(openPR) Thema:
Das diesjährige Festival mit dem Thema „Bildspuren – Unruhige Gegenwarten“ war inspiriert von den politischen und gesellschaftlichen Ereignissen der letzten Jahre und beschäftigte sich mit der im Wandel befindlichen Welt. Globalisierung, technischer Fortschritt und gesellschaftliche Umwälzungen lassen sie komplexer und ungeordnet erscheinen. Es wurden fotografische Positionen gezeigt, die Spuren der unruhigen Zeit entdecken, aufzeigen und vielfältig hinterfragen.
Die Hauptausstellung im Designhaus bot zu diesem Thema 14 Arbeiten von Künstlern aus Belgien, Deutschland, England, Finnland, den Niederlanden, der Schweiz und den USA. Diese Gruppenausstellung wurde von den weiteren 37 Arbeiten des Rahmenprogramms ergänzt, die an 12 Orten über die Stadt verteilt gezeigt wurden.
Merck-Preis:
Der 4. Merck-Preis der Darmstädter Tage der Fotografie wurde an Florian Schunck für die Arbeit "Skias" verliehen.
In diesem Jahr waren nominiert: Walter Ebenhofer aus Steyr (Österreich) für seine Arbeit „Diabolische Erinnerung [an Robert Capa]“, Nathalie Grenzhaeuser aus Berlin für ihre Serie „Die Konstruktion der stillen Welt“ und Florian Schunck aus Darmstadt für sein Projekt „Skias“. Gefordert war eine eigenständige Bildsprache bei der Umsetzung des Jahresthemas "Bildspuren – Unruhige Gegenwarten". Alle drei Arbeiten zeichnen auf unterschiedliche Weise Spuren der heutigen Zeit auf. Sie verweisen metaphorisch auf die Problematik der Berichterstattung in Krisengebieten, konstruieren Stimmungsorte der globalisierten Welt, und untersuchen die Wahrnehmung in Bezug zur Wirklichkeit.
Am stärksten überzeugt hat die Jury letztlich die Arbeit von Florian Schunck. Die konsequente szenische Konstruktion in drei Ebenen fügt sich aus gefundenen Objekten, den Skulpturen und den ikonografisch aufgeladenen Abbildern an der Hauswand zusammen. Die stark konzeptionelle Arbeit eröffnet vielschichtige Interpretationsmöglichkeiten, von der Rezeption von Wirklichkeit, bis hin zur kritischen Hinterfragung von Ikonenbildung und -anbetung. Über die religiösen Schattenfiguren hinaus lässt sich die Symbolik auch auf Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft ausweiten. Die Kombination von expressionistischen Schatten und zeitgenössischer Installation verbindet unterschiedliche Epochen der Kunst. Die Arbeit hat vom Konzept bis zur Präsentation an der Wand die Jury überzeugt.
Bildspuren – das Symposium:
Zum Programm der Darmstädter Tage der Fotografie gehört neben den Ausstellungen ein ganztägiges Symposium. Hier wird das jeweilige Jahresthema von unterschiedlichen Referenten theoretisch untersucht. Der Fotograf Julian Röder sprach im ersten Beitrag über die Bilder der heutigen Mediengesellschaft und ihre Wirkung. Der Soziologe Dr. Tilman Allert untersuchte anschließend die Realitätserschließung des Menschen durch Sprache und Bilder und hinterfragte die Wahrnehmung einer unruhigen Zeit. Nach der Mittagspause präsentierte der Schweizer Kabarettist und Aktionskünstler Ursus Wehrli in einem Filmbeitrag seine aufsehenerregenden Projekte rund um das Thema „Aufräumen“, sowohl in Kunstwerken, als auch in der Lebenswelt. Im darauf folgenden Vortrag stellte Dana Giesecke als wissenschaftliche Leiterin das Projekt „FUTURZWEI. Stiftung für Zukunftsfähigkeit“ vor. Die gemeinnützige Stiftung will dazu beitragen eine zukunftsfähige, enkeltaugliche Gesellschaft hervorzubringen, indem sie die Geschichten positiven Handelns – vom verantwortungsbewussten Kleinunternehmer bis zur Bürgerinitiative – erzählt. Luzia Simons referierte im fünften Beitrag über ihre künstlerische Auseinandersetzung mit den Themen Heimat und Identität in der modernen Gesellschaft. Ihre fotografischen Arbeiten „Transit“, „Face-Migration-Sichtvermerke“ und „Stockage“ beschäftigen sich auf subtile und vielschichtige Weise mit dem neuen internationalen Selbstverständnis in einer Zeit der Globalisierung und des kulturellen Austauschs. Nach einer kleinen Kaffee-Pause erläuterte Betty Fink in ihrer Position als Büroleiterin der „Ostkreuz-Agentur der Fotografen“ die Strukturen und Ziele der Berliner Agentur. Zuletzt sprach der international bekannte Fotograf Simon Norfolk. Er berichtete über sein Foto-Projekt zu Ehren von John Burke, einem irischen Kriegsfotografen aus dem 19. Jahrhundert, der den Anglo-Afghanischen Krieg auf sehr umfassende und einfühlsame Weise dokumentiert hatte und dennoch gänzlich unbekannt geblieben war.
