mittelfristig zu verbinden, wurde gegeben. Somit stellen beide Partner nunmehr in diesem Markt eine kombinierte Nutzerbasis von weiltweit ca. 275 Mio. Nutzer und ein entsprechendes Gegengewicht zu dem Marktführer AOL mit ca. 100 Mio. Nutzern.
Während die Kommunikation zwischen MSN, AOL und Yahoo! Nutzern über Instant Messages innerhalb des Business Messengers von Microsoft bereits seit längerem gegen Lizenzgebühr möglich ist, war den restlichen Nutzern die Kommunikation zwischen den verschiedenen Plattformen über die originären Produkte der Anbieter bisher verwehrt geblieben. Eine Kommunikation war nur möglich unter Verwendung der Software Clients von Drittanbietern, wie zum Beispiel dem Produkt „Trillian“ oder dem T-Online Messenger „TOM“.

Welchen Vorteil aber haben Nutzer und Anbieter auf Basis dieser Kooperation?

Sollten bisher Nachrichten mit Nutzern anderer Plattformen ausgetauscht werden, so stand nur der Umweg über einen Software Client eines Drittanbieters zur Verfügung. Diese verbanden sich direkt zu den gewünschten Plattformen und stellten die Kommunikation somit über den jeweiligen Client zur Verfügung. Dadurch wurde jedoch bei deren Verwendung nicht nur Installation einer weiteren Software, sondern auch die Installation, Konfiguration und Registrierung des Nutzers bei allen verwendeten Plattformen notwendig.
Nach Verfügbarkeit der Interoperabilität zwischen Yahoo! und MSN kann dies entfallen. Dies senkt die Hürden für Installation und Konfiguration und stärkt ebenfalls nicht nur die Wahrnehmung des Dienstes bezüglich seiner gesteigerten Reichweite, sondern zeigt auch den Weg von Instant Messaging in Richtung eines ernst zu nehmenden, „erwachsenen Service“ auf.
Die Vorteile für den Nutzer sind aber auch gleichsam Vorteile für den Anbieter. So wird die Attraktivität des Service auf Grund der Erhöhung der Reichweite und der Einfachheit der Interkommunikation weiter erhöht, was zu einer Stärkung der Nutzerbasis und Bindung der bisherigen Nutzer führen dürfte. Dies zeigt sich vor allem auch in den Aussagen der Anbieter, welche die Interoperabilität als „meist gewünschtes Feature der Nutzer“ anführen.
Für den Nutzer steigt die Attraktivität ebenfalls, da ohne zusätzliche Anmeldung eine erweiterte Anwenderzahl mit Instant Messaging erreicht werden kann. Der Anbieter dagegen kann diesen Nutzern zukünftig zusätzliche Dienste und Inhalte auf Basis seiner Produkt- und Service-Strategie über den eigenen Messenger anbieten und den Nutzer so zu „seinen“ Dienstleistungen führen.
Da die Clients der Anbieter bereits mit Zusatzfunktionalitäten für Informationsdienste und auch andere Services wie Telefonie ausgestattet sind, sollte sich die Tatsache, dass Nutzer nicht mehr zur Installation des Clients von Drittanbietern getrieben werden, ebenfalls positiv auf die Monetarisierung des Service auswirken. Yahoo! und Microsoft werden es nun voraussichtlich schaffen, dass mehr ihrer Plattform-Nutzer den originären Client auch einzusetzen. Damit wird es beiden möglich, eine stärkere Monetarisierung des Kommunikationsservices, zum Beispiel indirekt über Werbung oder auch direkt über nutzungsabhängige Abrechnung von Services wie im Beispiel von Telefonminuten zu erreichen.
Dass dieser Schritt aber bereits zukünftige strategisch Pfade aufzeigt, lässt sich an aktuellen Technologiezukäufen der beiden Partner (Teleo und Dialpad) für den eigenen Aufbau von VoIP Services, sowie der Aussage ableiten, dass die Interoperabilität von VoIP zwischen den Partnern auch ein Teil der gemeinsamen Roadmap sei.

Interoperabilität

Bevor diese Interoperabilität jedoch den Nutzern beider Partner bereitgestellt werden kann, ist eine Integration der beiden proprietären Plattformen notwendig. Denn während Microsoft mit dem Windows Messenger und ab Version 7 des MSN Messengers auf eine kombinierte Plattform bestehend aus Teilen des Frameworks von SIP/SIMPLE und dem Exchange IM Server setzt, arbeitet Yahoo! mit einer eigenentwickelten Plattform. Die Verbindung der beiden proprietären Plattformen jedoch wird voraussichtlich auf Basis des SIP/SIMPLE-Standards vorgenommen. Dieser könnte nach seinen ihm eigenen Möglichkeiten anschließend ebenfalls für die Erweiterung der Interkommunikation auf Video und VoIP, sowie für weitere Dienste und Applikationen verwendet werden.
Demgegenüber stehen Google mit einer Eigenentwicklung, sowie AOL mit seiner OSCAR (Open System for Communication in Real-time) Plattform. Da laut unterschiedlicher Branchenmeinungen speziell AOL bisher jede Anstrengung zur Interoperabilität vermissen lässt, wird dies einer kurfristigen Reaktion von AOL auf die Interoperabilität von Microsoft und Yahoo! mit eigenen Interoperabilitäts-Partnern möglicherweise im Wege stehen.

Ausblick

Trotz des breiten Anklangs der Vereinbarung zwischen Microsoft und Yahoo! sowie der scheinbar einfachen technologischen Integration der Plattformen, wird derzeit mehrheitlich die Einschätzung geteilt, dass die Partnerschaft mittelfristig keine weiteren Auswirkungen auf klassische Telekommunikationsanbieter haben wird. Basis dieser Einschätzung ist, dass davon vorerst hauptsächlich PC-zu-PC und textbasierte Kommunikation betroffen ist.
Dieser Einschätzung sollte man jedoch zumindest kritisch gegenüberstehen. Denn diese technologische Hürde gemessen in Speicherplatz, Übertragungsbandbreite und Rechenleistung scheint bereits zu schwinden, betrachtet man zumindest die Installationsvarianten von Instant Messaging und VoIP Clients auf neueren Smart-Phones – welche zudem bei einem der Partner ebenfalls in dessen Produktportfolio zu finden sind.
Klar jedoch ist bereits eines: die Partnerschaft von Microsoft und Yahoo! auf der einen sowie Google und Sun mit Perspektive auf eine erstarkende AOL auf der anderen Seite wird weiter für Spannung in der Ralley um die beste Positionierung in der zukünftigen Kommunikations- und Unterhaltungsindustrie sorgen.



***
Kurzprofil Greewich Consulting Deutschland:
Greenwich Consulting zählt mit über 100 Mitarbeitern zu den führenden Management- und Strategieberatern für die größten europäischen Telefonie-, Internet- und Mobilfunkanbieter. Unsere Stärke ist die Leidenschaft für neue Ideen in der Telekommunikation. Wir glauben daran, dass ein solides Verständnis des Geschäfts, des Marktes und der Technologie Vorraussetzung ist, um Kunden der Telekommunikationsbranche, Medien und Informationstechnologie bedienen zu können.

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