Das Programm:
Den Austausch unter Künstlern zu ermöglichen, die Begegnung mit dem Publikum, mit Kuratoren oder Galeristen zu fördern ist ein großes Anliegen der Darmstädter Tage der Fotografie. Das Programm der Fototage bot dafür zahlreiche Gelegenheiten. Der Eröffnungsabend mit Vernissagen-Rundgang, Merck-Preis Verleihung und dem Ausklang in der Ausstellung der Hochschule Darmstadt lockte viele Besucher auf die Mathildenhöhe und stimmte auf die kommenden Tage ein. Das Symposium zum Festivalthema, ein gemeinsames Künstleressen und die Lounge im 603qm ermöglichten viele inspirierende Gespräche und den Gedankenaustausch am zweiten Festivaltag. Die Führungen durch die Hauptausstellung am Sonntag erleichterten den Zugang zur zeitgenössischen Fotografie. Ein Großteil der ausstellenden Künstler war für das Wochenende nach Darmstadt gereist und nutzte die gemeinsame Zeit zum Austausch untereinander, aber auch mit den interessierten Besuchern und Experten der Fotografie. Künstler und Publikum schätzten die räumliche Nähe der Ausstellungsorte und die Konzentration auf ein Wochenende sehr – ein Konzept, das sich bestätigt und seit Jahren bewährt.
"Nach der Wiederaufnahme ist mit dem siebten Festival wieder einen spannende Zusammenschau zeitgenössischer Fotografie gelungen.
Zudem sind die Darmstädter Tage der Fotografie dieses Jahr erstmalig in eine Kooperation in der Region eingebunden.
Diese Erweiterung bedeutete eine zusätzlichen Ausstellungseröffnung und für die eingeladenen Künstler weitere Experten-Vorträge.", schlossen die Initiatoren als Resümee.
Auf Initiative des Kulturfonds Frankfurt RheinMain hat sich ein neues Kooperationsbündnis aus verschiedenem Institutionen der Region gebildet: RAY 2012 Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain. Von diesen Erweiterungen profitierten die eingeladenen Künstler mit einer zusätzlichen Ausstellungseröffnung und Experten-Vorträgen.
Darüber hinaus förderte der Kulturfonds Frankfurt RheinMain im Rahmen seines Schwerpunktthemas "Transformator der Moderne" die Darmstädter Tage der Fotografie 2012 und setzt sich damit erstmals umfassend mit dem Thema Fotografie auseinander.
Der Festival-Katalog:
Zum Festival erschien ein umfangreicher Katalog mit Beiträgen der ausstellenden Künstler und der Referenten des Symposiums. Er kann über die Webseite www.dtdf.de bezogen werden. Eine Dokumentation des Festivals wird ab Herbst ebenfalls erhältlich sein. ISBN des Kataloges: 978-3-9813629-2-3.
Initiatoren und Kuratoren des Festivals sind:
Albrecht Haag, Alexandra Lechner, Rüdiger Dunker, Gregor Schuster, Ute Noll und Prof. Dr. Kris Scholz
Bildmaterial auf Anfrage unter:
